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WARSCHAU 1939
- Herr Szpilman? - Hallo.
- Ich bin Ihretwegen hier. Sie spielen wunderschön. - Wer sind Sie?
Mein Name ist Dorota, ich bin Jureks Schwester. Sie bluten ja!
Das ist nichts - Komm, Dorota!
Du kannst ihm später einen Verehrerbrief schreiben.
Jurek, warum hast du sie vor mir versteckt?
- Was nehm ich nur mit? - Zu viel, wie immer.
- Wie viele Koffer nimmst du mit? - Ich pack das rote Kleid ein.
Was meinst du, soll ich das Porträt von Onkel Szymon mitnehmen?
Nimm es mit oder lass es hier Siehst du nicht, dass ich krank vor Sorge bin?
Er wird schon kommen, es ist alles in Ordnung.
Wir brauchen einen Extra-Koffer für Schuhe - Mama, Wladek ist da!
Gott sei Dank, Wladek!
- Du bist verletzt!? - Nein, nur ein kleiner Schnitt.
Ich war ganz krank vor Sorge!
Du hattest ja deine Papiere dabei für den Fall, dass dich eine Bombe trifft.
Henryk, sag nicht so was!
- Ich finde gar nichts mehr! - Gott behüte. - Papa, Wladek ist da.
- Sag ich doch. - Was macht ihr?
- Hat jemand meinen Hut gesehen? - Wonach steht's denn aus?
- Wir mussten das Programm einstellen. - Warschau ist nicht der einzige Sender.
- Pack deine Sachen, mein Liebling. - Wo wollen wir hin?
- Raus aus Warschau. - Aber wohin?
Hast du's nicht gehört?
- Was denn? - Hast du die Zeitung nicht gelesen? Wo ist die Zeitung?
Ich hab sie zum Packen benutzt.
- Zum Packen! - Die Regierung ist nach Lublin gegangen.
Alle wehrfähigen Männer müssen am andern Flussufer eine neue Frontlinie bilden.
Es ist kaum noch jemand im Haus. Nur Frauen, die Männer sind weg.
Was wollt ihr denn an der Front machen? Eure Koffer hinter euch herziehen?
- Pack deine Sachen. - Ich gehe nicht fort.
Gut. Ich gehe auch nicht fort.
Seid nicht albern, wir bleiben zusammen.
- Wenn ich sterben muss, dann zu Hause. Ich bleibe hier. - Gott behüte!
Psst! Hört zu!
Gab die BBC in London eben bekannt:
Da die britische Regierung
von der deutschen Regierung keine Antwort auf ihr Ultimatum erhielt,
hat sie Nazi-Deutschland den Krieg erklärt.
Das ist wunderbar!
In den nächsten Stunden wird Frankreich eine ähnliche Erklärung abgeben.
Polen steht nicht allein da.
Mama, das war ein fantastisches Abendessen.
Wenn es etwas zu feiern gibt, muss man sich ins Zeug legen.
Auf Großbritannien und Frankreich!
Ich hab's euch ja gesagt:
Alles wird gut!
5.003.
- Ist das alles? - Ja. 5.003 Zloty. Mehr haben wir nicht.
Das sind 3.003 Zloty zu viel.
Hier "Betrifft: weitere Beschränkung der Bargeld-Bestände.
Juden dürfen maximal 2.000 Zloty in ihren Wohnungen aufbewahren."
- Was machen wir mit dem Rest? - Zahlt es auf ein Sperrkonto ein.
- Wer ist so dumm, zu einer deutschen Bank zu gehen? - Wir könnten es verstecken.
Seht mal. Wir könnten das Geld unter den Blumentöpfen verstecken.
Nein, wir nutzen bewährte Methoden. Wie im letzten Krieg:
Wir haben ein Loch ins Tischbein gebohrt und das Geld darin versteckt.
- Und wenn sie den Tisch mitnehmen? - Was soll das heißen?
- Die Deutschen nehmen sich aus jüdischen Wohnungen, was sie wollen. - Wirklich?
Was sollen sie mit so einem Tisch?
- Was machst du denn da?! - Nein, hört mal
Dies ist der sicherste Ort. Niemand guckt unter die Blumentöpfe.
Nein, ich hab nachgedacht
- Wirklich? Das ist ja ganz was Neues! - Wir nutzen die Psychologie.
