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Dort, wo wir aufwachsen oder uns niederlassen, ist unsere Heimat.
Wo auch immer wir uns bewegen,
um uns herum ist eine belebte Umwelt.
Mehr als 70.000 verschiedene Organismen teilen sich mit uns den Lebensraum.
Unsere Natur... Wie geht es ihr?
Wie ist der Zustand der verschiedenen Lebensräume in unserem Land?
Was hat sich zum Guten, was zum Schlechten verändert?
Die Alpen begrenzen Deutschland im Süden.
Sie sind ein erdgeschichtlich junges Gebirge,
aufgeworfen von den gewaltigen Kräften des Erdinneren.
Noch immer heben sich die Berge empor und werden gleichzeitig vom Wetter zermahlen.
Hier war noch vor Kurzem Eis und kein Wasser.
Der Schneeferner, der Gletscher auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg,
zieht sich derzeit zurück, verschwindet fast wie im Zeitraffer.
Nutznießer sind sofort zur Stelle.
Täschelkraut und Steinbrech besiedeln den Schutt neben dem sterbenden Gletscher.
Alpenbewohner wie die Aurikel und der Alpensalamander brauchen die Kälte.
Sie flüchten regelrecht vor der Wärme nach oben.
Der eine langsam, die andere noch viel langsamer.
Die Klimaerwärmung setzt dem Eis und den Arten zu.
Gämsen und andere große Tiere suchen Abkühlung in der Höhe.
Aber es geht ja nicht immer weiter hinauf.
Wenn es dem Edelweiß und den anderen Blütenpflanzen ganz oben zu warm wird,
könnte ihre Zeit hier vorbei sein.
Auch in tieferen Lagen wachsen viele Bergblumen, wie der Frühlingsenzian.
Steigende Temperaturen sind nicht sein Problem.
Er erblüht auf Almwiesen, schiebt sich lange vor dem Almauftrieb aus dem Boden.
Muss er sich etwa beeilen, bevor die gefräßigen Kühe kommen?
Die Blütezeit der Almwirtschaft scheint vorbei zu sein.
Ruinen einer vor 100 Jahren aufgelassenen Alm am Watzmann,
im Berchtesgadener Land.
Nicht nur die Steine, auch die Pflanzen,
die hier wachsen, zeigen an, was hier einmal war.
Alpenampfer gedeiht, wo vor langer Zeit das Vieh beisammen stand.
Wo es den Boden düngte.
Der Stickstoff aus den Hinterlassenschaften der Kühe
wandert auch nach Jahrzehnten noch ins Ampferblatt und in den Blattkäfer.
Der Naturraum der Alpen erstreckt sich weit über die Landesgrenzen hinaus.
Ein Blick nach Österreich lässt hoffen.
Schatten von Schwingen, so lang wie ein Auto, sind hier wieder oft zu sehen.
Sie stammen vom Bartgeier. Spannweite: fast drei Meter.
Vor 150 Jahren war der einst häufige Riese in Deutschland "erfolgreich" ausgerottet.
Die Folge: Kadaver verunglückter Tiere blieben liegen.
Die kostenlose Dienstleistung der Geier, als schnelles Aufräumkommando, verschwand.
Gesetze verpflichteten die Almbauern fortan, tote Tiere selbst zu beseitigen.
Eine teure und sinnlose Aufgabe, nur dort nötig, wo die Natur geschädigt ist.
Einst waren Bartgeier und andere Geierarten
in ganz Deutschland bei ihren Suchflügen zu sehen.
Gebrütet haben sie hier, in den Alpen.
Man hielt den größten heimischen Greifvogel zu Unrecht für einen Schädling
und schoss alle Geier ab.
Eine teure Sünde.
Heute wird viel Geld und Forschung in die Wiederansiedlung der Geier gesteckt.
Grenzübergreifend.
Die Kühe sind noch nicht aufgetrieben, aber die Schafe sind schon da.
