De første 200 linjer.
HACHIOJI, PRÄFEKTUR KANAGAWA
HACHIOJl-GEFÄNGNIS DER STADT TOKYO
Yuki...
Mit der Bürde des Hasses zu leben... Armes Kind.
Ein Kind der Vergeltung.
LADY SNOWBLOOD
Aus dem Weg.
Weib, aus dem Weg!
Wer bist du?
Weißt du, dass dies Shibagen vom Senryo-Clan aus Asakusa ist?
Was soll's. Auf sie!
Eine Attentäterin? - Ich bringe sie um!
Nein!
Sie soll ihren Auftraggeber nennen.
Wer bist du?
Sprich!
Wer hat dich beauftragt?
Stirb!
Warum tust du das?
Rache.
Für wen?
Für die unzähligen Menschen, die durch dich gelitten haben.
Weib!
Wer bist du?
Lady Snowblood.
KAPITEL 1
RACHESCHWÜRE, LIEBE, HASS UND BLUT
Der Traum vom Frieden der Ära Tokugawa war zerbrochen.
20 Jahre nach Beginn der Meiji-Zeit schienen die Erneuerung
und die Ideen des Westens die Herzen der Menschen erreicht zu haben.
Was blieb, waren politische Kämpfe, profitgierige Handelshäuser,
korrupte Kaufleute, gierige Beamte, die ihre eigenen Taschen füllten,
und hochgeborene Männer und Frauen, die sich der Zügellosigkeit hingaben.
Die Klagen des Volks, das vor Elend weinte, blieben ungehört.
In diese Welt trat eine Frau der Rache.
Von treuherzigem Antlitz, einer Blume gleich, ahnte niemand,
dass sie tief in ihrem Herzen tödlichen Hass auf ihre Feinde barg.
Die Leute sagen:
Nicht weißer Schnee reinigt die Welt,
sondern der rote Schnee der Rache.
Ich möchte zu Matsuemon.
Wie komme ich zu eurem Oberhaupt?
Bitte führt mich zu ihm!
Hier entlang.
Bitte sehr!
Teilen wir! - Teilen wir!
Hier wird alles geteilt.
Das ist bei uns so Brauch.
Teilen wir! Teilen wir!
Hier kommt die Göttin der Lust!
Wartet!
Wartet, wartet!
Idioten!
Führt euch nicht auf wie jaulende, geile Straßenköter!
Aber... - Schweig!
Diese Dame ist ein hoher Gast.
Derjenige, der mit seinem Reichtum unser Dorf zerstören wollte,
dieser abscheuliche Shibagen
wurde auf bewundernswerte Weise von dieser Dame für uns erstochen.
Ich hörte, dass trotz Eures harmlosen Gesichts
Mord Euer Gewerbe sein soll.
Sagt mir, was Euer Begehren ist.
Matsuemon,
ich möchte, dass lhr diese Personen für mich findet.
Banzo Tsukamoto, Gishiro Tsukamoto,
Okono Kitahama.
Alle drei kommen aus dem Dorf Koichi
im Bezirk Aimi der Präfektur Shimane.
In Koichi bin ich geboren!
Es hat mich ein ganzes Jahr gekostet, das herauszufinden.
Und warum?
Erinnert lhr Euch an die Blutzollunruhen 1873?
Blutzollunruhen? Die sind mir nicht unbekannt.
Diese drei nutzten die Unruhen aus und betrogen die Leute in Koichi.
Um sie von der Wehrpflicht zu befreien, kassierten sie viel Geld.
Dann verschwanden sie. - Genaueres weiß ich nicht,
aber das sollen nicht drei, sondern vier Leute gewesen sein.
Ja.
Einer der vier, Tokuichi Shokei, ist verstorben.
Ermordet.
Ich bitte Euch!
Findet die drei!
Selbst wenn ich wollte,
ohne zu wissen, wie sie aussehen, nur mit ihren Namen...
Nein! lhr schafft das!
Es muss noch viele geben, die sie kennen.
Eine Suche mit Eurer landesweiten, großen Organisation wird bestimmt...
Unmöglich ist es nicht.
Aber was ist eigentlich Euer Anliegen?
Im Jahr 1873 wart lhr noch nicht einmal geboren.
Das Schicksal kann sich entscheiden, noch bevor man geboren ist.
Alle Jungen im Alter von 17 werden registriert
und für den Fall von Angriff oder Notstand
in Schutztruppen
oder Angriffstruppen eingegliedert.
Die Familienoberhäupter 16jähriger
haben sich zu melden.
Ab 20 ist Reservedienst zu leisten.
