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Der Schlagzeuger ist, finde ich,
der Mittelpunkt des Universums.
Niemand groovt wirklich zu Gesang oder Gitarre.
Der Schlagzeuger bewegt die Menschen.
Die Drums sind leicht zu spüren und wenn man Musik spürt,
wird es unvergesslich.
Alle anderen Extrapolationen, wie die Melodie, dienen der Zierde
im musikalischen Kerngeschäft,
das die Beckenregion anregt und die Menschen zwingt,
öffentlich einen Paarungstanz aufzuführen, und zwar getrieben durch das Schlagzeug.
Diese verdammten Gitarristen! Wer braucht die schon?
Der Beat macht den Tanz.
Travis' einzigartigen Stil erkennt man sofort.
Seine Körperlichkeit ist unglaublich.
Alle haben ihren eigenen Drive. Manche Bands haben Drummer,
die ihnen einheizen,
sie ständig drauf bringen.
Wenn Travis Schlagzeug spielt,
wirkt es echt, als würde er jemanden verprügeln.
Er erlebte Aggression, Schmerz und Wut.
MMA-KÄMPFER
Er hat so viel durchgemacht und überlebt.
Die meisten hätten sich längst eingeigelt.
Da muss eine höhere Kraft im Spiel sein.
Fällt man wie Ikarus vom Himmel,
macht das scheiße noch mal was mit deinem Kopf.
MUSIKER
Mit jedem einzelnen Schlag
erzählt er der Welt seine Geschichte.
Seine Geschichte ist verrückt.
Das ist sie wirklich, Mann.
MUSIKER
Der Zeuge sah letzte Nacht aus ein paar 100 Metern Entfernung,
wie ein Feuerball über die Autobahn rollte.
Dann sah er, wie zwei brennende Männer
sich gegenseitig schlugen, um das Feuer zu löschen.
"Hier liegen zwei mit Verbrennungen."
"Ruft einen Krankenwagen, Mann."
DER FOLGENDE DOKUFILM WURDE ÜBER NEUN JAHRE
ZWISCHEN 2017 UND 2026 GEDREHT
IRGENDWO IM NORDATLANTIK
Seit dem Absturz betrat ich kein Flugzeug mehr.
Ich kann es nicht mal denken.
Lasse ich es zu,
sind da die schlimmsten Flashbacks.
Es geht einfach nicht.
Ich will mich so weit wie möglich vom Tod fernhalten oder von allem,
das mich mit dem Tod in Kontakt bringen könnte.
Ich nehme die Queen Mary nach Europa.
Diese Schifffahrt durch den Atlantik dauert neun Tage.
Nur so kann ich auf Tour gehen.
Travis soll nichts Gefährliches tun,
aber das ist kein ideales Tour-Szenario.
Seine Bandkollegen verstehen das. Alle verstehen es.
Er kennt die Route jetzt so gut, dass er genau weiß,
wann sie bei der Titanic sind.
Westeuropäisches Becken Mittelatlantischer Rücken
Bei hohem Wellengang behält er meist seine Schwimmweste an.
Er hat diese Angst, irgendwann nicht mehr
auf dieser Erde zu sein.
Ist man traumatisiert, verändert es die Physiologie,
wahrscheinlich in evolutionärer Hinsicht.
Erinnerung neigt zur Hyperkonsolidierung,
"TRAUMA-EXPERTE"
sie wirkt sehr stark auf den Geist ein,
auf sehr lebhafte Weise.
Ist das Trauma schwer genug,
denken manche vielleicht, sie seien wieder dort oder es passiere noch mal.
Ich bin jetzt sechsmal mit der Queen Mary gefahren.
Ich habe mich daran gewöhnt und meinen Rhythmus gefunden.
Ich konzentriere mich aufs Üben und spiele täglich stundenlang.
Bei der ersten Schifffahrt brachte ich ein Schlagzeug mit und baute es
in einem Raum auf, den man mir gab.
Manchmal war ich da drin.
Ich schloss beim Spielen meine Augen,
übte immer wieder dasselbe,
und als ich die Augen öffnete, standen fünf ältere Leute bei mir,
sahen zu, tranken Kaffee und glaubten,
ich sei eine Attraktion auf dem Schiff.
Ich dachte, so ist es am besten, um meine Nachbarn nicht zu nerven.
Ich möchte klingen wie auf einem größeren Schlagzeug,
mit zwei Bassdrums und einer Million Becken.
Ich liebte schon immer Drummer, die auf kleinen Sets richtig abgehen.
Mein Lieblings-Jazz-Schlagzeuger war schon immer Buddy Rich.
Was er konnte, war unglaublich, und er war ein Showman.
Er machte das Upside-Down-Solo berühmt.
Die Leute denken an seine Geschwindigkeit und wie es war, ihm zuzusehen.
Das sind auch meine zwei Lieblingsdinge an Schlagzeugern.
Ich würde Travis' Schlagzeug als Buddy-Rich-Setup beschreiben.
Eine Tom-Tom vorne, zwei an der Seite,
horizontale Becken, die flach aufgehängt sind, nicht gekippt.
Kleinstes Schlagzeug. Maximale Kraft.
Es gibt die mit den Monster-Drumkits, und die, die es mit weniger schaffen.
Beim letzten Schlagzeug-Battle mit Trav ließ er keinen Moment locker.
Und ich sagte: "Gib ja nicht auf. Mach lieber all die Triple-Rolls."
Und: "Willst du aufhören? Scheiße."
Der Typ ist Künstler und Musiker,
aber was er tut, ist so athletisch.