Wir lassen das Geld und die Uhr auf dem Tisch und decken beides zu. Ganz offen.
- Bist du verrückt? - Das fällt den Deutschen niemals auf.
Das ist das Dümmste, was ich je gesehen habe. Natürlich fällt das auf! Sieh mal.
Dummkopf - Oh, und mich nennst du verrückt?
- Nein, das ist gut! - Das dauert Stunden!
- Wir haben Zeit. - Das dauert nicht ewig. - Und wie kriegt man's wieder raus?
- Einzeln mit einer Pinzette? - Niemand hört auf mich
Ruhe bitte! Seid doch mal still!
Sie ist Juristin, sie liebt die Ordnung.
Hört mal zu! Die Uhr kommt unter den Blumentopf und das Geld in die Violine.
- Kann ich sie dann noch spielen? - Das wirst du ja sehen
- Jurek? Hier ist Wladek Szpilman. - Wladek? Wie geht's euch?
- Gut. Uns geht's gut, danke. Und euch? - Den Umständen entsprechend ganz gut.
Ich weiß schon, warum du anrufst. Sie machen den Sender nicht wieder auf.
Ich weiß. Aber, Jurek - Nicht mal Musik. Kein Radio für die Polen.
Ich weiß. Jurek - Aber du findest schon Arbeit. Ein Pianist wie du!
Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber
Sei mir nicht böse, aber ich rufe nicht an, um über meine Karriere zu reden.
Ich habe Jurek wochenlang genervt, und schließlich sagte er: "Gut, komm mit."
Also kam ich mit, und dann haben sie den Sender bombardiert
Es war wunderbar, Sie auf diese Weise zu treffen.
- Wirklich? - Ja Es war unvergesslich.
- Sie spielen wunderschön, Herr Szpilman. - Nennen Sie mich Wladek.
- Niemand spielt Chopin wie Sie. - Ich hoffe, das ist ein Kompliment.
- Natürlich! Ich meine das ernst! - Ich wollte nur einen Scherz machen.
- Wollen wir ins "Paradiso" gehen und einen Kaffee trinken? - Ja, gerne.
- Und Sie? Was machen Sie? - Ich habe das Konservatorium abgeschlossen.
- Sie sind Musikerin? - Erst seit kurzem. - Welches Instrument?
Cello.
Ich sehe gerne zu, wenn Frauen Cello spielen.
Da wären wir
FÜR JUDEN KEIN ZUTRITT
Was für eine Schande! Wir können sie es wagen?!
- Die Leute wollen bessere Nazis sein als Hitler. - Ich werde mich beschweren.
- Nein, besser nicht. - Das ist so erniedrigend! Jemand wie Sie!
Wir finden auch etwas anderes.
- Wir können im Park spazieren gehen. - Nein, können wir nicht.
Eine offizielle Verfügung: Juden sind im Park nicht zugelassen.
- Soll das ein Witz sein? - Nein, es ist wahr.
Wir könnten uns auf eine Bank setzen, aber auch das ist Juden nicht gestattet.
Das ist doch absurd!
Wir können immerhin hier stehen und uns unterhalten. Das müsste erlaubt sein.
Sie spielen also Cello, Dorota? Das ist schön
Und wer ist Ihr Lieblingskomponist? Chopin? Wirklich? Also
Dann werden Sie seine Cello-Sonate lernen, oder?
"Und was ist mit Ihnen, Wladek?"
Vielleicht kann ich Sie auf dem Klavier begleiten.
Herr Szpilman, Sie sind einfach wunderbar
Bitte sag Wladek zu mir.
"Betrifft: Kennzeichnung der Juden im Distrikt Warschau.
Hiermit ordne ich an, dass alle Juden im Distrikt Warschau
ein sichtbares Emblem tragen, wenn sie sich im Freien aufhalten.
Diese Verordnung tritt am 1. Dezember 1939 in Kraft
und gilt für alle Juden ab 12 Jahren.
Das Emblem wird am rechten Ärmel getragen
und besteht aus einem blauen Davidstern auf weißem Hintergrund.
Der Hintergrund hat so groß zu sein,
dass der Stern acht Zentimeter von Spitze zu Spitze misst.
Die Schenkel des Sterns müssen einen Zentimeter breit sein.
Juden, die diese Verordnung missachten, werden hart bestraft.
Der Gouverneur des Distrikts Warschau,
Dr. Fischer."
