The first 192 lines.
Scarlett ist verschwunden.
Zwei Tage sind vergangen, seit ich Earl Ulster zuletzt sah.
Ich dachte, Scarlett sei vielleicht fort, weil sie an dem Tag ihre Kräfte einsetzte.
Doch das wird es nicht sein.
Ich denke eher, dass sie meiner einfach überdrüssig geworden ist.
Constance Grail. Du hast Besuch.
Was bereitest du deinem Vater so viel Sorge?!
Versetz dich nur einmal in mich hinein.
Ich höre urplötzlich, dass meine Tochter in den Kerker geworfen wurde
und kaum kehre ich rasch in die Hauptstadt zurück,
wird deine Hinrichtung beschlossen.
D-Das tut mir leid.
Was in aller Welt geht hier nur vor sich?
Vater.
Bitte enterbe mich.
Wenn unsere Familie meinetwegen in Verruf geraten würde …
Ich weiß nicht, was in dieser Stadt vor sich geht.
Ebenso wenig weiß ich, was in diesem Land derzeit geschieht.
Nichtsdestotrotz …
werde ich doch wenigstens dazu in der Lage sein,
meine Tochter zu beschützen.
Nein. Das ist viel zu gefährlich!
Hör mir zu, Constance.
Es sind Menschen, die andere Menschen zu Taten bewegen.
Das gilt zu jeder Zeit.
Und wir haben unsere ganz eigene Vorgehensweise.
Ein jeder handle stets in Redlichkeit! Das weißt du doch.
Ich bin froh, dich wohlauf zu sehen.
Bitte schön.
Danke!
Was willst du von mir, Shoshanna?
Lös die Wache ab.
Warum?
Weil sie zu gewalttätig ist.
Wer weiß, was den Gefangenen passiert, wenn sie sich aufmüpfig zeigen.
Wenn es sein muss …
Kiriki Kirikuku.
R-Regieren, auf der Seite liegen.
Räum deinen Posten.
Wollen Sie irgendetwas von uns?
Ich bin hier, um der mutigen kleinen Lady eine Warnung auszusprechen.
Halte dich zurück, wenn du nicht sterben möchtest.
Sie sind sehr freundlich.
Freundlich?
Ja. Nicht nur Sie, sondern auch Shoshanna.
Wenn ich es befehle, bist du auf der Stelle tot.
Ich weiß. Darum sind Sie doch sicherlich jetzt hier?
Damit dieser Befehl nicht notwendig wird.
Damit ich nicht getötet werde.
Das glaube ich einfach nicht!
Connie soll einen Prinzen von Faris entführt haben?!
Und deswegen soll sie öffentlich hingerichtet werden?!
Du, Mylene?
Nach Scarlett Castiels Hinrichtung wurden öffentliche Hinrichtungen doch abgeschafft.
Weißt du den Grund dafür?
Ja, eine Bürgerbewegung hat sich dafür eingesetzt.
Der Veilchentreff, glaube ich.
Der Veilchentreff also.
Danke dir, Mylene.
Hä? Was hast du denn vor?
Natürlich Connie retten, was sonst?!
Ich würde es bereuen, wenn ich einfach nur jammernd auf meinem Hintern sitzen bleibe!
Also bleibt mir nichts anderes, als zur Tat zu schreiten!
Sieh an, diese Einstellung gefällt mir äußerst gut.
Du musst nicht so tun als ob.
Du hast mich doch von Anfang an gesehen, richtig?
Ich bin mir ziemlich sicher,
dass du dir meiner schon seit dem ersten Treffen im Grand Merillian gewahr warst.
Andernfalls wärst du
doch nie dem Wunsch einer Viscount-Tochter gefolgt, ihre Verlobung aufzuheben.
Ich habe ein hervorragendes Gedächtnis.
Hach, wie äußerst bedauerlich!
Vor zehn Jahren
Gibt es denn irgendetwas,
was ich als Ihr untertänigster Diener für Sie tun kann?
Du bist mir ein Dorn im Auge. Verschwinde.
Nun, das ist bedauerlich.
Wann immer Ihnen danach ist, können Sie sich gerne an Ihren Diener wenden.
Ja, wenn mir jemals danach sein sollte.
Es hat zehn Jahre gedauert, nun ist mir aber danach.
Also …
hilf mir bei meinem Vorhaben.
Und im Detail?
Wobei kann ich kleines Schweinchen Ihnen behilflich sein?
Bei der Suche nach einem Maulwurf.
Faris
Eure Hoheit, Theophilis.
Der Diplomat Kendall Levine ersucht eine Audienz.
Was? Sollte er nicht auf offizieller diplomatischer Mission in Adelbide sein?
Nun …
Er kommt in dringender Angelegenheit.
Verstehe. Lass ihn herein.
Lange nicht gesehen, Kendall.
Was für eine Angelegenheit führt dich her?
Ich melde untertänigst,
dass es nicht das Land Adelbide war, welches Prinz Ulysses entführt hat,
sondern Daeg Gallus.
