لومړۍ 200 کرښې.
Ah, die Torte!
Küss die Braut!
Ich bin noch nicht dran gewöhnt, so vor allen Leuten.
Nicht so schüchtern. Er traut sich nicht. Das ist es eben.
Das wird sich ändern. Bravo.
Josef. Ich glaube, es ist Zeit für die Rede.
Liebe Freunde, ich trinke auf das glückliche Brautpaar.
Auf Inga Weiss, geborene Helms, das neue Mitglied unserer Familie,
und auf meinen Sohn Karl. Auf das glückliche Brautpaar.
Und da sich die Familien Weiss und Helms nun verbunden haben,
trinke ich auf meine neuen Verwandten, die Helms. Herr und Frau Helms.
Auf Herrn und Frau Helms. Auf Ihren Sohn Hans.
Und auf alle Ihre Verwandten und Freunde. Und ich trinke auf meinen Bruder Moses,
der die weite Reise von Warschau nicht gescheut hat, um heute hier zu sein.
Und auf meine lieben Schwiegereltern, Herrn und Frau Palitz.
Weniger Vorreden, mehr Champagner. Moses Weiss?
Hat keiner vorher mit Inga gesprochen? Die lässt sich von niemandem was sagen.
Papa, jetzt bist du dran.
Unsere Familie ist nicht so bekannt wie Ihre Familie, Dr. Weiss.
Ach, wir sind alle Freunde, Herr Helms. Alles alte Berliner.
Moses auch? Ich trinke auf das Hochzeitspaar,
auf meine geliebte Frau und auf Hans, der jetzt dem Vaterland dient.
Bei welchem Regiment? 12. Infanterie.
Ich war Hauptmann bei der Infanterie. 2. Brandenburgisches Infanterieregiment.
Unser Kaiser hat mir das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.
Also, ich hab alles gesagt.
Ich wünsche allen alles Gute. Dem Brautpaar viel Glück.
Karl, komm. Vielleicht kannst du besser in der Öffentlichkeit tanzen als küssen.
Tanzt du mit mir? Nein, du stinkst zu sehr nach Parfüm.
Ich benutze gar keins. Ich dufte von Natur aus lieblich.
Na, Moses?
Nochmals herzlichen Glückwunsch. Ich weiß, was du denkst.
Das war keine jüdische Hochzeit, nur eine standesamtliche Trauung.
Urteile nicht zu streng über uns. Die hohen Feiertage halten wir ein.
Ist schon gut. Ich freu mich für Karl. Onkel Moses, du tanzt mit mir.
Ach, Anna, meine Tanzerei lässt sehr zu wünschen übrig.
Bitte komm. Nein.
Ich werde dir auf die Füße treten. Ach was, nein.
Bist du glücklich, Berta?
Wenn Karl glücklich ist, bin ich es auch. Du hast mir nicht geantwortet.
Das ist meine Antwort. Sie hat eine nette Familie.
Was für ein schönes Paar. Sieh nur, wie verliebt Karl in sie ist.
Ja. Ich seh es.
Moses, so, so. Helms. Es ist eine gute Familie.
Lies du keine Zeitung? Inga könnte das bereuen.
Was soll denn passieren? Hör zu. Das sind gute Juden. Vater Arzt,
Großvater Weltkriegsteilnehmer. Sie hätten besser noch gewartet.
Wieso? Die Partei will Mischehen verbieten.
Du wirst Ärger kriegen. Jetzt schau nicht so drein.
Vielleicht geht's ja gut.
Schon gut, ist nicht so schlimm. Trinken Sie das. Kopf hoch.
Sie sind das Nikotin nicht gewohnt. Ein gutes Gegenmittel: Tee.
Na, geht's besser? Besser, danke.
Ich vertrage Champagner. Muss mich am Rauch verschluckt haben.
Die Uniform allein macht noch keinen Mann. Er hatte immer einen schwachen Magen.
Hoffentlich bekommt er beim Militär gut zu essen. - Aber ganz sicher.
Und Sie haben ja jetzt einen Arzt in der Familie. - Entschuldigung.
Was sind Sie für ein Arzt? Ein guter.
Nicht so vorlaut, Rudi.
Dr. Weiss?
Allgemeinmedizin. Ich habe eine kleine Praxis.
Ah ja? Ihr Bruder stammt doch aus Polen. Ich stamme auch dorther.
Aber Sie praktizieren in Berlin. Wir fühlen uns als Deutsche.
Was halten Sie als Pole von der derzeitigen politischen Situation?
Ich spreche nie über Politik. Fragen Sie nach neuen Behandlungsmethoden.
Dazu sage ich etwas. Aber Politik? Nein. Hat sich viel verändert in der Armee?
Sie waren in Frankreich? Ja. Verdun. Chemin des Dames. Metz.
Hoffen wir, dass es nie wieder Krieg gibt. Darauf erhebe ich mein Glas.
Hindenburg, das war ein Offizier! Couragiert und ehrlich.
Ein alter Mann. Er war einer der Besten.
