نخستین 200 خط.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn.
Mit diesem Aufnahmegerät stimmt wohl etwas nicht.
Der Ton schwankt zwischen den zwei Lautsprechern.
Wie auch immer, ich beginne nun mit der Aufnahme.
Ich heiße Dennis Nilsen.
NILSENS STIMME AUS DEM GEFÄNGNIS
Gesellschaft leistet mir, wie Sie hören können,
das Wellensittich-Paar Hamish und Tweetles.
Hamish ist ein braver Junge.
Ich sitze hier
und rauche eine selbstgedrehte Scaferlati-Zigarette.
Du meine Güte.
Ja, wir ruinieren unsere Gesundheit.
An irgendetwas müssen wir ja sterben, oder?
EINE NETFLIX DOKUMENTATION
Heute Morgen ließ mich ein freundlicher Wärter
seine Ausgabe der News of the World lesen.
Diese Klatschzeitung gibt sich als seriöse Zeitung aus.
Er machte mich auf Seite 21 aufmerksam.
"Dennis Nilsens makabrer Witz über seine Verbrechen."
"Er hat in seiner Zelle ein Poster
von der Figur Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer aufgehängt."
"Und er glaubt, dass seine grässlichen Taten
eines Tages als Filmvorlage dienen werden."
Ende der Geschichte.
Das ist alles Unsinn.
Gute Nacht. Scotland Yard hat heute seine größte Mordermittlung eingeleitet.
HAUS DES SCHRECKENS
In London wurden Leichen gefunden.
In den nächsten Stunden werden sich die Ausmaße dieses Verbrechens zeigen.
Nun ja,
wie viel von diesem Zeitungsartikel ist wahr?
Ich wurde definitiv wegen Mordes verurteilt.
Die meisten anderen Details sind jedoch reine Erfindungen.
Laut der Staatsanwaltschaft gäbe es Mordmuster.
Sehr viele Menschen wohnten den Gerichtsverhandlungen bei.
Wer Horrorgeschichten hören wollte, wurde nicht enttäuscht.
Toll. "Des Nilsen, das Monster."
Sobald der Name Nilsen fällt, hat jeder sofort eine Meinung dazu.
Dennis Nilsen nannte sich "Der Mörder des Jahrhunderts".
Sie versuchen immer noch, mich als gefährliches Monster darzustellen,
wie wir es aus Filmen kennen.
Die Filmmonster.
Nilsen will nun aus dem Gefängnis seine Autobiografie veröffentlichen.
…ist eine unfassbare Geschichte.
Gut, legen wir los.
London, 1983.
Guten Tag. Es ist, gelinde ausgedrückt, extrem kalt.
Und es wird in den nächsten Tagen auch nicht wärmer,
weil der Wind von Norden und von Nordosten…
Ich erinnere mich an den Tag wegen des eiskalten, miserablen Wetters.
Ich saß gerade in meinem Büro,
als mir ein Kollege mitteilte,
dass er in dieCranley Gardens-Straße bestellt wurde,
wo mutmaßlich menschliche Überreste in einem Gullyloch gefunden worden waren.
NORD-LONDON
Als wir dort ankamen, standen die Mieter um ein Gullyloch herum.
Die Toiletten waren verstopft gewesen, weshalb ein Techniker kam,
um die Rohre freizumachen.
Und er entdeckte riesige Mengen an Fleisch und Knochen.
Ich kenne mich damit nur begrenzt aus, aber ich ging davon aus,
dass es sich nicht um tierische Überreste handelte.
Hat jemand Interesse an Ihren Funden gezeigt?
Ja, der Mann, der in der Wohnung im obersten Stock wohnt.
Die Mieter erzählten mir, dass sie die Nacht zuvor, so gegen Mitternacht,
draußen ein Kratzgeräusch gehört hatten.
Als sie daraufhin das Eingangstor öffneten,
war da der Mieter der Dachgeschosswohnung und hatte lediglich ein Unterhemd an.
Man bedenke, dass es eine eiskalte Februar-Nacht war.
Sie fragten ihn, ob es ihm gut gehe, und er sagte:
"Ja, ich kam nur raus zum Pinkeln."
Ich ermittelte weiter in Cranley Gardens
und fand heraus, dass er bei der örtlichen Arbeitsagentur arbeitete.
ARBEITSAGENTUR
Normalerweise kam er jeden Abend
um halb sechs von seiner Arbeit nach Hause.
Wir fanden auch heraus, dass die Knochenstücke aus dem Abfluss
tatsächlich menschlichen Ursprungs waren.
Und der Pathologe sagte, dass das Fleischstück
Würgemale aufzuweisen schien.
Und siehe da,
da spazierte ein Mann die Straße herauf.
Oh, es ist nun an der Zeit
Es ist nun an der Zeit
Er war außerordentlich entspannt.
Als ich in Cranley Gardens ankam, wusste die Polizei nicht,
was sie tun sollte.
DES NILSEN
Zaghaft versuchten sie, zu Informationen
über die gefundenen Überreste menschlichen Fleisches zu gelangen.
…Abflussrohr.
Nilsen sagte dann:
"Wie seltsam, dass Polizisten mit mir über meine Abflussrohre reden wollen."
Er ließ uns aber ins Haus.
Wir gingen hoch zur Mansardenwohnung.
Und sobald er die Tür öffnete,
kam uns dieser Gestank entgegen.
Ich kannte diesen schrecklichen Geruch.
Also sagten wir zu ihm: "Lass die Spielchen."
"Wo ist der Rest der Leiche?"
Und er sah mich an
und zeigte auf den Kleiderschrank.
Und als ich diese öffnete,
hingen da zwei große, schwarze Müllsäcke.
Da packte ich ihn und sagte ihm, dass er wegen Mordverdachts verhaftet war.