Jetzt beginnt eine gute Zeit für die Geier.
Die Weidetiere halten die artenreichen Bergwiesen kurz,
in denen es von Kräutern und Insekten nur so wimmelt.
Bis in Bayern wieder Bartgeier brüten, werden wohl einige Jahre vergehen.
Aber das Vieh, das seit Jahrhunderten jeden Sommer hier aufgetrieben wird,
dient der Natur schon vorher auf vielfältige Art und Weise.
Der wichtigste Job der Rinder: die Bergwiese peu à peu abfressen.
Schön langsam und ungleichmäßig.
Die Kühe erhalten ihren eigenen Sommer-Lebensraum:
die Almwiese, die sonst mit Bergwald zuwachsen würde.
Summende Insekten und duftende Blumen umgeben nicht trotz,
sondern wegen der Kühe die Wanderwege und Brotzeitalmen.
Ein Gelber Eisenhut reckt seine Blüten am Rande der Weide Bestäubern entgegen.
Eine Königin der Eisenhuthummel nimmt das Angebot an.
Nektar und Pollen des Eisenhuts sind ihre ausschließliche Nahrung.
Sie ist mit einem Spezialrüssel ausgestattet.
Und sie ist auf Gedeih und Verderb auf einen gesunden Eisenhutbestand angewiesen.
Beladen mit Proviant vom Eisenhut fliegt sie zu einem Mäuseloch.
Im Ex-Mäusebau: das kleine Hummelnest.
Die Königin ist viel größer als ihre Arbeiterinnen.
Eine kommt mit einem vollen Honigmagen:
Futter für die Hummellarven in ihren Brutzellen.
Sie presst ihren Hinterleib zusammen und würgt Eisenhutnektar hervor.
Was aber bekommen die Larven im Sommer,
wenn der Gelbe Eisenhut verblüht ist?
Nach dem Gelben Eisenhut erscheint sein später blühender Verwandter:
der Blaue Eisenhut.
So vermeiden es die beiden Arten, um dieselben Bestäuber zu buhlen.
Viele Bergblumen, wie der Eisenhut oder die Enziane,
halten mit Gift- und Bitterstoffen die Weidetiere davon ab, sie zu fressen.
So können sie unbehelligt gedeihen und sich bestäuben lassen,
während die Konkurrenz der Gräser abgefressen wird.
Nach wie vor werden jedoch Almen aufgegeben.
Wirtschaftlichkeit siegt über Tradition.
Die Wildtierherden, die hier in grauer Vorzeit weideten,
sind längst Geschichte.
Wenn wir unsere Haustiere, die den Job der Wildtiere übernommen haben,
nicht mehr auf die Alm treiben,
ist das Schicksal der artenreichen Bergwiese besiegelt.
Ohne natürliche Gegenspieler greift der Wald nach den Freiflächen.
Dann überwächst und beschattet der Bergwald alles.
Das Haselhuhn mag den Halbschatten, ihm gefällt der aufkommende Wald.
Das Murmeltier dagegen verschwindet, so wie zahllose andere Arten,
wenn der Wald die Almwiese verschluckt.
Er gehört zu den Gewinnern in den Bergen.
Wie die Geier wurde auch der Steinbock
bei uns bis zur völligen Ausrottung gejagt.
Nun blicken wieder fast 1000 Steinböcke über die süddeutsche Bergwelt.
Bartgeier brüten bereits erfolgreich unweit der Grenze
und werden vielleicht schon bald auch am Nordrand der Alpen
ihre Riesenküken großziehen.
Die Geschichte von Steinbock und Bartgeier zeigt, wie sehr es manchmal an uns liegt,
welche Arten bei uns existieren oder nicht.
Tiere werden zum Glück nicht mehr
mit Kugel und Schrot von den Artenlisten gefegt.
Gesetze können helfen, aber auch schaden, So wie bei den verunglückten Weidetieren,
die bei uns nach dem Gesetz vom Besitzer "entsorgt" werden müssen.
