The first 67 lines.
Trotz einer umfangreichen Überlieferung ist von DIE NIBELUNGEN keine vollständige deutsche Fassung in Form einer zeitgenössischen Verleihkopie oder eines Kameranegativs erhalten. Die fotochemische Restaurierung basiert auf unvollständigen Kameranegativen. Fehlende Teile wurden durch verschiedene Verleihkopien der Zeit und Sicherungsduplikate ergänzt.
Die Färbung folgt den überlieferten Kopien und basiert auf der ursprünglichen Viragetechnik, der Herstellung einer s/w-Kopie und der anschließenden Färbung im Farbbad. Die deutschen Zwischentitel wurden auf Grundlage erhaltener Kopien und Blitztitel in den Negativen digital restauriert. Rekonstruierte fehlende Titel sind mit dem Logo der Murnau-Stiftung gekennzeichnet.
Für das HD-Mastering wurden stellenweise der Bildstand korrigiert und starke Filmschäden retuschiert.
Die Nibelungen
Die Nibelungen
Dem Deutschen Volke zu eigen
Siegfried
Der erste Gesang:
Wie Siegfried den Drachen erschlug.
Da sprach Mime, der kunstreiche Schmied: Reite heim nach Xanten, Siegfried, König Siegmunds Sohn! Selbst ich vermag Dich nichts mehr zu lehren!
Hast Du niemals zuvor gehört von der Königsburg zu Worms am Rhein und den Burgundenkönigen, die darin herrschen?
Ich will ausziehen, Kriemhild zu gewinnen!
Zeig mir den Weg nach Worms oder Du bist Deines Lebens quitt!
Fahre wohl, Siegfried, König Siegmunds Sohn! Du wirst nimmermehr nach Worms gelangen!
Da verstand Siegfried, der junge, das Lied des Vogels, der sang: Wenn der Drachentöter sich baden wollte im Drachenblut, so würde er unverwundbar werden und gefeit gegen Hieb und Stich!
So endet der erste Gesang.
Der zweite Gesang:
Die Volker vor Kriemhild von Siegfried sang, und wie Siegfried nach Worms kam.
Da sang Volker. Die Geige klang: Der Drachentöter, der Siegmundssohn, das Reich betrat er der Nibelungen. Im Kampf gewann er, der Drachentöter, was seinesgleichen nicht hat auf Erden.
Da sprach Alberich, der Nibelung: Schenke mir das Leben um den Tarnhelm, Held! Unsichtbar macht er, verleiht jedwede Gestalt!
Schenke mir das Leben, Held, und ich will Dich zum reichsten König der Erde machen!
Es schmieden die Krone die Nibelungen dem Nordlandsbeherrscher, dem Eisriesenkönig.
Kein Schwert der Welt kommt dem Salmung gleich. Im Blutfeuer schweißten es die Nibelungen!
Zum Fluche werde dem Erben das Erbe! Zu Stein erstarre, was aus Stein ich schuf!
So sang Volker. Die Geige klang: Da wurde Siegfried, der Drachentöter, zum Herrn des Hortes der Nibelungen. Zwölf Königreiche bezwang der Starke. Zwölf Könige wurden seine Vasallen.
Da sprach Kriemhild, die Tochter Utes: Nimm diesen Mantel, Volker, den ich mit eigener Hand gestickt, zum Dank für Deinen Sang!
Siegfried, König Siegmunds Sohn, steht mit zwölf seiner Recken am Tor der Burg und begehrt König Gunther zu sprechen!
Da sprach Hagen Tronje: laß den Drachentöter seines Weges ziehen, König Gunther! Weigere ihm den Willkomm!
Nimmermehr soll man sagen, daß man zu Worms nicht wisse, wie Könige sich grüßen! Siegfried, König Siegmunds Sohn, soll mir willkommen sein!
Mir träumte heute Nacht ein schlimmer Traum...
Und dieses Traumes mußt' ich jetzt gedenken!
Ich komme, König Gunther, bei Dir um Deiner Schwester Kriemhild Hand zu Werben!
Auch König Gunther will sich vermählen, und sein Sinn steht nach einer mächtigen und kühnen Magd.
Brunhild heißt sie und trägt die Krone von Isenland. Flammenumlodert ragt unbesiegt im Nordlandslicht ihre Burg.
Was mahnst Du mich an Brunhild, da Du doch weißt, daß nur der stärkste Held, der sie dreimal besiegt, sie im Kampf zu erringen vermag?
Siegfried, der Held, dem kein anderer gleicht, kam zu guter Stunde nach Worms! Er mag uns helfen, Brunhild für Dich zu gewinnen!
Zwölf Könige sind meine Vasallen. Nie war ich eines Königs Vasall und werde es nimmermehr!
Rüste Dich zur Brautfahrt, König Gunther, denn Siegfried, der starke Held, wird Dir Brunhild gewinnen!
So endet der zweite Gesang.
Der Dritte Gesang:
Wie Siegfried Brunhild für Gunther gewann.
Fremde helden trägt das Drachenschiff an Deinen Strand!
Näher kommen die fremden dem flammenden See.
Wenn der Stärkste kommt, erlöschen von selbst die Flammen.
Rüstet mich, meine Mägde! Dies gilt einen Kampf, wie ich noch keinen bestand!
Willkommen, Held, zum Kampf auf Leben und Tod!
Nicht Leben noch Tod begehre ich von Deiner Hand, Brunhild! König Gunther ist's, der um Dich wirbt!
Vor Abend noch, König Gunther, schmücken auch Deine zerbrochenen Waffen meinen Saal!
Gib mir Urlaub, König Gunther, den Schiffen zu melden: Vor Abend noch würdest Du kommen, heimwärts zu fahren mit Brunhild, Deiner königlichen Braut!
Zum dreifachen Kampf, König Gunther!
Dreimal mußt Du mich besiegen, König: im Steinstoß, im Weitsprung, im Speerwurf!
Sei guten Mutes, König! Ich schleudre für Dich den Stein! Im Sprunge trage ich Dich!
So endet der dritte Gesang.
Der vierte Gesang:
Wie Brunhild zu Worms einzog, und wie die Könige sich vermählten.
Rüstet die Hochzeit! Das Königsschiff naht!
Wir sind am Ziel, meine Königin!
Bist Du der Mann, der mich dreimal im Kampfe besiegte?
Deine Gefangene bin ich! Dein Weib werde ich nie!
Halte mir Wort, König Gunther, wie ich Dir Wort hielt!
Denn Kriemhild Ja sagt, Held, so feiern wir heute zwiefache Hochzeit.
Seit wann ist es Brauch unter Königen, daß sie Königstöchter an ihre Vasallen verschenken?
Nicht mein Vasall ist Siegfried, König Siegmunds Sohn. Blutsbruderschaft trinken wir noch heute!
Rot mischte Blut sich mit rotem Blute. Untrennbar sanken zusammen die Tropfen. Am Weg verende, ehrelos, wer dem Blutsbruder die Treue bricht!
Besiegt ist Brunhild, nicht bezwungen! Soll der König Burgunds zum Gespött werden durch ein störrisches Weib?
Fluchwürdig ist, was halb getan ward! Willst Du den Freund im Stiche lassen, der Dir die eigene Schwester gab?
Der Tarnhelm verwandelt Dich wie Du willst. Brich Brunhilds Trotz in Gunthers Gestalt!
No comments yet. Be the first to leave one.