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Ihr seid doch echt nicht ganz dicht …
Um diese Uhrzeit noch hier hochzukommen.
Das können wir nur zurückgeben.
Dann nehmen wir uns wohl nichts.
Hier ist es.
Der Horizont sieht aus,
als würde er in Flammen stehen.
Das ist der „rote Schein“.
Was?
Mir ist etwas eingefallen.
Der „rote Schein“ kann für das Flimmern der Sommerhitze stehen,
aber in diesem Gedicht ist damit das feurig glühende Licht der Morgendämmerung gemeint.
Dann hat die Japanerin, die Ihnen die Bedeutung erklärt hat,
das Gedicht wohl falsch interpretiert.
Aber der Wein hat diesen Irrtum für uns aufgeklärt.
Trinken wir.
Und genießen dabei diesen Anblick, als würden wir durchs Universum schweben.
Über den Feldern im Osten glüht ein roter Schein; …
wend ich den Blick zurück, sinkt schon der Mond.
Ich kann mich nicht bewegen …
Ich liebe dich, Natsuki …
Schon zehn Uhr?
Hey, ihr zwei, aufwachen!
Mann … Gestern haben wir ganz schön einen draufgemacht.
Wir holen uns noch eine Erkältung …
Tut mir leid, dass ihr meinetwegen die Nacht durchgemacht habt.
Aber es war einfach großartig.
Diese Landschaft im Morgengrauen und der Barolo …
Eine perfekte Liaison.
Das werde ich wohl nie vergessen.
Ja. Es war wirklich wunderschön.
Komisch.
Du stinkst nach Alkohol!
Bist du aus der Gegend?
Du bist ja ein süßer kleiner Kerl.
Wie heißt du denn?
Sora. Geschrieben mit dem Zeichen für „Universum“,
aber man liest es „Sora“.
Kleiner! Dreh dich mal zu mir um!
Deine Mutter …
Wo ist deine Mutter?
- Ist sie nicht mit dir hier? - Sora! Sora!
Liebling, hier!
Er ist hier!
Entschuldigen Sie bitte. Er hat Ihnen doch hoffentlich keine Umstände gemacht.
Sora, wir gehen.
Nein, ich bleib hier!
Sag mal, Kleiner … Magst du diesen Ort?
Ja!
Mama mochte ihn.
Darum mag ich ihn auch!
Ähm … Ist irgendwas?
Heißt die Mutter dieses Jungen … Natsuki?
Woher wissen Sie das?
Verstehe …
Es war meine Schuld.
Ich will mich bei Natsuki entschuldigen und diesmal für immer bei ihr bleiben.
Kommen Sie bitte mit.
Was für ein Zufall.
Dass wir im selben Hotel wohnen.
Du hast Kobayashi gefragt, oder?
So zu tun, als wäre es Zufall … Typisch für dich.
Sag mal, Issei.
Willst du heute wieder den Maitreya im Kōryū-ji besuchen?
Natürlich.
Verstehe.
Dann komme ich vielleicht mit.
Bitte nicht!
Hör endlich auf, mir in die Quere zu kommen!
Das habe ich gar nicht vor.
Ich möchte selbst etwas sehen.
Was denn?
Maitreya.
Allerdings nicht den, auf den du dich so versteifst.
Sondern einen anderen Maitreya …
Was?
Ist dir das gar nicht aufgefallen?
Du hast die Statue mit der juwelenbesetzten Krone betrachtet.
Aber gleich daneben steht noch eine kleinere Maitreya-Statue.
Die habe ich überhaupt nicht beachtet.
Das dachte ich mir.
Genau so bist du.
Aber für mich …
war gerade dieser kleine Maitreya einst meine Rettung.
Das weckt Erinnerungen.
An die Zeit, als ich mit dir hierherkam.
Keine Ahnung … Ich kann mich nicht erinnern.
Hast du es wirklich vergessen?
Während der zwei Jahre, die ich in Kyōto lebte,
kam ich mit dir als Kind fast jeden Tag hierher.
Nur um diesen kleinen Maitreya zu sehen.
