لومړۍ 200 کرښې.
Schon komisch, eigentlich mag ich die Realität nicht.
Sie ist trist, langweilig.
Aber manchmal brauche ich sie eben doch.
Nämlich wenn ich meine Fantasien auslebe.
Die, an die ich denke, muss ich kennen.
Wenn ich masturbiere, muss es einen Realitätsbezug geben,
damit es funktioniert. Das erregt mich.
Dass ich tatsächlich mit ihr schlafen könnte.
Auf meiner Liste habe ich nur Frauen, die ich kenne.
Keine Schauspielerin, kein Model, die ich eh nie treffen werde.
Dafür z.B. Vanessa. Ah, Vanessa...
Samia, Virginie, Lou - die Schwester von Virginie -,
Amel... Amel...
Madame Hénin, die Mutter von Ludovic Hénin.
Ludovic Hénin war in meiner Klasse.
Lange habe ich Mme. Hénin verehrt.
Wenn ich an sie dachte,
war es wie bei einer Alterungs-Software.
Ich machte sie älter, aber natürlich super sexy.
Dann ließ ich das. Denn mir wurde klar,
wenn ich beim Wichsen an seine Mutter denke,
denkt ein anderer dabei garantiert an meine.
Da war's aus.
Also gut... Wenn ich ein Pornovideo gucke,
verknüpfe ich die Darstellerin mit einer, die ich kenne.
So bestimme ich das Casting für mein Masturbationsszenario.
Ich gucke das Video, speichere den Frauenkörper ab
und pappe das Gesicht einer, die ich kenne, drauf.
Wenn ich masturbiere und an eine Frau denke,
zeige ich ihr meine Verehrung, zeichne sie aus.
Aha!
Rechts, das bin ich. Ich rede gerade mit Bruno.
Den lernt ihr später kennen.
Wollte nur schon mal das Thema Masturbation anschneiden,
weil es heikel ist.
Das wäre also jetzt erledigt.
Ihr denkt sicher voreilig: Der Typ ist ein Wichser.
Stimmt nicht.
Nur einer, der sein Leben lieber träumt, als es zu leben.
Nun kann's losgehen.
Ich heiße Sébastien, bin 29, und bin, um mich knapp zu beschreiben:
Frei und entspannt
Erfolg war mir nie wichtig. Ehrgeiz ist mir fremd.
Ich wollte immer nur nichts tun. Meine Ruhe haben
und in Ruhe gelassen werden.
Man verschläft 1/3 des Lebens. Ich liege bereits jetzt weit darüber.
Ich lege mich unheimlich gern hin und relaxe.
Mein Ehrgeiz ist es, eine stille große Fläche zu sein.
Der mir wichtigste Ort: das Bett.
Die Landschaft, die ich am häufigsten betrachte:
die Zimmerdecke.
Hier alle Betten meines Lebens:
In dem bin geboren.
Ich heiße Sébastien Morin
Das meiner ersten Jahre.
In dem fühlte ich mich immer wie in einem Raumschiff.
Meine Lieblingszimmerdecke.
Mein erstes Erwachsenenbett.
Sébastien, steh auf, es ist zwölf.
Hier lag ich nach der Blinddarmoperation.
Böse Erinnerung, aber hübsche Aussicht.
Marie, die Krankenschwester...
immer noch auf meiner Liste.
Meine Fantasie beginnt immer so...
Sébastien, ich rasiere dir jetzt das Schambein.
Keine Angst, tut nicht weh.
Sébastien, aufstehen, halb eins.
Das Bett im Studentenwohnheim. Hässlich,
aber darin hatte ich zum 1. Mal Sex.
Sébastien, es ist eins. Steh jetzt auf!
Und, was hast du nach den Ferien vor?
- Nichts. - Das heißt?
Ich denke, ich nehme mir Zeit für mich.
Ein Sabbatjahr, vielleicht auch zwei.
Zeit für dich?
Du musst das Leben jetzt in Angriff nehmen.
10 Jahre Studium und dann nichts tun?
Es gibt nichts, das mich reizt.
Bevor ich irgendwas mache, lasse ich mir lieber Zeit.
Du willst nichts aus deinem Leben machen?
Es zählt immer nur, was man tut, nie, was man ist.
Bist du nicht zu alt für dieses pubertäre Gerede?
Deine Theorie ist ja schön und gut, aber zum Leben gehört Arbeit.
Es gibt keine, die mir gefällt.
Bei Arbeit geht es nicht ums Vergnügen.
Wovon willst du denn leben?
Ich dachte, da ich die Frucht eures Leibes bin,
könntet ihr mir helfen.
Ja, wir helfen dir, natürlich.
Dann kam: "Es ist zu deinem Besten,
"du wirst es uns einmal danken".
Damit begannen die Probleme.
Schön, dass du hier bist.
Die Bretagne ist okay, aber in Paris passiert alles.
Es soll gar nichts passieren.
Kennst du ihn schon lang?
Seit 3 Jahren, von der Uni.
Lief was zwischen euch?
Nein, Sébastien hat nicht mal mit mir geflirtet...
Und, seid ihr zusammen?
Nein, Bruno und ich wohnen nur zusammen.
So soll's auch bleiben.