Mehr als zwanzig Jahre zuvor,
im März des Jahres 1873,
wurde erstmals
ein Wehrpflichtgesetz erlassen.
Damit wollte die neue Regierung
das Fundament eines modernen Staates legen,
der den Mächten Europa und Amerika ebenbürtig wäre.
Es fand jedoch nicht die Zustimmung des Volkes.
Es kam zu Unruhen, die in Ausschreitungen mündeten.
Bald nahmen Zerstörung, Plünderung
und Brandstiftung Züge einer Revolte an.
Viele Gerüchte entstanden, darunter das bekannte Beispiel
vom weißgekleideten Beamten der neuen Regierung,
der den vom Gesetz geforderten Blutzoll eintreibe.
Und damit nahm eine Tragödie ihren Anfang.
JUNI 1873
KOICHI, BEZIRK AIMI,
PRÄFEKTUR SHIMANE
Jiro?
Jiro? - Kommt!
Mutter! - Jiro!
Lasst mich los!
Mutter!
He!
Seht her, weiße Kleidung! Das ist der Wehrbeauftragte der Regierung!
Tötet ihn! - Unsinn!
Ich bin der neue Grundschullehrer dieses Dorfes! - Halt's Maul!
Stirb!
GISHIRO TSUKAMOTO
BANZO TAKEMURA
SHOKEl TOKUICHI
Liebling!
OKONO KITAHAMA
Wie sinnlos...
Warum...
Liebling!
Liebling...
Ist es Zeit?
Bald.
Du kannst gehen. Niemand kann sich dir mehr in den Weg stellen.
Das habe ich Eurer langjährigen Unterweisung zu verdanken.
Es macht mich traurig, es nicht vergelten zu können.
Was redest du da? Für dich gibt es nur ein Bestreben.
Um von Rachsucht durchdrungen zu sein, musst du Freude, Zorn, Liebe,
alle Gefühle ablegen.
Trauer gibt es nicht. Das Wort passt nicht zu einem Kind der Vergeltung.
Kind der Vergeltung... So nanntet lhr mich, wenn lhr geschimpft habt.
SAYO KASHIMAS GRAB
TORA KOBAYASHIS GRAB
Du bist ein Kind der Vergeltung, kein gewöhnlicher Mensch...
Ein Leben für die Vergeltung,
als teuflischer Dämon in Menschengestalt!
Selbst Buddha wendet sich von dir ab.
Sayo, reiß dich zusammen! Reiß dich zusammen!
Tora, warum geht das nicht schneller?
Ich habe draußen schon bei einigen Geburten geholfen.
So schwer war es nie!
Wenn ich nicht aufpasse, könnte Sayo sterben!
Lass mich ruhig sterben!
Wenn nur das Kind... Ich bitte dich, Tora!
Es geht nicht! Es ist wie verhext. Das Kind liegt falsch!
Und wenn schon!
Wenn es nur...
Wenn es nur...
Du kennst doch nicht mal seinen Vater!
Wenn es...
Wenn es nicht überlebt,
dann, Tora, bringe ich dich um!
Aber warum haben diese Vier so etwas Schreckliches getan?
Um Geld zu machen.
Geld zu machen?
Statt Wehrdienst zu leisten,
könne man auch 270 Yen zahlen, erzählten die Vier.
So holten sie aus den armen Bauern viele tausend Yen heraus.
Nachdem sie das Geld unter sich aufgeteilt hatten, flohen sie.
Tokuichi Shokei war mir verfallen.
Er nahm mich mit nach Tokyo.
Dort machte er ein Restaurant auf.
Ich zeigte mich gefügig und wartete auf den richtigen Moment.
Ich tötete Tokuichi.
Als ich nach den anderen suchte, wurde ich verhaftet.
Drei sind noch übrig.
Aber ich bleibe lebenslänglich im Zuchthaus.
Von eigener Hand kann ich mich nicht mehr rächen.
Heißt das, dieses Kind... Dieser kaum geborene Säugling...
Darum wolltest du einen Jungen.
Tora,
wie oft du mit mir geschimpft hast!
"Du bist ja mannstoll!"
Aber schon gut. Es stimmte ja.
Weil ich ein Kind wollte,
habe ich...
Im Frauengefängnis in Ichigaya,
und seit ich hierher kam,
habe ich wie eine läufige Hündin
einen Mann nach dem anderen verführt,
während ihr mich verachtet habt.
Für mich gibt es in der Welt draußen noch etwas zu erledigen.
Mein Groll erlischt nicht, und wenn ich sieben Mal wiedergeboren werde!
Deshalb übergebe ich ihn diesem Kind.
Ich sterbe, und mein Geist ergreift von ihm Besitz.
Anders kann ich mich nicht rächen.
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