Pierwsze 200 wierszy.
Kudret? Was machst du da?
Ich trinke Raki.
Unerhört. Du schämst dich nicht mal.
Du gibst das Familienvermögen für Raki aus?
Nein, es ist nur ein Gläschen.
Was habe ich für ein Pech. Saufen und dann mich und die Kinder schlagen.
Ich bitte dich Ayse.
Habe ich euch je ein Haar gekrümmt?
Das hat noch gefehlt. Nachbarn, hört ihr das?
Trinkt am heiligen Tag und will uns noch schlagen.
-Musst du morgen nicht arbeiten? -Ja, schon...
-Es ist nur ein Gläschen. -Komm, steh auf!
Komm, steh auf, steh auf.
Steh doch auf!
Kein Mucks. Los.
Los, geh!
Was schaust du noch? Los, geh schlafen.
Jetzt wird er auch noch zum Alkoholiker.
Er denkt überhaupt nicht an seine Verantwortungen und seine Kinder,
sich zusammenzureißen und zur Vernunft zu kommen.
Verantwortungsloses Ding. Verantwortungslos!
Tsatsiki gibt es auch.
Eine ganze Flasche hat sie leer gesoffen.
Kinder!
Ihr kommt zu spät zur Schule. Also los!
Nese! Sule! Özge!
-Hier nimm, mein Kind. -Was ist das?
Milch, ich habe Honig zugefügt.
Was für 'ne Milch? Bin ich ein Kind?
Ah Şule, komm Liebes. Hier deine Milch.
-Milch? Gibt's keinen Tee? -Der brauch noch 5 Minuten meine Liebe.
Komm mein Sohn. Hier. Hier nimm, hier.
Trink du deine Milch, los.
Sie ist köstlich. Es ist Honig drin.
Junge, du verdirbst dir den Magen so früh am Morgen. Lass das.
Was seid ihr nur für Kinder geworden?
Um Gottes willen...
Meine hübsche Kleine. Komm.
Hier nimm deine Milch.
Was? Milch? Bäh!
Das sagt man nicht.
Wieso ist das hochgerutscht?
Hat da jemand rumgefummelt?
Was haben die gemacht?
Ach Gott, ach Gott.
Papa, fahr uns doch mit dem Auto zur Schule.
Nein, das fehlte noch.
Ist das ein Schulbus?
Was ist dabei, wenn du uns mit dem Auto fährst. Das rostet nur vom Rumstehen.
Was ist mit dem Auto? Die Schule ist hier um die Ecke.
Geht ein paar Schritte.
Gewöhnt euch nicht daran, überallhin kutschiert zu werden.
Los Kinder, lasst uns gehen. Von dem kommt nichts.
Mein Kind, sogar ich fahr mit dem Bus zur Arbeit.
Was ist dabei, wenn ihr ein paar Schritte geht?
Können sie uns etwas von sich erzählen?
Also ich bin Kudret Ziyaoglu.
1965, in Istanbul geboren.
Ich bin ein pensionierter Buchhalter.
Was können sie über ihre letzte Arbeitsstelle sagen?
Es war ein Staatsamt.
Sind sie ein Teamplayer?
Nein, ich bin nur für die Nationalmannschaft.
Ok, sind sie kreativ?
Um Himmels willen.
Was motiviert Sie am meisten bei der Arbeit?
Tee.
Herr Kudret, wie beschreiben ihre Kollegen Sie?
Als nett.
Welche Eigenschaften von Ihnen mögen Ihre Freunde am meisten und am wenigsten?
Ich habe eigentlich nicht viele Freunde.
Ok, Herr Kudret. Sagen uns bitte, warum wir Sie einstellen sollten.
Also, ich habe vier Kinder und einen alten Vater zu ernähren.
Die Rente reicht leider nicht mehr aus.
Und meine Frau, wenn die anfängt zu reden hört sie nicht mehr auf.
Ich gehe jeden Tag angeblich zur Arbeit und kehre Mitternachts wieder Heim.
Wenn Sie mich einstellen, würden Sie
eine gute Tat vollbringen.
Und eines möchte ich noch hinzufügen,
ich habe meinen Wehrdienst gemacht.
Siehst du nicht, dass der Bus leer ist? Setz dich doch.
Nein, danke. Ist gut so. Danke, ich...
...bin es nicht gewohnt im Sitzen zu fahren. Danke.
-Die Suppe ist auch eiskalt. -Wärst du eher gekommen, wäre sie warm.
Wer weiß, wo du dich bist jetzt rumgetrieben hast.
Was für'n Rumtreiben. Ich habe Überstunden gemacht.
25 Jahre opfere ich mich für diesen Mann, bringe vier Kinder auf die Welt,
mache meinen knackigen Körper zum Kartoffelsack
und der Herr hat immer noch Augen für Andere da draußen.
Natürlich gibt er auch nicht Bescheid, dass er sich verspätet.
Nur damit ich dir nicht nachspioniere, kaufst du dir kein Handy.
Was du wohl alles treibst, weiß ich nicht.
Ich möchte am liebsten sterben.
-Mein herzliches Beileid, Nachbar. -Danke, sehr nett.
Wie ist das passiert, so plötzlich?
Sie hat gesagt: "Ich möchte am liebsten sterben", und ist gestorben.
Hätte sie sich lieber etwas anderes gewünscht. Sie war wohl eine Heilige.
Ja. Genau.
Meine Liebe, hättet ihr doch wenigstens Halva gemacht.
Ist es neuer Brauch, wenn jemand stirbt, Tiramisu zu machen?
Meine verstorbene Schwester hat es sehr gemocht.
-Du hast die Konsistenz gut hinbekommen. -Schätzchen, du musst die Milch...