Zudem zieht Prinz Roderick
zusammen mit Daeg Gallus an einem Strang.
Wie bitte?!
Es heißt, jedes Mitglied des Syndikats habe irgendwo am Körper eine Sonne tätowiert.
Eine Tätowierung?
Ist das etwa Rodericks Ziel?!
Woher bitte schön hast du diese Informationen?!
Die habe ich von Prinzessin Alexandra.
Eigentlich war geplant,
dass ich von Seiner Hoheit, Prinz Enrique, bald eine kleine Spende erhalte.
Eine Spende?
Sehr wohl. Damit wir das Wort der Göttin sprechen können,
benötigen wir von gottesfürchtigen Herrschaften genügend „Schotter“
und nicht allein nur Gebete.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Bruder so etwas macht.
Du irrst dich sicherlich.
Verstehe. Dann entschuldigt bitte mein Auftreten.
Doch eines noch.
Was denn?
Benötigt Ihr selbst womöglich den Beistand der Göttin, Prinz Johan?
Nun, ich …
Verzeiht mein Eindringen.
Wart Ihr gerade beschäftigt?
Nein, die Audienz hat soeben geendet.
Dürfte ich fragen, wen ich vor mir habe?
Rufus May.
Ich arbeite seit Kurzem als Co-Finanzdirektor.
Verstehe, Sie sind das also!
Waren Sie schon einmal in meiner Kirche zu Besuch?
Ich bin leider erst vor einer Weile in die Stadt gekommen.
Demnächst aber mit Freuden.
Oh, dann freue ich mich auf Ihren Besuch.
Verzeihung, das war wohl statische Elektrizität.
Oder aber ein kleiner Spaß der Göttin.
Sag mal, bist du unempfindlich gegen Schmerzen?
Keineswegs. Doch die Schmerzen, die Sie mir zufügen,
erwecken Gefühle des höchsten Glücks in meinem Herzen.
Und? Ist Ihnen etwas Bestimmtes aufgefallen?
Dieser Kerl
wollte dir doch mit Handschuhen die Hand geben.
Weil er die Sonnentätowierung auf seinem Handgelenk verbirgt.
Rufus May.
Er ist der Maulwurf.
Recherchiere, wo genau er herkommt.
Ihr Wunsch ist mir Befehl.
So viel halte ich also aus.
Hm?
Normalerweise werde ich sehr müde, wenn ich diese Kraft einsetze.
Diesmal geht es mir gut, weil ich die Kraft kontrolliert habe.
So ist das also.
Offenbar verbrauchen Sie viel Energie, um dieses Phänomen zu verursachen.
Warum begreifst du das bitte so schnell?
Ich bin nun mal ein Gesegneter unserer Göttin.
Eines möchte ich wissen: Sind Sie nur in dieser Welt,
um Rache auszuüben?
Selbstverständlich.
Hmm … Ist das gegenwärtig wirklich immer noch so?
Was meinst du damit?
Ist es wirklich nur Rache,
die jene Miss Scarlett vor meinen Augen antreibt?
Oder ist nicht eher Ihr Ziel,
Constance Grail zu retten?
Rache und sonst nichts ist mein Ziel.
Ist dem so?
Damit eine körperlose Seele in dieser Welt verbleiben kann,
muss sie von starken Gefühlen oder einem festen Ziel getrieben sein,
davon bin ich fest überzeugt.
Darum werden Sie in dem Moment, in dem Sie glauben, dass Ihre Rache erfüllt sei …
in den Schoß der Göttin zurückkehren.
Bitte geben Sie uns Ihre Unterschrift gegen die Hinrichtung!
Constance Grail wird fälschlich beschuldigt!
Handelshaus Bronson
Ich bitte dich.
Würdest du mir aushelfen?
Neil Bronson
Ich bitte Sie alle inständig! Zur Rettung meiner Freundin, Constance Grail, …
benötige ich die Hilfe aller hier Anwesenden, die klaren Verstandes sind!
Wie konnte das passieren?
Diese Unterschriften sollten die Schwelle des Königspalasts nicht überwinden!
Das sind auch nicht nur Unterschriften von Bürgerlichen, sondern selbst von Adeligen!
Und dann noch dieses Buch …
Von einem ausländischen Autor, der als talentierter Nachwuchs beworben wird.
Adam Hicks?
Das ist doch eindeutig Amelia Hobbes!
„Eine als Heilige hochgeschätzte Viscount-Tochter
heiratet trotz des Standesunterschieds einen Kronprinzen.
Doch in Wahrheit ist sie Mitglied einer Verbrecherorganisation …
und wuchs als Waise in Armut auf.“
Die Inhaltsangabe kommt mir bekannt vor.
Warum setzen so viele Leute für dieses gewöhnliche Mädchen
alle Hebel in Bewegung?
Ganz gleich, was irgendjemand sagt, die Hinrichtung findet statt.
Das gilt auch für Lucia, die Adoptivtochter des Hauses O’Brian.
Was hast du?
Nichts.
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