- Ich werde das nicht tragen. - Ich auch nicht. Ich lasse mich nicht brandmarken.
Lass mich mal sehen.
Steht da nicht, dass wir uns diese Armbinden selbst besorgen müssen?
- Wo bekommen wir die hier? - Nirgends! Wir werden sie nicht tragen.
- Hast du das gesehen? - Was denn? Ich arbeite.
Was ist das?
- Da wollen sie uns hinstecken. - Was meinst du mit "hinstecken"?
"Verordnung des Gouverneurs für den Distrikt Warschau, Dr. Fischer,
über die Bildung eines jüdischen Wohnbezirks in Warschau.
Es wird ein jüdischer Wohnbezirk gebildet, in dem die hier wohnenden
oder zuziehenden Juden Wohnung zu nehmen haben."
Und hier:
"Juden, die außerhalb des vorgeschriebenen Gebietes leben,
haben sich bis zum 31. Oktober 1940 in den jüdischen Wohnbezirk zu begeben."
Da kriegen sie uns nicht alle unter! Es gibt 400.000 Juden in Warschau.
Nein, 360.000. Es wird also ganz einfach.
Was soll ich denn machen? Sag's mir!
- Du bist klug. Sag mir, was ich kaufen soll! - Ich tue mein Bestes
Mama, was ist denn?
20 Zloty.
Das ist alles, was wir noch haben. 20 Zloty.
Was soll ich denn mit 20 Zloty kaufen?
Ich hab's satt, immer nur Kartoffeln zu kochen. Nichts als Kartoffeln.
Das ist mein Angebot.
Nehmen Sie's an. Mehr zahlt Ihnen keiner.
- Aber es ist ein Bechstein, Herr Lipa! - 2.000. Ich rate Ihnen: Nehmen Sie an.
Wollen Sie den Flügel essen, wenn Sie Hunger haben?
Raus mit dir, du Dieb! Du Schwein!
Lieber verschenken wir ihn!
Was ist denn euer Problem?
Ihr seid doch verrückt.
Ich tu euch einen Gefallen! 2.000, und ich bezahle den Transport!
Ich berechne euch nicht mal den Transport!
Ihr habt heute noch nichts gegessen. Ihr seid verrückt!
Nehmen Sie ihn mit.
Eigentlich wollte ich nicht kommen. Ich wollte das alles nicht sehen,
aber ich musste.
Wie geht es dir?
- Gut. - Schön.
Nein
Mein Cousin wurde verhaftet. Jurek sagt, sie lassen ihn wieder frei.
Es ist eine Schande - Es wird nicht lange andauern, keine Sorge.
Das habe ich auch schon gesagt.
Es ist einfach zu absurd.
Ich sollte wohl
Wir sehen uns.
Bald.
Nun ja
Um ehrlich zu sein: Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet.
Wo schlafen wir?
Ich schlafe mit den Mädchen in der Küche, und ihr bleibt mit Papa hier.
Seht mal.
Kommt und seht euch das an.
Geht weg, geht weg!
Papa! Papa!
- Hast du was verkauft? - Ein einziges. Dostojewski, "Der Idiot". Drei Zloty.
- Besser als gestern. - Drei lausige Zloty!
- Hier gibt's Leute, die verdienen Millionen. - Ich weiß.
Gar nichts weißt du, glaub mir.
Sie bestechen die Wachen und die drücken ein Auge zu.
Sie bringen ganze Wagenladungen rein: Lebensmittel, Tabak, Alkohol, Kosmetika.
Die Sterbenden sind ihnen egal.
Verzeihung, haben Sie meinen Mann gesehen? Izaak Szerman.
- Ein großer, attraktiver Mann mit grauem Bärtchen. - Nein, leider nicht.
Schlafen Sie gut. Aber wenn Sie ihn sehen, schreiben Sie mir, ja?
Izaak Szerman!
Warum muss eine nichtjüdische Straße durch unser Viertel führen?
Können die nicht außen herumgehen?
Keine Sorge, die bauen ja eine Brücke. Haben Sie das nicht gehört?
Eine Brücke Idioten!
Und die Deutschen behaupten, sie wären intelligent! Die sind doch dämlich!
Ich hab eine Familie zu ernähren und wart hier ewig, bis sie uns durchlassen.
Meinen die, ich bin hier, um Musik zu hören?
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