Issei. Sieh dir den Maitreya an.
J-Ja.
Er ist wunderschön, Mama.
Er sieht aus, als würde er über etwas nachdenken.
Was er wohl denkt?
Du, Mama …?
Der „weinende Maitreya“.
So wird diese Statue genannt.
Wegen der Geste, mit der er sich mit der rechten Hand eine Träne abzuwischen scheint
und wegen seines sanft melancholischen Ausdrucks.
Mach ihn auf.
Was soll das? Ausgerechnet hier?
Das ist völlig pietätlos!
Mach ihn einfach auf.
Was ist?
Dieser Wein …
Dachtest du etwa, das wäre der sechste Apostel?
Natürlich nicht.
Trink, Issei.
Und begreif endlich, …
wie unreif du noch bist.
Und wie unerreichbar weit Yutaka Kanzaki dir noch voraus ist.
Hier …
Diese Dunkelheit ist die innere Welt eines Menschen, der seinen Weg verloren hat.
Sie gleicht der Welt, die Yutaka Kanzaki beschrieben hat.
Aber das hier ist nicht das Universum.
Es ist vielmehr …
Ja.
Ich spüre die Erde.
Reichlich Wasser. Üppiges Grün. Und überall der Atem des Lebens.
Wer ist da?
Hast du dort … auf mich gewartet?
Warum?
Warum macht mich das so traurig?
Du hältst den Rücken aufrecht …
und legst die Fingerspitzen an die Wange, als wolltest du deine Trauer verbergen.
Wer bist du?
Warum …
Warum habe ich es nicht verstanden?
Die Tränen meiner Mutter damals …
Mama …
Natsuki erlitt kurz nach Soras Geburt eine Hirnblutung …
Wie konnte das nur … passieren?!
Ich habe ihr damals gesagt, sie solle aufhören zu warten.
Du weißt es doch selbst.
Der Mann wird dir doch nicht bis hierher aufs japanische Land nachlaufen.
Ich warte doch gar nicht auf ihn.
Es hat mich verletzt,
dass er sich nicht über das Kind gefreut hat. Darum bin ich einfach davongelaufen.
Aber heute verstehe ich, dass er damals selbst völlig überfordert war.
Warum gehst du dann jeden Morgen so früh in den Man’yō-Park?
Weil ich glaube, dass er es irgendwann begreifen wird.
So wie ein Wein aus dem fernen Westen
und ein Gedicht, das vor Jahrhunderten im Osten entstand,
wie durch ein Wunder zueinandergefunden haben …
Ich glaube, irgendwann wird auch für uns ein Wunder geschehen.
Natsuki …
Das Wunder ist geschehen.
Meine Tochter ist zwar von uns gegangen,
aber das Kind, das sie uns hinterlassen hat, hat dieses Wunder zu uns gebracht.
Schwiegervater …
Hey, Sora.
Ich hab doch gesagt, du sollst nicht reinkommen.
Onkel … Du riechst nach Mama.
Das ist Mamas Wein!
Sora …
Die sehen jetzt schon aus wie eine richtige Familie.
Ja. Und das werden wir bestimmt auch.
Eine richtige Familie.
Ach ja!
Natsukis Gedichtband ist endlich im Selbstverlag erschienen.
Wollt ihr ihn euch ansehen?
Sehr gern!
WEIN UND WAKA - Hier ist er.
„Wein und Waka“ …?
Klingt interessant.
Das sind die Gedichte,
die Natsuki in Italien aufgeschrieben hat, wenn sie Wein getrunken hatte.
Da sind wirklich viele schöne Gedichte dabei!
Das hier …
Was ist, Shizuku?
„Allein irre ich durch die Weiten des Alls.
Als ich innehielt, blickte der Himmel schweigend herab.“
Dieses Gedicht … Es ähnelt dem sechsten Apostel.
Fast so, als hätte sie beim Schreiben an Maitreya gedacht.
Wenn das stimmt, dann könnte der Wein, den Natsuki damals getrunken hat …
Entschuldigen Sie. Wo sind die Weine, die Natsuki damals getrunken hat?
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