The first 195 lines.
Seit drei Tagen schreibt Kommandant Indrahk mir vor, was ich zu Mittag essen soll.
Nach dem Essen schleift er mich mit in den Garten
und lässt mich nicht gehen, bis die Pause vorbei ist.
Beim Abendessen ist es das Gleiche. Nach der Arbeit holt er mich ab,
setzt mir ein köstliches Essen vor und lässt mich diese ruhige Zeit auskosten.
Iss auch die hier.
Die ist nach deinem Geschmack gewürzt.
Danke sehr.
Er ist doch ein bedeutender Mann und hat sicher Besseres zu tun.
Warum kümmert er sich dann so um mich?
Wenn das so weitergeht, werde ich nie mit meiner Arbeit fertig!
Mir bleibt jetzt nur noch ein einziges Mittel übrig.
Ich habe Herrn Helmuts Erlaubnis.
Ich nehme Arbeit mit nach Hause!
Danke, dass Sie mich abholen.
Was führst du im Schilde?
Gar nichts.
Ich verschwende aus Prinzip keine Kraft auf sinnlose Unterfangen.
Folge 03: Ich habe einen Aufpasser
Was ich Ihnen noch sagen wollte …
Ich würde Ihnen für die Rettung meines Lebens gern eine Entschädigung anbieten …
Willst du mich wie einen Stricher behandeln?!
Nein, das ist keinesfalls meine Absicht …
Ich brauche nichts.
Auch wenn er darauf beharrt …
Ich muss schleunigst etwas unternehmen …
Morgen hast du frei. Gönn dir eine ordentliche Mütze Schlaf.
Das geht nicht …
Wieso? Hast du etwas geplant?
Ich möchte noch mehr über diese Welt erfahren,
darum gehe ich in die Bibliothek.
Was du am allermeisten brauchst, ist nicht Wissen, sondern Ruhe!
Darüber bin ich mir im Klaren.
Alle Arten von Energieelixieren sind absolut tabu, verstanden?!
Nicht, dass du wieder eins nutzt!
Wo denken Sie hin?! Ich schwöre, es ist angekommen!
Es hätte mich fast ins Grab gebracht.
Ich werde es nicht mehr trinken.
Dann ist ja gut …
Wenn er so lacht,
wirkt er gleich nicht mehr ganz so ausgelaugt.
Sieh an! Nur hereinspaziert!
Guten Abend.
Ich weiß, ich habe es versprochen, aber die Erschöpfung ist zu groß.
Bitte sehr.
Diese Elixiere sind etwas schwächer.
Das Elixier war einfach nur zu stark.
Eines mit milder Wirkung wird schon in Ordnung gehen.
Dachte ich es mir doch!
K-Kommandant Indrahk!
W-Was machen Sie hier?!
Du kommst mit!
Ähm … Wollten Sie nicht nach Hause gehen …?
So, wie du dich benommen hast,
war klar, dass du vorhast, hier vorbeizugehen!
Ich hatte dir das Energieelixier verboten!
Ja, darum wollte ich etwas anderes …
Das ist Wortklauberei!
Ich werde dem Apotheker sagen, dass er dir nichts mehr verkaufen soll.
Was?! Das können Sie doch nicht machen!
Das ist Amtsmissbrauch!
Sei still! Bist du dir deiner Konstitution nicht bewusst?!
Klar bin ich mir dessen bewusst …
Aber wie könnte ich dieses befreiende Gefühl je vergessen …?
Was tut dir weh?
Ähm … Ich habe Kopfschmerzen …
Also wirklich …
Wie ist es jetzt?
Ah … Es tut nicht mehr weh.
Aber Zauberei ist für meinen Körper doch genauso Gift …
Das ist bei dieser Art von Zauber ausreichend.
Ich habe durchaus Erfahrung in der Liebe.
Auch wenn in anderen Welten andere Normen gelten mögen, ist das Verhältnis,
das er und ich derzeit führen, eindeutig sonderbar.
Ich dachte erst, er wäre nicht
imstande, jemanden aufzugeben, wenn er ihm einmal geholfen hat.
Das erklärt aber nicht gestern …
Wenn auch langsam, nehmen die Schäden durch das Miasma des Magischen Waldes zu.
Bis zur Entsendung der Heiligen Maid dauert es noch.
Ist es überhaupt mit einem einzigen Läuterungsversuch getan?
Ich muss mehr Informationen sammeln.
Eine nachkorrigierte Forderung des dritten Ritterordens.
Schon wieder …?
Abgelehnt! Weiter mit dem Nächsten.
Schnell, sonst schaffe ich mein Pensum nicht
und die Recherche bleibt auf der Strecke!
Herr Kondu, Vizeschatzmeister des Schatzamtes.
Seine Exzellenz verlangt nach Ihnen. Kommen Sie mit!
Verzeihen Sie, dass ich Sie von Ihrer Arbeit abhalte.
Können die hohen Tiere in diesem Land nicht wenigstens vorab einen Termin vereinbaren?
Kein Problem.
Ich würde
Ihnen gern eine Frage zu dem Etatentwurf stellen,
den Sie neulich erstellt haben.