Papa, das ist dein dritter Teller. Ich möchte dich nur daran erinnern.
Zählst du meine Happen, du Penner.
Um Gottes willen, Papa. Ich denke nur an deine Gesundheit.
Denk lieber an dich, als an mich zu denken.
Schau, deine Frau ist gestorben. Was machst du? Holst du dir eine Neue?
Papa, was ist das für ein Geschwätz? Vor den Leuten.
Ich kenn dich doch, Mann. Du wirst jetzt jede Nacht auf die Pauke hauen.
Papa, bitte.
-Würde ein Vater je so etwas tun? -Ich hab's getan.
Und sogar vom Feinsten.
Ich habe dich und deine Mutter viel leiden lassen und unser Geld an Weiber verbraten.
Habe mich jede Nacht im Casino, einer Bar und im Nachtclub amüsiert.
Im Casino habe ich alles verloren und mich verschuldet.
Und meine Schulden dir aufgehängt.
Aber jetzt frage ich mich,
ob ich das richtige getan habe.
Aber das habe ich, Mann. Ehrlich.
Ich habe meine Tage genossen.
Oh, es sei dir gegönnt Papa.
-Sei dir gegönnt. -Hör auf mich, Kudret.
Du hast ein langes Leben vor dir. Die Zeit vergeht.
Jetzt wo du noch Zeit hast, lebe dein Leben.
Wäre ich in deinem Alter, würde ich keine Sekunde zögern.
Aber was soll man machen? Ich bin dem Ende nahe.
Heute bin ich noch hier, morgen nicht mehr.
-Herzliches Beileid, Nachbar. -Danke, das ist sehr nett.
-Wie ist das passiert, so plötzlich? -Wir wissen es nicht.
Er sagte: "Heute bin ich hier, morgen nicht" und starb.
Er hat es wohl geahnt. Er war wohl ein Heiliger.
Ja.
-Schwager. -Ja, bitte.
Ich meine, sollten die Kinder vielleicht für eine Weile bei mir bleiben?
Sich um vier Kinder zu kümmern, wird schwer für dich.
Wir möchten euch keine Unannehmlichkeiten bereiten.
Was für Unannehmlichkeiten, Schwager?
Die würden sowieso nicht mitkommen, Gül.
Die Kinder hängen sehr an mir und würden mich nicht alleine lassen.
Junge,
Mama.
Habt ihr keinen anderen Ort gefunden zum Grillen? Los, geht weg hier.
-Willkommen mein Sohn. -Hallo Mama.
Warum bist du so früh gekommen?
Mama, ich wollte nicht mehr leben.
Ich habe niemanden mehr.
Keine Frau, keinen Vater, keine Kinder...
Ich bin so alleine, Mama. Mich braucht keiner mehr.
Aber Sohn, Vitaminkapseln und Hustensaft werden dich nicht töten.
-Werden sie nicht? -Natürlich nicht.
Außerdem gibt es Menschen auf dieser Welt, die dich brauchen, mein Sohn.
-Mich? -Dich.
Schau.
Dieses Mädchen heißt Leylifer.
Sie braucht dich sehr.
Aber du musst in drei Tagen in der Antep Burg sein.
Sonst könnte es zu spät sein.
Für was könnte es zu spät sein?
Stell nicht so viele Fragen und mach dich auf den Weg, mein Sohn.
Was habe ich dir als Kind immer gesagt?
"Hätte ich dich nur nicht auf die Welt gebracht”, sagtest du.
-Nicht das, das Andere. -"Steh von den sauberen Kissen auf."
Das auch nicht, das Andere.
"Ich erleide, was ich getadelt habe", "Geh und lerne", sagtest du.
"Andere Kinder haben gute Noten, wieso du nicht, bist du dumm?"
"Du Gaul, du Bazille. Aus dir wird nichts, du Volltrottel", sagtest du.
Ok, ok, hör auf. Hab ich dir überhaupt nichts Gutes gesagt?
Mein Sohn, du scheinst nicht zu wissen, dein Name steht für Kraft.
"Einheit entsteht, wenn man Hand in Hand hält."
"Lasse niemals die Hand der Menschen los, die bei dir sind."
Sagte ich nicht:"Hilfe jedem, der dich braucht“? Erinnere dich doch.
Ich kann mich an sowas nicht erinnern, Mama.
Wie, du erinnerst dich nicht? Wie?
Einmal waren doch deine Tanten bei uns
und du hast deinen Cousins nicht erlaubt, mit deinen Spielsachen zu spielen.
-Da habe ich es gesagt. Erinnere dich! -Nein Mama, sowas hast du nicht gesagt.
Wie kannst du dich daran nicht erinnern?
Du hast mir damals das Metallauto auf den Kopf geschlagen.
Hier, die Narbe ist noch zu erkennen.
Wenn nicht, dann sage ich es eben jetzt. Schluss jetzt. Genug!
Du musst in drei Tagen in der Antep Burg sein. Leylifer braucht dich.
Mama?
Mama.
Mama.
Ich komme, Leylifer.
Bruder, brauchst du ein Akkugerät?
Verdammt, bei dem Verkehr in Istanbul
ist Autofahren eine Qual.
Bruder, möchtest du ein Akkugerät?
Ich habe Selfie-Stangen. Die steigern deine Likes. Na, Bruder?
Was ist denn das?
Was soll das bedeuten?
Ich habe kein Telefon.
Sag einfach, du willst keins. Warum lügst du in deinem Alter? Schande.
Akkuladegeräte!
Ich habe Akkus. Sehr schöne Akkus.
Vielleicht den hier?
Komm her!
Lauf nicht weg, komm her!
Er ist dorthin gelaufen.
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