Die Geier finden deswegen weniger zu fressen, müssen weiter fliegen
und haben weniger Zeit für den Nachwuchs.
Die Bartgeier, die schrittweise die Bergwelt wiederbesiedeln, machen Mut,
erinnern uns daran, was wir im Naturschutz alles erreichen können.
Die Alpen werden ein Stück wilder.
Gibt es einen Lebensraum bei uns, der noch ursprünglicher ist?
Zu Füßen der Berge breitet sich ein Meer aus Bäumen aus,
das wie ein Flickenteppich rund ein Drittel unserer Heimat überzieht.
Der Wald.
Auch hier kehren viele seltene Arten zurück.
Der Schwarzstorch, der Storch, der nicht klappert.
Heute sind es zehnmal mehr Schwarzstörche, die in den Wäldern
ihre Jungen großziehen, als noch vor 50 Jahren.
Fast 1000 solcher Schwarzstorch-Horste haben Vogelschützer unlängst gezählt.
Bei den kleinen Tieren gibt es meist keine Bestandszählungen.
Manche von ihnen sind so selten,
dass sie kaum jemand je mit den eigenen Augen gesehen hat.
Der Scherenkanker,
ein mit "schweren Waffen" ausgerüsteter Weberknecht.
Er hat es auf Weichtiere abgesehen.
Aber die Schnecke weiß sich gegen den Angriff zu wehren,
schäumt und schleimt den Angreifer voll.
Der Scherenkanker hat Mühe, den zähen Schleim von seinen Scheren zu bekommen.
Während sich das Weichtier... aus dem Staub macht.
Es ist windstill im Kiefernwald.
Nur ein Heidelbeerzweig bewegt sich.
Sie sieht alles.
Aber keiner soll sie sehen.
Die Waldschnepfe hält sich ganz ruhig, ist getarnt wie trockenes Laub.
Braunbären verirren sich vereinzelt in die Wälder im Süden Deutschlands.
Noch sind sie nicht wieder heimisch.
Die Schnepfe vertraut auf ihr Tarnkleid,
fliegt nicht weg, auch wenn die Störung ganz nah ist.
Erst wenn alles ruhig ist, verlässt sie für einen Moment ihren kostbaren Schatz:
ihre vier Schnepfen-Eier.
Die Farbe der Eier, der schleichende Gang der Mutter,
alles ordnet sich einer möglichst perfekten Tarnung unter.
Dann, ausgerechnet jetzt, durchbricht das erste Junge die Eischale.
Der Schlupf der Waldschnepfen-Küken steht bevor.
Als hätte sie es gespürt, schleicht die Schnepfen-Mutter vorsichtig zurück
und wärmt die Schlüpflinge in ihren brüchigen Eischalen.
Wieder ein großes Tier im Kiefernwald...
Rinder unter Bäumen, so wie es über Jahrhunderte und Jahrtausende normal war.
Nicht gut für maximalen Holzertrag,
aber gut für die Vielfalt des Lebens.
Forschungsprojekte, wie hier in Ödenwaldstetten auf der Schwäbischen Alb,
bestätigen, wie unentbehrlich große Tiere im Wald sind, für die Artenvielfalt.
Ihre wichtigste Aufgabe: Fressen.
Rinder schaffen ein kleinräumiges Mosaik aus Miniaturwiesen,
kompakten Dornensträuchern, Baumgruppen und abgestorbenem Holz.
Sie sind die direkten Nachfahren der Auerochsen,
die zusammen mit einem Dutzend anderer großer Pflanzenfresser hier einst lebten.
Blätter, Knospen und Zweige sind ihre natürliche Kost,
nicht Silage und Kraftfutter.
Rinder haben ein Verdauungssystem, mit dem sie, dank spezieller Mikroben,
fast ein Wunder vollbringen, indem sie Gras und Laub
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