Strange Bedfellows

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Published on: 2014-06-08
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The first 200 lines.

Fremde Bettgesellen

"Es war einmal vor sieben Jahren",

da kam ein junger Amerikaner namens Carter Harrison nach England.

Er war gerade zum stellvertretenden Verkaufsdirektor der

Inter-Allied-Petroleumgesellschaft befördert worden.

An seinem ersten Tag in London bei seinem allerersten Spaziergang

geschah es, dass er Antonia Vincente begegnete.

Es war der reine Zufall. Antonia war Malerin.

Sie entschuldigte sich überschwänglich.

Aber was viel wichtiger war, war Terpentin.

Und sie wusste genau, wo es das gab.

Sie drückte ihrem bärtigen Freund Harry Jones den Pinsel in die Hand,

"und dann eilten sie flugs zu ihrem Atelier."

"Antonia, von Freunden Toni genannt, war italienischer Abstammung"

und in erster Linie Bohemien - Bohemien englischer Färbung.

Ihre Arbeiten waren impressionistisch,

"und sie war es ebenfalls, sehr impressionistisch."

"Die erste Impression, der erste Eindruck,"

war bei Toni ausschlaggebend.

Sie war eine Frau mit einem ganz sicheren Geschmack.

Sie wusste genau, was ihr gefiel, wenn sie etwas sah, was ihr gefiel.

"Und sie wusste genau, was sie wollte, wenn sie etwas sah, was sie wollte."

"Offenbar war das, was ihr gefiel und was sie wollte auch genau das,"

was ihm gefiel und was er wollte,

denn 24 Stunden später waren sie verheiratet.

So flogen die Tage und Wochen dahin, bis ihr schöner Winterschlaf vorbei

und es an der Zeit war, in den Lenz des Lebens hinauszutreten

und den Realitäten ins Auge zu schauen.

Eine dieser Realitäten war, dass Toni nicht nur Malerin war,

sondern auch ein sehr begeisterungsfähiges Geschöpf

mit ganz festen Ansichten, die seinen Ansichten genau konträr waren.

Anfangs war das Ganze amüsant, aber plötzlich war es nicht mehr komisch.

In nichts waren sie einer Meinung.

Ob Politik, Polygamie, Preiselbeeren, Puschkin, ganz egal was.

Sie lieferten einander erbitterte Schlachten, mit Worten natürlich.

Und wo die Worte versagten,

nahmen sie Zuflucht zu reinster italienischer Logik.

Wenn die Logik versagte, flogen die Farbtöpfe.

Und da sie besser zielen als diskutieren konnte,

tat Carter das einzige, was einem Gentleman übrigblieb.

Er griff seine Hose und lief um sein Leben.

Während sowohl die Ehe als auch das Geschirr über seinem Haupte zerbrach,

suchte Carter das Weite.

Er verließ Toni. Er verließ das Liebesnest. Er verließ London.

Sieben friedliche und produktive Jahre hindurch sahen sie sich nicht,

sprachen sie sich nicht, schrien sie sich nicht an,

schrieben sie sich nicht mal. Carter war mittlerweile

zu einem wichtigen Mann bei der Inter-Allied avanciert.

Er war einer ihrer fähigsten Unterhändler.

"Seine Arbeit führte ihn in die entferntesten Winkel der Erde."

Der Scheich ist also einverstanden, dass alle Ölvorkommen dieser Gegend

ausschließlich von der Inter- Allied-Petroleum ausgebeutet werden?

Hm, ja, so ist es. - Gut, gut.

Würden Sie bitte seiner Hoheit sagen,

dass diese gebratenen Trauben köstlich sind.

Das sind keine gebratenen Trauben. - Keine?

Nein, das sind äh...

Hm, köstlich...

"Nachdem er seine Mission erfüllt hatte",

nahm Carter die nächste Maschine nach London,

wo er eine dringende Besprechung mit zwei sehr teuren Anwälten hatte.

Denn nach siebenjähriger totaler segensreicher Trennung

"hatte Toni schließlich um Scheidung nachgesucht."

