نخستین 200 خط.
Sie wuchsen in einem Zoo auf? - Geboren und aufgewachsen.
In Pondicherry, dem damals französischen Teil Indiens.
Meinem Vater gehörte der Zoo,
und so wurde ich entbunden von einem Herpetologen,
der zur Untersuchung des Bengalen-Warans dort war.
Mutter und ich waren wohlauf,
aber der arme Waran entfloh
und wurde zertrampelt von einem verängstigten Kasuar.
Die Wege des Karma.
Die Wege Gottes.
Eine tolle Geschichte.
Ich nahm an, Ihr Vater war Mathematiker, wegen Ihres Namens.
Weit gefehlt. Der Name stammt von einem Schwimmbad.
Es gibt ein Schwimmbad mit dem Namen "Pi"?
Mein Onkel Francis hatte bei der Geburt zu viel Wasser in den Lungen.
Die Ärzte
schleuderten Francis an den Füßen herum, damit das Wasser rausgeht.
Deshalb hatte er eine kräftige Brust und dünne Beine
und wurde ein großartiger Schwimmer.
Ist Francis wirklich Ihr Onkel? Er sagt, er war ein Freund Ihres Vaters.
Mein Onkel ehrenhalber. Ich nenne ihn Mamaji.
Der beste Freund meines Vaters, mein Schwimm-Guru.
Ich trainierte dreimal die Woche mit ihm, im Aschram.
Sein Unterricht
sollte mir später das Leben retten.
Ein Mund voller Wasser ist nicht gefährlich,
aber Panik um so mehr.
Immer schön atmen, nicht die Luft anhalten.
Guter Junge.
Haben Sie etwas gegen vegetarische Kost? - Nein. Gar nicht.
Und Ihr Name?
Sie wollten erzählen, woher Ihr Name kommt.
Das war etwas, was Mamaji meinem Vater erzählte.
Die meisten sammeln Postkarten oder Teetassen
auf ihren Reisen, aber nicht Mamaji.
Mamaji sammelt Schwimmbäder.
Er schwimmt in jedem Bad, das er entdeckt.
Und Mamaji erzählte meinem Vater,
von allen Bädern der Welt wäre das schönste ein Schwimmbad in Paris.
Das Wasser wäre so klar, man könnte Kaffee damit kochen.
Ein einziges Bad darin hätte sein Leben verändert.
Vor meiner Geburt sagte er:
"Soll dein Sohn eine reine Seele haben,
musst du ihn einmal mitnehmen ins Piscine Molitor."
Ich hab nie verstanden, warum mein Vater das beherzigte.
Aber so war es.
Und ich bekam den Namen Piscine Molitor Patel.
Wie erklärt man einen solchen Namen?
Ich war kaum elf Jahre alt, da...
Hey, Piscine.
Musst du gerade pissen?
Seht nur, der Pisser.
Mein Name verwandelte sich von einem vornehmen
französischen Schwimmbad in eine stinkende indische Latrine.
Ich hieß nur noch "Pisser".
Keine Pisser auf dem Schulhof.
Auch die Lehrer fingen damit an.
Unabsichtlich.
Also,
was passiert, wenn wir Gas zu schnell freisetzen?
Pisser?
Er hat "Pisser" gesagt.
Schluss! Ruhe!
Aber am ersten Tag des nächsten Schuljahres
war ich vorbereitet.
Anwesend.
Piscine Patel.
Guten Morgen.
Ich bin Piscine Molitor Patel.
Allen bekannt als
Pi. Der 16. Buchstabe des griechischen Alphabets, auch gebräuchlich
in der Mathematik als Beschreibung für das Verhältnis
des Umfangs eines Kreises
zu seinem Durchmesser.
Eine irrationale und unendliche Zahl,
meistens gerundet auf drei Stellen zu
3,14.
Pi.
Sehr beeindruckend, Pi.
Setz dich wieder.
Und seither waren Sie Pi?
Nein, nicht ganz.
Netter Versuch, Pisser.
Aber ich hatte noch den ganzen Tag vor mir.
Französisch kam als nächstes.
Danach Erdkunde.
Das sind die ersten 20 Stellen
von Pi.
Die letzte Stunde des Tages
war Mathematik.
Langsam.
Drei. Sieben. Fünf.
Acht. Neun.
Acht. Fünf.
Acht. Neun.
Es stimmt. Er kann es tatsächlich.
Pi!
Am Ende dieses Tages war ich Pi Pate}, Schul-Legende.
Mamaji sagt, Sie sind eine Legende auch unter Seeleuten.
Da draußen, ganz allein.
Ich kann nicht segeln.
Und ich war nicht allein. Richard Parker war bei mir.
Richard Parker?
Mamaji erzählte nicht viel. Ich sollte Sie besuchen,
wenn ich zurück bin in Montreal.
Weshalb waren Sie in Pondicherry?
Wegen eines Romans.