Ein solcher Mann sollte Deutschland regieren. Ein General.
Und eines Tages räumen sie auch mit diesem Sauhaufen auf. - Sauhaufen?
Den da! Ein paar entschlossene Männer, und die Armee fegt sie hinweg.
Die Militaristen kommen von deiner Seite. Großvater steckt immer noch in Uniform.
Mama sagt, er solle wieder aktiv werden. Wie sieht's aus in Polen, Moses Weiss?
Ich hab eine kleine Apotheke in Warschau. Ich kann nur Doktorhandschriften lesen.
Ihr seid alle unsere Gäste heute. Also Schluss mit der Politik.
Singen wir! Sag dem Akkordeonspieler, er soll was Nettes spielen, Karl.
Gute Idee. Etwas, was wir alle kennen. Wie wär's mit der "Loreley"?
Das ist nicht erwünscht. Bitte spielen Sie es.
Heine ist doch passend bei einer Hochzeit. Gnädige Frau, mir gefällt es, aber...
Bitte. Ja. Ich hab's auch sehr gern.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin.
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Ist das dein Ball, Kleiner?
Und Schuss. Komm, Rudi.
Der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
Meine Praxis ist leider etwas desorganisiert.
Ich bitte Sie, Dr. Weiss. Nur ein leichtes systolisches Rasseln.
Ganz leicht. Kaum zu hören, Frau Dorf. Keinerlei Anlass zur Besorgnis.
Trotzdem, kann man was dagegen tun? Ich verschreibe Ihnen was gegen Anämie.
Da besteht ein gewisser Zusammenhang. Keine Überanstrengung, etwas Bewegung.
Bewegung hab ich mit 2 Kindern genug. Wir könnten uns ein Mädchen nehmen.
Das können wir uns nicht leisten. Schonen Sie sich.
Lassen Sie das dauernde Schrubben. Dazu sind Sie viel zu hübsch.
Und geben Sie mir Bescheid, falls dieser Schwächezustand anhält.
Wir sehen uns in einem Monat wieder, ja? Und es ist wirklich nichts Ernstes?
Sagen Sie es mir ruhig, Herr Doktor. Glauben Sie mir, nur erste Anzeichen.
Wir rücken der Anämie zu Leibe. Dann sind Sie ebenso gesund wie hübsch.
Dorf. Sind Sie irgendwie verwandt mit dem Bäcker Dorf aus der Kleinstraße?
Ich bin der Sohn. Warum sagen Sie das nicht?
Mein Mann möchte so was nicht ausnutzen. Ich habe ihn gegen Windpocken behandelt,
als er 10 war! Wie geht's Ihren Eltern?
Mein Vater starb vor ein paar Jahren. Er verlor die Bäckerei in der Inflation.
Meine Mutter wohnt jetzt in München. Das tut mir leid.
Der Napfkuchen donnerstags war wunderbar. Freitags. Ich hab sie ausgefahren.
Sie wissen es sicher besser.
Ein Jammer. So viele fleißige Leute wurden damals ruiniert.
Darum bin ich auch stolz auf meinen Mann. Er hat trotz allem Jura studiert.
Sie sind mit Recht stolz auf ihn.
Sie lassen mich wissen, wie es Ihnen geht? Nehmen Sie das Tonikum. Und keine Sorge.
Danke, Dr. Weiss. Auf Wiedersehen. Auf Wiedersehen.
Der Nächste, bitte. Herr Levy.
Gesucht: Lagerarbeiter, Küchenpersonal, Nachtwächter.
Für einen Juristen nicht gerade erhebend. Hab Geduld.
Du bist gut. Und woher soll ich das Geld für die Arztrechnungen nehmen?
Er stundet sie dir, bis du Arbeit hast. Das gefällt mir nicht.
Rechnungen nicht bezahlen, betteln... Meine Eltern werden uns was borgen.
Ich hab schon genug geborgt. Es langt. Weißt du...
Du bist zu bescheiden. Du kannst die Leute nicht überzeugen von deiner Klugheit.
Ja, einer der Besten des Jahrgangs und arbeitslos.
Vielleicht solltest du was anderes versuchen als Rechtsanwalt.
Meine einfallsreiche Frau.
Deine Herzbeschwerden schwächen nicht deinen Willen.
Ich spendier dir ein Eis. Dr. Weiss sagte, du sollst kräftige Nahrung zu dir nehmen.
Weise meinen Vorschlag nicht zurück. Du schlägst mir immer dasselbe vor:
Lass meinen Onkel doch mal mit Heydrich über den brillanten Juristen Dorf reden.
Lass ihn wenigsten einen Termin machen. Du weißt, ich bin unpolitisch.
Vater war Sozialist. Was würde er sagen, wenn sein Sohn bei diesen Leuten landet?
Ach. Viele politische Gegner sind heute ins andere Lager umgeschwenkt. Ich weiß,
du hast kein Interesse an der Politik und verachtest die Staatsbürokratie.
Ich bin ein Versager. Das bist du nicht. Oh, Erik.