Das Einzige, was der Art ähnelt, wie er Schlagzeug spielt,
ist ein Boxer, ein UFC-Kämpfer.
Er geht in jede Show, als würde er in den Ring steigen.
Jedes Mal,
wenn er auf eine Trommel schlägt, ist da auch etwas von seiner Wut.
In Travis steckt viel Schmerz.
Er schlägt so hart, wie er nur kann, aber er bleibt dabei im Takt.
Ich würde es wilde Genauigkeit nennen.
Als ich ihn zum ersten Mal spielen sah, war sein Hi-Hat so hoch.
Um die Leute zu erreichen, glaubt man groß sein zu müssen, überlebensgroß.
Sein Ellbogen geht raus, der ganze Arm holt aus.
Ich denke an all die Dinge, die ihm später wehtun werden.
Meine Handgelenke
knacken und springen, sie machen allerlei Geräusche,
und ich habe immer viele Blasen, viele Schnitte.
Eines Tages war das Set schon halb vorbei, als Travis innehält.
Ich sah genauer hin. Seine Hand war offen.
Das war sein Knochen.
Er benutzt etwas namens Dermabond,
gemacht für Kaiserschnitte.
Er legt einfach das Dermabond um,
setzt sich auf:
"Mir geht's gut."
Und spielt das Set zu Ende, als wäre nichts passiert.
Aber so ist er.
Man blickt sonst auf die ganze Band, aber ich zoomte direkt auf ihn.
Der Typ ist wie Animal.
Trommelkrieg!
Animal!
Als Kind wollte ich zuerst wegen Animal aus Die Muppets Schlagzeug spielen.
Er war wild und schien immer riesigen Spaß hinter dem Schlagzeug zu haben.
Alle anderen waren einfach egal.
Ich fühlte mich zu Animal hingezogen.
- Wer ist jetzt Animal? - Ach, ja?
Er ging in die Küche, nahm Töpfe und Pfannen aus dem Schrank
"TRAVIS' VATER"
und schlug darauf, und meine Frau sagte:
"Ich mache aus ihm einen Schlagzeuger."
Mit vier bekam ich mein erstes Schlagzeug, ein Muppets-Schlagzeug.
Er schlug es fast in Grund und Boden.
Als Kind übte ich nicht gerne.
In dem Alter hat man zu nichts Lust.
Nur Freunde sind interessant.
Zum Glück hatte ich einen straffen Übeplan.
Mom saß mit ihm im Zimmer, während er übte.
Sie filmte seine Stunden,
damit sie wusste, wie es klingen sollte
"TRAVIS' SCHWESTER"
und was er tun sollte.
Meine Mom lernte mit mir zusammen Notenlesen.
Sie konnte so ziemlich das spielen, was ich spielte, und sie wusste,
ob ich übte oder nicht.
Sie sagte: "Nein, das war nicht richtig."
Sie bestand darauf, dass aus mir etwas wird.
Als wäre ich ihre kleine Kreation, die sie formte.
Sie hatten eine enge Bindung.
Ohne meine Mom hätte er wohl nicht all das getan, um dorthin zu kommen,
wo er heute ist.
TRAVIS' SCHWESTER
Ich war ein Muttersöhnchen,
und Pops war da, um sie in allem zu bestärken.
Ich war der Direktor, sie war die Hauslehrerin.
Wir lebten sehr bescheiden.
Paps baute das Haus mit seinen eigenen Händen.
Er war Vietnamveteran und Stahlwerkarbeiter,
der täglich Harley-Davidson fuhr.
Er arbeitete 60 Stunden die Woche, um für uns zu sorgen,
also verbrachten wir nicht viel Zeit miteinander.
Mein Vater lächelte nie. Er war sehr ernst.
Die meisten unserer Freunde hatten Angst vor ihm.
Ich kenne aber niemanden, der unsere Mutter nicht mochte.
Sie war eine tolle Frau. Sie kümmerte sich sehr um unsere Kinder.
Und plötzlich schwollen die Seiten ihres Gesichts hier an.
Vier Monate lang behandelten sie sie auf Mumps.
Anfangs wussten sie nicht, was es war.
Bei meiner Mutter wurde das Sjögren-Syndrom diagnostiziert,
das die Lymphknoten angreift.
Sie sagten, dass sie sofort Chemotherapie braucht.
Am nächsten Tag ging ich zur Arbeit.
Als ich abends nach Hause kam, sagte meine Tochter:
"Etwas stimmt nicht mit Mama."
Ja.
Sie starb dreißig Tage später.
Ich war verwirrt, wütend.
Ich stellte Gott infrage, die Religion und alles,
womit ich aufgewachsen war.
Ich dachte nur: "Wow, warum sollte Gott so etwas Gemeines tun?"
GELIEBTE EHEFRAU & MUTTER
Mein Vater konnte mir keine Antworten geben, denn er trauerte auch.
Wir sprachen nicht viel darüber,
ich und meine Kinder.
Wir nahmen es, wie es kam.
Zuvor erfuhren wir,
dass mein Vater eine Beziehung zu einer anderen Frau hatte.
Das machte es noch schwieriger.
Er war viel bei ihr und kam zu uns, wenn wir ihn brauchten.
Ich hasste ihn natürlich dafür.
Es gab keine feste Anlaufstelle, um sagen zu können:
"Jo, das ist schwierig für mich."
Ich konservierte meinen Schmerz und steckte ihn ins Schlagzeug.
Schlagzeugspielen war meine Therapie.
Zuletzt sagte meine Mutter zu mir: "Konzentriere dich auf deine Musik.
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