Ein Paar teilt doch Wohnung und Bett.
- Und liebt sich vor allem. - Klar, die Liebe...
Das ist mein Zimmer.
Dahinten ist mein Schreibtisch.
Tolles Zimmer, es riecht super gut.
Und das ist mein Zimmer.
Ich muss mal lüften.
Ich muss mal richtig lüften.
Das Bad.
Die Toilette.
Wohngemeinschaftsregel: nicht länger als eine 1/4 Stunde besetzen.
Das gilt auch fürs Bad.
Frauen brauchen eben länger!
Und für Männer ist das Klo das Bad.
Was Männer so lange auf dem Klo machen, ist mir schleierhaft.
Anna kannte ich von der Uni.
Alle waren hinter ihr her. Irgendwie wurden wir Freunde.
Sie schlug mir vor, auch nach Paris zu kommen.
Ein Freund ihres Vaters hatte eine Wohnung für sie.
Nicht billig, aber ich Glückspilz kam ohne Geld an einen schönen Ort.
Herzstück der Wohngemeinschaft: der Kühlschrank.
Jeder kauft für sich ein.
- Chips im Kühlschrank? - Ich liebe kalte Chips.
Putzmittel dagegen kaufen wir gemeinsam.
Letzter Punkt...
Keiner läuft nackt in der Wohnung herum.
- Intim bleibt intim. - Das war keine Absicht.
Dafür passiert es dir aber recht oft.
Ich zeig dir noch den Rest. Also, der Schrank ist...
Ich, der frei, allein und entspannt sein wollte,
musste mir nun Regeln über Nacktheit und WCs anhören,
schlimmer noch, Wörter wie "Gemeinschaftstopf".
So deprimierend wie "jetzt sofort" statt "später mal"
oder "Willst du ein Bierchen?"
- Aperitif? - Willst du ein Bierchen?
Ich habe in alter und neuer Philologie promoviert,
den Master in Soziologie, Philosophie und Psychologie
Englisch und Chinesisch.
- Und Kunstgeschichte? - Ja, hab ich auch.
- Du bist eben Mr. Studiosus. - Ich lerne gern.
- Und arbeiten? - Nein.
- Arbeitet ihr? - Ja.
Praktika, sind ja inzwischen richtige Jobs!
- Bald gibt's dafür Masters. - Die modernen Sklaven.
Wie kleine Chinesen.
Ich will Sportjournalist werden, ist aber schwer.
Über eine Zeitarbeitsagentur habe ich nach 86 Absagen
ab morgen einen Job. Und weißt du was? Leichenwagenfahrer.
Ist hart, einen Toten zu kutschieren.
Ist auch nicht anders als Taxifahren, nur mit toten Kunden.
Die nerven nicht.
Aber die ganze Trauer, Weinen, Tränen, Wehklagen...
Bin ich gewohnt, mein Vater ist Jude.
Mich zieht es in die Verlagsbranche.
Ich mache ein Verlagspraktikum.
Ich kümmere mich um Erotikromane und Krimis.
- Aber sind doch auch Bücher. - Super!
Ich und Jobs... weiß noch nicht so recht.
Du musst jetzt Miete zahlen, also auch Geld verdienen.
Du bist über 25, da bleibt dir noch das Sozialamt.
Ja...
Pflaumen mag ich einfach nicht.
Warum kaufst du's dann?
- Cashback-Artikel. - Du isst Joghurt zum Aperitif?
Ich mag's.
Sébastien, auf dein neues Leben!
Zum Wohl!
- Was ist? - Schläfst du gut?
Ja. Was willst du denn?
Ich durchschau deine Nummer: "Ich Armer,
"von den Eltern verstoßen... Bitte, Anna, liebe mich."
Damit klar ist: Anna gehört mir, okay?
- Anna ist mir völlig egal. - Gefällt sie dir nicht?
Doch, aber ich will nichts von ihr.
- Bist du noch Jungfrau? - Nein.
- Homo? - Nein.
Aber ein Mädchen verführen, ist mir zu viel Arbeit.
Aber darüber rede ich jetzt nicht mit dir.
Wir kennen uns gerade mal 5 Stunden.
Ich schlafe öfters im Wohnzimmer und lasse meinen Schwanz
unter der Decke rausgucken. Um sie heiß zu machen.
Klappt's?
Nein. Aber ich bin sicher, sie hat ihn gesehen.
- Schon das erregt mich. - Aha.
Du trainierst nachts mit Hanteln? Mein Körper soll immer bereit sein.
Nachts bringt es doppelt so viel.
- Kann ich den Fernseher anmachen? - Mach nur.
- Sonst schlafe ich im Wohnzimmer. - Nicht in deinem Zimmer?
Da ist kein TV.
- Darf ich dich Seb nennen? - Ja.
Meine Freunde nennen mich "der Andere".
1983, da wurde ich geboren, war Sébastien der häufigste Vorname.
Ein Nachbarjunge, so alt wie ich, hieß Sébastien Doréa.
Wir waren in derselben Schule und Uni.
Er war viel beliebter als ich.
- Oh, Ratatouille! - Sébastien hat gekotzt!
- Sébastien Doréa? - Nein, der andere!
- Nervte dich das nicht? - Nein.
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