Carter Harrison

Antonia Vincente

Richard Bramwell

Harry Jones

"Erfolg und Scheidung passen nicht gut zusammen"

im Wirtschaftsleben. Folglich schickte die Gesellschaft

ihren fähigsten PR-Mann Dick Bramwell nach London.

Bramwell hatte es sehr eilig, weil er wusste, dass Carter

in genau 25 Minuten eine Besprechung haben würde, die das abrupte Ende

"für eine vielversprechende Karriere bedeuten konnte."

Wieso kommt Scheidung nicht in Frage? Wessen blöde Idee ist das?

Die blöde Idee stammt von einem gewissen J. L. Stevens.

Vom Alten? - Ja, er hat 'ne Menge mit dir vor.

Er verpasst dir einen Lorbeerkranz. - Weshalb?

J. L. ist jahrelang hinter diesen Verträgen her gerannt.

Du hast sie ihm auf einem silbernen Tablett zum Frühstück serviert.

Sieh dir das an! Überall machst du die Schlagzeilen. Ist das nichts?

Jetzt kommt für dich die Belohnung. Junge, du wirst ganz groß.

Wie groß? - Die hohen Tiere müssen zustimmen.

Welchen Anzug zieh ich an? - Du hörst ja gar nicht zu!

Du hast einen Aufstieg vor dir.

Nächste Woche ist in Boston die Aufsichtsratssitzung.

Dann ist der Alte das Ding los. - So? - Ja!

Deswegen hat er mich rübergejagt, um deine Fassade aufzupolieren.

Was heißt Fassade aufpolieren? Hab ich ein Kapitalverbrechen begangen?

Du kennst doch die Mentalität dieser Brüder.

Jedes Gesellschaftsmitglied muss eine weiße Weste haben,

ein solides Familienleben. Für ihre obersten Direktoren gilt nur eins:

Du sollst verheiratet sein, und zwar glücklich und ehrbar verheiratet.

Ich hab mich während der siebenjährigen glücklichen Trennung

sehr wohl gefühlt und jeden Augenblick genossen.

Ja, das wird von nun an alles anders. Du wirst umgekrempelt.

Du wirst Carter Harrison, der Familienvater.

Sag mal, hast du was getrunken?

Carter, wenn der Aufsichtsrat in Boston tagt, wirst du einreiten

auf einem goldenen Pony. Sechsstelliges Einkommen,

Privatflugzeug, Luxusjacht, Haus in Palm Beach, das alles gehört dir!

Du brauchst nur in Boston mit einer akzeptablen Frau aufzukreuzen.

Ausgeschlossen! - Was meinst du?

Was du gerade gesagt hast: ...mit einer akzeptablen Frau aufzukreuzen.

Schlag es dir aus dem Kopf.

Du hast keine Ahnung, mit was für einer Irren ich verheiratet bin.

Vielleicht klärst du mich auf?

Zur Hälfte war sie ein italienischer Vulkan.

Das klingt nicht übel. Und wie war die andere Hälfte?

Ganz toll! - Wieso hast du den Vulkan geheiratet?

Keine Ahnung.

Es war 'ne kalte Nacht, sie hatte 'ne heizbare Decke.

Warum hast du mit der Scheidung sieben Jahre gewartet?

Kein Grund, es zu überstürzen.

Carter, in Politik und Wirtschaft muss man Konzessionen machen.

Warte noch einen Monat mit der Scheidung.

Ausgeschlossen. - Nur vier Wochen!

Ausgeschlossen, nicht mit Toni. Es wäre eine Katastrophe.

Sie war 'ne Halbstarke, 'ne wild gewordene Existenzialistin.

Sie zog ihre Bluejeans in der Badewanne an, damit sie eng saßen.

Sie würde sich nicht drauf einlassen und ich bitte sie auch nicht darum.

Vielleicht hat sie sich geändert? - Ach, die und sich ändern!

Dick, ruf J. L. an und sag ihm, wenn sie mich nicht so haben wollen,

kann ich's nicht ändern. Wenn nicht, ist auch gut.

Dann sägt er dich ab. - Ja, Schicksal.