Äh … Ja …
Wo steckt er?
Das ist so … Er wurde vorhin zum Kanzler bestellt …
Zum Kanzler …?
Ihre Denkweise ist wirklich interessant.
Ihre Kenntnisse hinsichtlich der Haushaltsplanung sind unzureichend,
aber das wird noch.
Ganz nebenbei, wollen Sie nicht wissen, wie es der Heiligen Maid geht?
Sie sind immerhin gemeinsam mit ihr
in unsere Welt gekommen und haben ihr einige Ratschläge gegeben.
Interessiert es Sie gar nicht, wie es ihr geht?
Es wurde ihm also tatsächlich zugetragen.
Eure Exzellenz.
Angenommen, Sie wären gegen Ihren Willen
gewaltsam an einen unbekannten Ort gebracht worden
und treffen dort ein unbekanntes Kind aus Ihrer Heimat. Was würden Sie tun?
Wenn es meine Möglichkeiten zuließen,
würde ich es wohl in meine Obhut nehmen.
Das sehe ich auch so.
Aber eben nur, wenn es meine Möglichkeiten zuließen.
Davon abgesehen wird sie von Ihrem Land gebraucht
und hier besser versorgt als ich.
War ich jetzt zu offen?
Ja, Sie haben recht.
Ich muss sagen, mir gefällt
Ihre rationale und gewiefte Art zu denken.
Herr Kondu, wie lautete noch gleich Ihr Vorname?
Seiichiro.
Sei…chiro …?
Die Namen deines Landes sind wirklich schwierig auszusprechen.
Seiichiro, ja?
Ja.
Die Unterhaltung mit dir war sehr aufschlussreich.
Falls es wieder etwas gibt, lasse ich nach dir rufen.
Das heißt wohl, ich soll mich darauf einstellen …
Essen brauche ich jetzt auch nicht mehr.
Ich habe ja Tee getrunken. Also alles bestens!
He! Wenn du zurück bist …
Von wegen alles bestens!
Bei der Verarbeitung der Teeblätter werden Magiepartikel zugesetzt
und es wird Zauberei angewandt!
Du wirst ab jetzt nur noch Getränke zu dir nehmen, die ich dir vorgebe!
Nicht mal Tee kann ich trinken, wann ich möchte …
Verstanden?
Das darf doch nicht wahr sein …
Warum schaust du mich so an?
Ach, nur so …
Wie geht es dir?
Dank Ihnen habe ich
meine Arbeit heute pünktlich niedergelegt. Es geht mir also ausgezeichnet.
Es scheint dir gut genug zu gehen, um sarkastisch zu werden.
Das würde ich doch niemals tun!
Allerdings fehlt mir noch Wissen
über alles, was in diesem Land selbstverständlich ist.
Es mir anzueignen
ist während der Arbeitszeit aber praktisch unmöglich.
Wieso versuchst du denn, alles allein zu bewältigen?
Du hast einen Verwaltungsposten.
Gib unklare Aufgaben einfach an deine Untergebenen ab!
Gerade weil ich einen Verwaltungsposten habe,
ist es notwendig, dass ich alles verstehe.
Den Kleinkram, der beim Ritterorden anfällt,
überlasse ich dem Vizekommandanten, und damit hat es
noch nie ein Problem gegeben.
Ja, das leuchtet ein.
Bringt er die Budget-Anträge deshalb
nicht zur Sprache, obwohl wir uns so oft sehen?
Ich verstehe.
Moment mal! Warum stimmst du jetzt einfach zu?!
Was leuchtet dir ein?!
Ach, ich spüre nur, wie sehr sich unsere Positionen und Werte unterscheiden.
Unsere Positionen, das mag sein.
Aber was meinst du mit Werten?
Ich denke, dass ein Adliger wie Sie die Wertvorstellungen
eines Mannes aus dem einfachen Volk einer fremden Welt nicht verstehen kann …
Dann sag mir doch,
woher deine Besessenheit von der Arbeit kommt!
Besessenheit …?
Was ist es sonst?
Obwohl du dir der Gefahr für dein Leben bewusst bist,
arbeitest du dich so kaputt, dass du sogar Medikamente einnimmst! Warum?!
Warum …?
Es mangelt dir nicht am Geld, oder?
Weil … es dort Arbeit für mich
zu tun gibt.
Das ist doch Blödsinn! Ich weiß, dass du ständig
neue Aufgaben erfindest und sie eigenständig vorantreibst!
Das hat er von ihm!
Hallöchen!
Hallöchen!
Aber dass ich Aufgaben erfinden würde, kann ich nicht so stehen lassen!
Das mögen Sie so sehen,
aber dieses Land befindet sich in einer prekären finanziellen Lage!
Es ist unbedingt erforderlich, das bisherige System
von Grund auf neu zu bewerten und zu überarbeiten!
In einer prekären finanziellen Lage …?
Davon höre ich zum ersten Mal!
Kommandant Indrahk, liegt das nicht daran,
dass Sie sich nicht für die Finanzen interessieren?
Wie bitte …?
Verzeihung, ich bin zu weit gegangen.
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