Auf dem Weg zurück zur Polizeiwache saß ich neben ihm.
Aber eine Sache plagte mich.
Diese zwei Müllsäcke waren riesig.
Während der Fahrt zum Polizeirevier wurde ich gefragt…
"Reden wir hier von einer oder zwei Leichen?"
Ich antwortete daraufhin sofort:
"15 oder 16".
Mir stellten sich die Nackenhaare auf.
Und der Kriminalhauptkommissar sah mich über den Rückspiegel an.
Ich bat ihn, nur nach vorne zu sehen, weil er anfing, von der Straße abzukommen.
Und dann wurde mir klar: "Das hier ist ein Serienmörder."
POLIZEIREVIER HORNSEY
Ich werde von einem Wärter einen langen Gang hinuntergeleitet.
Und dann steckt man mich in die ganz hinterste Zelle.
Man lässt mich dann in diesem altmodischen Raum zurück.
Darin befindet sich eine kleine Sitzbank und ein Tisch in der Größe eines Stuhls.
Da sitze ich nun, zünde mir eine Zigarette an und halte inne.
Wir wussten nicht, ob Nilsens Behauptungen der Wahrheit entsprachen.
"15 oder 16 Menschen?"
Wir durften ihn nur 48 Stunden lang in Untersuchungshaft behalten.
Und das war's.
Also mussten wir den Mann unbedingt zum Reden bringen.
SCOTLAND YARD BEFRAGUNGSBERICHT
Aber übt man zu großen Druck aus,
wird er am Ende gar nicht reden.
ICH WERDE EINIGE FRAGEN STELLEN
SIND SIE BEREIT, DIESE ZU BEANTWORTEN?
Ich erwartete, mit Fragen überhäuft zu werden.
Also überraschte ich die Polizisten
und erwähnte ganz kurz, dass ich ihnen alles sagen würde.
Nilsen hörte nicht auf zu reden.
Zunächst erzählte er uns, was genau passiert war.
WO HABEN SIE DIESE LEUTE GETROFFEN?
Er ging immer in eine Kneipe.
ICH TRANK ALKOHOL
Er quatschte immer jemanden an.
Die Personen gingen mit in seine Wohnung, wo sie Alkohol tranken und Musik hörten.
Und am Morgen darauf wachte Nilsen immer neben einer Leiche auf.
EINE KRAWATTE UM SEINEN HALS GEWICKELT
GESCHOCKT SASS ICH EINFACH DA
ENTSETZT
Und als man nachfragte, sagte er nur: "Ich kann mich an nichts erinnern."
WER SICH EINEN RAUSCH ANSÄUFT, ERINNERT SICH AN NICHTS
Normalerweise gibt es in einem Mordfall ein Opfer,
und dann sucht man nach dem Mörder.
In diesem Fall hatten wir einen Mörder…
DER ERSTE
…aber er kannte die Opfer nicht.
ICH VERGESSE DEN NAMEN
DER ZWEITE
ICH KANNTE SEINEN NAMEN NICHT
Wir mussten in diesem Fall all die Opfer ausfindig machen.
HELFEN WIR IHRER ERINNERUNG AUF DIE SPRÜNGE
Ich habe jede einzelne Frage beantwortet.
NUMMER VIER?
NILSEN 1,73 M GROSS
HALB LOCKIGES HAAR, HATTE TATTOOS
Ich ging bis ins letzte Detail.
Nr. 7. ETWA 1,75 M IRISCHER AKZENT
Im Gegenteil…
NR. 10 BLASS, LEER, RESERVIERT, ABGEMAGERT
…kein anderer britischer Mörder…
…hat jemals so unverblümt…
BRAUNES HAAR 25/30 JAHRE ALT
GEBRAUCHTE KLEIDUNG
…über seine Verbrechen gesprochen wie ich.
NR. 13 27-28 JAHRE ALT
EIN EX-GARDIST ER RAUCHTE
WAS RAUCHTE ER?
MEINE
Er gab nur bedingt Informationen, aber es waren vor allem junge Männer.
Ich dachte mir aber: "Wenn das, was Nilsen uns sagt, wahr ist,
wie kann es sein, dass in einer Stadt wie London
15 Menschen unbemerkt ermordet wurden?"
Die Polizei hatte genug Informationen, um Anklage zu erheben.
Damit wäre es zu einem Gerichtsverfahren gekommen,
und zwar außerhalb der Reichweite der Klatschpresse.
Da dies aber der bedeutendste Fall ihrer Karriere werden sollte,
profilierten sie sich in der Öffentlichkeit, indem sie
dafür sorgten, dass das ganze Land in den diversen Tageszeitungen von mir erfuhr.
Ich wurde von meinem Büro zur Nachrichtenredaktion bestellt,
wo mir ein Blatt Papier gegeben wurde, worauf stand,
dass ein Klempner, der für Dyno-Rod arbeitete,
menschliche Überreste in einem Abfluss gefunden habe.
Ich rief Scotland Yard an, aber die wussten nichts davon.
Da schrieb ich den Artikel.
Mein Artikel stieß auf Widerstand,
denn damals wollte man die Zeitungsleser nicht beim Frühstücken entsetzen.
Und es bestand kein Zweifel daran, dass Cattrans Funde einige Zeitungsleser
dazu bringen würden, sich beim Frühstücken zu übergeben.
Ich wusste nicht, ob mein Artikel veröffentlicht werden würde.
DONNERSTAG, 10. FEBRUAR 1983
Mir wurde gesagt, dass eine Mordermittlung in der Cranley Gardens stattfand.
Ich wurde gebeten, schnell dorthin zu fahren.
Ich war nicht aufgeregt, denn ich ging von einem alltäglichen Fall aus.
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