Ich liebe dich. Ich wünsche mir noch so viel Schönes für dich und die Kinder.
Heydrich wird 'n Blick auf mich werfen und mich zum Bürodienst einteilen.
Ich mag weder Säbelrasseln noch Aufmärsche.
Ich bin ein Bäckersohn, der sich sein Studium selbst verdient hat.
Und eine viel zu hübsche und gute Frau hat.
Eine Frau, die böse werden wird. Die Herzbeschwerden kriegt,
wenn ihr Mann ihr den Gefallen nicht tut. Du Ränkeschmied.
Hast gewonnen.
Dorf, Erik. Alter: 24, geboren in Berlin. Jurastudium, Staatsexamen.
Kein Parteimitglied? Im Moment noch nicht.
Wieso das plötzliche Interesse? Weil ich eine Stellung brauche.
Wie erfrischend.
Ich muss so vielen Speichelleckern, so vielen Angebern zuhören.
Alle wollen dem Führer, der Partei, dem Reich dienen. Direkt eine Wohltat,
wenn einer nur eine Stellung sucht. Ich bewundere die Partei.
Und das große Werk des Führers. Selbstverständlich.
Junger, guter Jurist findet keine Arbeit, weil ein Jude oder Sozi den Posten hat.
Das will ich nicht sagen. Wir kennen unsere Gegner.
Was wissen Sie über uns?
Sie sind für die äußere und innere Sicherheit des Staates zuständig.
Aber ich habe Mühe, die SS, den SD und die Gestapo auseinanderzuhalten.
Wir auch. Spielt keine Rolle. Ich leite sie alle,
unter der Schirmherrschaft des Reichsführers SS selbstverständlich.
Wie stehen Sie zur Judenfrage?
Neutral. Ich schätze einen ehrlichen Mann.
Ich hoffe, Sie sehen in mir keinen ehrlichen Dummkopf. - Nein.
Der Fanatismus der reinen Gläubigen ist bewundernswert.
Aber manchmal ist Neutralität besser. Kaltes, analytisches Denken.
Denn die jüdische Weltverschwörung,
die Bolschewiken und die Plutokraten haben nur ein Ziel: Deutschland zu vernichten.
Durch völkische Zersetzung, Zersetzung des nationalen Gedankens...
und Verrat der deutschen Ideale. Ich habe "Mein Kampf" gelesen.
Dann wissen Sie, welche Bedeutung der Führer der Rassenpolitik beimisst.
Wir müssen wirtschaftliche Probleme, militärische und innenpolitische lösen.
Wir stempeln die Juden zum Sündenbock. Was wird das Ausland dazu sagen?
Es gibt Möglichkeiten, wenn Sie einige juristische Auffassungen vergessen.
Ich bin flexibel. Gut. Flexibilität ist ein Vorzug,
wenn es um eine große Sache geht. Sie waren unter den Jahrgangsbesten.
Ihr Professor empfiehlt Sie. Gut. Ich bin nicht gerade ein zackiger Typ.
Ich habe noch nie eine Uniform getragen. Das dürfte wohl das Einfachste sein.
Jeder Idiot passt in eine Uniform. Die Personalabteilung durchleuchtet Sie.
Reine Routinesache. Arische Abstammung, politische Aktivitäten.
Ich darf voraussetzen: Blütenweiße Weste. - Da besteht keinerlei Gefahr.
Ich halte quasi meinen Kopf hin. Hitler sagte einmal, er würde nicht ruhen,
bis jeder Deutsche es als Schande ansehe, Jurist zu sein. War nur ein Scherz.
Willkommen bei uns. Ich danke Ihnen.
Heil Hitler. Sie machen sich.
Ich musste Sie nicht mahnen. Heil Hitler.
Na, sag mal. Schau dir Vati an.
Du sollst ihn doch nicht mehr tragen. Peter, wie gefällt dir dein Vater?
Peter, das ist doch Vati. Die Uniform verwirrt ihn.
Ich muss sie auch erst mal verkraften. Erik, du siehst aus wie ein Held.
Die Stiefel sind zu eng. Gott sei Dank muss ich sie nicht immer tragen. - Doch!
Die Leute werden dich mehr respektieren. Beim Kaufmann müsste man dich so sehen.
Dann bekommen wir immer das Beste. Du bist vielleicht eine Ausgekochte.
Wenn sich die Chance bietet zu Macht und Einfluss, warum sie nicht ergreifen?
Ja. Peter?
Nun fürchte dich nicht vor der Uniform.
Sicher wird mein 1. Tag in Amt und Würden ein totaler Reinfall. Wie in der Ilias.
Hektor setzt sich seinen glänzenden Helm mit dem Federbusch auf.
Und sein Sohn läuft entsetzt davon.
"Schreiend das Kind, erschreckt von dem liebenden Vater."
Ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht. Irgendwie bittet Hektor Zeus,
seinen Sohn tapferer zu machen als ihn. Ich werde euch beide tapfer machen.
Der Nächste, bitte.
Ah, Herr Dorf. Kommen Sie bitte.
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