Das wär's dann. - Allerdings.

Weißt du, für jemanden, der mit einem italienischen Vulkan

über die Scheidung sprechen will, treibst du 'n ziemlichen Aufwand.

Ha...

Die Nacht ist lang.

Wer weiß? Bereit sein ist alles.

Entschuldigen Sie, ist Mr... Jim! - Carter!

Lange nicht gesehen. Ich musste dich so schnell rüberholen, weil ich

keine Ahnung vom britischen Scheidungsrecht habe.

Das trifft sich gut. Ich auch nicht.

Mr. Bagshott lässt bitten. - Fein.

Bloß keine Panik, daran ist noch keiner gestorben.

Guten Abend, Gentlemen, bitte treten Sie näher!

Mr. Slade? Bagshott. - Guten Abend!

Das ist meine Mandantin, Mrs. Harrison.

Guten Abend!

Und die... die anderen Herrschaften sollten sich ja...

Mrs. Harrison, würden Sie bitte... Gentlemen...

Bevor wir beginnen, sollte ich Sie auf gewisse wichtige Punkte

im britischen Scheidungsrecht hinweisen.

Während beide Parteien um Scheidung nachsuchen können, dürfen sie nicht

persönlich die Bedingungen aushandeln oder Beweise darlegen.

Deshalb vertrete ich ja meinen Mandanten.

Bei einer britischen Scheidung darf weder diese Zusammenkunft stattfinden

noch darf ich anwesend sein.

Nach unserer Rechtsprechung gilt - von gewissen Ausnahmen abgesehen -

die Grundregel, dass die englischen Gerichte ein Scheidungsgesuch nur

bearbeiten, wenn der Ehemann zu der Zeit hier wohnhaft ist.

Das heißt also, wenn wir nach britischem Recht die Scheidung

zu einem anerkannten Abschluss bringen wollen,

so müssen wir uns, da wir uns hier auf britischem Boden befinden,

auch nach dem Buchstaben des Gesetzes richten.

Der angegebene Scheidungsgrund verliert seine Gültigkeit, wenn wir

uns nicht strikt an die hier zu Lande üblichen Regeln und Gesetze halten.

Als Anwalt habe ich die Pflicht, Sie darauf hinzuweisen,

dass eine Scheidung in Amerika viel einfacher ist.

Mrs. Harrison?

Mrs. Harrison?

Carter, bist du damit einverstanden?

Mit einer amerikanischen Scheidung. Ich würde vorschlagen, in Reno.

Oh ja, natürlich. - Carter?

Gut.

Mr. Slade, könnten wir uns einen Augenblick allein unterhalten?

Natürlich.

Sie hören später von mir, meine Liebe.

Bereiten Sie alles für eine sofortige Abreise nach Reno vor.

- Auf Wiedersehen. - - Auf Wiedersehen.

Taxi! - Taxi!

Taxi!

Oh!

Steig ein!

Na wohin, Chef?

Ah... - Hm...

Wo wohnst du?

Chelsea Court Lane 32.

Nein, vielen Dank.

Du siehst blendend aus.

Du scheinst überrascht zu sein.

Na ja, sieben Jahre sind lang.

Ja.

Was hast du inzwischen so getrieben?

Das Übliche. Ich male etwas seltener.

Ich mache vorwiegend Modezeichnungen für das Daily Echo.

In den letzten Jahren war ich sehr erfolgreich.

Schön.

Äh... wollen wir noch irgendwo was trinken?

Ach, weißt du... nein, lieber nicht.

Eigentlich dürften wir noch nicht einmal zusammen im Taxi sitzen.

Ach, was kann schon passieren in 'nem Londoner Taxi?

Das solltest du doch wissen.

Ähm... wer ist jetzt der Glückliche?

Harry Jones. - Harry?

Unser Harry Jones, das bärtige Wunder?

Nicht zu fassen!

Ich hätte ihn schon vor Jahren geheiratet, aber du warst ja da.

Ja, ja, ich weiß, aber sieben Jahre! Hat er deine Referenzen geprüft?

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