Ich mochte Ihr erstes Buch.
Und das neue spielt in Indien?
Nein, in Portugal. Aber es lebt sich billiger in Indien.
Ich freu mich, es zu lesen. - Können Sie nicht.
Ich hab's abgebrochen.
Zwei Jahre hab ich mich damit abgemüht, und dann
streikte der Motor und ging aus.
Das tut mir leid.
Ich sitze also in diesem Café in Pondicherry, eines Nachmittags,
und beweine meinen Verlust, und dieser alte Mann am Nebentisch
fängt ein Gespräch an. - Ja, Mamaji tut das gern.
Ich erzähle von meinem Roman, und er sagt:
"Ein Kanadier kommt nach Französisch-Indien,
auf der Suche nach einer Geschichte.
Ich kenne einen Inder in Französisch-Kanada,
der kann Ihnen eine unglaubliche Geschichte erzählen.
Das Schicksal will es wohl, dass Sie beide sich begegnen."
Ich hab über Richard Parker seit Jahren nicht gesprochen.
Was hat Mamaji Ihnen schon erzählt?
Er sagte, Ihre Geschichte ließe mich an Gott glauben.
Das sagte er auch über gutes Essen.
Was Gott angeht, so erzähle ich nur meine Geschichte.
Sie entscheiden selbst, was Sie glauben. - Einverstanden.
Nun gut. Wo fangen wir an?
Pondicherry ist die französische Riviera Indiens.
In den Straßen direkt am Meer...
wähnt man sich im Süden Frankreichs.
Ein Stück stadteinwärts ist ein Kanal.
Hier beginnt das indische Pondicherry.
Und das muslimische Viertel liegt im Westen.
Als die Franzosen Pondicherry
an uns zurückgaben, 1954,
entschied die Stadt, diesem Ereignis ein Denkmal zu setzen.
Mein Vater, ein kluger Geschäftsmann, hatte eine Idee.
Er hatte schon ein Hotel und hielt die Eröffnung eines Zoos
im botanischen Garten für besser.
Zufällig war meine Mutter Botanikerin in diesem Garten.
Sie begegneten sich, heirateten,
und ein Jahr später wurde mein Bruder Ravi geboren.
Ich kam zwei Jahre danach.
Es klingt wundervoll, aufzuwachsen in einem...
Amen.
Ja, essen wir.
Auch Hindus sagen "Amen"? - Katholische Hindus schon.
Katholische Hindus?
Wir sind schuldig
vor Hunderten von Göttern, nicht nur vor einem.
Aber Sie sind zuallererst Hindu?
Keiner von uns kennt Gott, bis ihn uns jemand vorstellt.
Meine erste Begegnung mit Gott hatte ich als Hindu.
Es gibt 33 Millionen Götter im Hinduismus.
Wie könnte ich da keinen von ihnen kennen?
Ich begegnete Krishna zuerst.
Yasoda beschuldigte Krishna einmal,
Schmutz gegessen zu haben.
"Du böser Junge, so etwas tut man nicht."
Das hat er gar nicht getan.
Hat er ihr auch gesagt.
"Ich ess' keinen Schmutz."
Yashoda sagte:
"Nein? Dann mach deinen Mund auf."
Und Krishna öffnete den Mund.
Und was hat Yasoda darin gesehen?
Was?
Sie sah in Krishnas Mund das ganze Universum.
Die Götter waren die Superhelden meiner Kindheit.
Hanuman, der Affengott,
der einen ganzen Berg trägt zur Rettung seines Freundes Lakshman.
Ganesha, mit dem Elefantenkopf,
der sein Leben riskiert für die Ehre seiner Mutter, Parvati.
Vishnu, die höchste Seele,
die Quelle aller Dinge.
Vishnu schläft, treibend auf dem uferlosen kosmischen Ozean,
und wir sind die Geschöpfe seiner Träume.
Nur Spektakel.
Lasst euch von den Geschichten und Lichtern nicht täuschen.
Religion ist Dunkelheit.
Mein lieber Papa verstand sich als Teil des neuen Indiens.
Als Kind hatte er Polio.
Oft lag er im Bett, schmerzerfüllt,
und fragte sich, wo Gott ist.
Am Ende heilte nicht Gott ihn, sondern die westliche Medizin.
Meine Mama studierte und dachte,
ihre Familie wäre auch Teil des neuen lndiens‚
bis die Eltern sie verstießen, weil sie unter ihrem Stand heiratete.
Ihre Religion war ihr einziges Band zu ihrer Vergangenheit.
Ich begegnete Christus in den Bergen, da war ich zwölf.
Wir waren zu Besuch bei Verwandten, Teebauern in Munnar.
Es war am dritten Tag dort.
Ravi und ich waren gelangweilt.
Mutprobe. Ich geb dir zwei Rupien.
Geh in diese Kirche und trink das Weihwasser.
Du hast wohl Durst.
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