Die Unbeugsamen

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ആദ്യത്തെ 200 വരികൾ.

- Guten Morgen Frau Dr. Lüders. - Ja, guten Morgen.

Wir möchten ein kleines Interview mit Ihnen machen.

Aber eine Minute, nicht länger.

Dann verlasse ich leider diese schöne Landschaft. Nein, nein.

- Ich möchte auch nicht untern Wagen kommen. - Nein.

- Wir möchten Ihnen herzlich zum 80. Geburtstag gratulieren. - Danke vielmals.

- Und zur Verleihung des Ehrendoktors. - Danke.

Und möchten Sie gerne einige Fragen fragen.

Was denken Sie heute über die Verwirklichung Ihres großen Anliegens,

die Gleichberechtigung der Frau?

Zum Teil ist sie erfüllt, zum anderen Teil nicht.

Und wenn die Leute nicht weiterkämpfen,

werden sie, was sie haben, wieder verlieren.

- Darf ich Sie wohl noch auf eine Sache hin ansprechen? - Ja?

Sie sind als die Vermittlerin im Bundestag bekannt.

Was würden Sie heute über die Vermittlerrolle der Frau

in der aktiven Politik sagen?

Ich denke, dass es ohne die Vermittlung der Frau überhaupt nicht geht,

weil die Männer eine starke Neigung haben, sich zu zanken,

und die Frauen eine ebenso starke Neigung haben, sich zu versöhnen.

- Danke, Frau Doktor Lüders. - Bitte.

Macht wird als unweiblich angesehen.

Ich hab das noch nie verstanden.

Ich kann mich noch erinnern an meine erste größere Veranstaltung

mit der Susanne von Paczensky, mit der Eva Rühmkorf in Berlin.

Große Plakate, ich war stolz wie Bolle.

Da stand "Frauen und Macht?" Und dahinter ein Fragezeichen.

Und ich war die einzige in dem Podium,

die gesagt hat, dass ich das Fragezeichen nicht verstehe.

Dass ich Macht will, dass Macht etwas nicht per se Schlechtes ist,

sondern nur die Art, wie man Macht ausübt, schlecht sein kann,

und natürlich dann kritisiert werden muss.

Aber wenn ich machtlos bin, dann bin ich ohnmächtig.

Und gerade, weil ich eine Frau bin, will ich nicht ohnmächtig sein,

sondern ich möchte Macht, das heißt Einfluss haben,

um die Dinge, die ich für richtig halte, durchsetzen zu können.

Meine Deutschlehrerin hat immer deutlich zum Ausdruck gebracht:

"Ursula, Politik ist unweiblich", hat sie mir immer gesagt.

Und je mehr sie es sagte, "Ursula, Politik ist unweiblich",

desto mehr hab ich natürlich sie geärgert.

Aber die hat mich dazu gebracht, mich immer stärker mit Politik zu beschäftigen.

Als ich Abitur machte, kamen sie zu mir und sagten:

"Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute

und dass du eine Hamm-Brücher wirst, aber in unserem Sinne."

Hamm-Brücher war die streitbare Politikerin in Bayern,

die Bildungspolitik vorangetrieben hat, aber sie war halt sehr, sehr streitbar,

und natürlich nicht im Sinne der Klosterschule.

Also Hamm-Brücher durfte ich werden,

aber bitte mit ihren Wertvorstellungen.

Seit sie 1950 in den bayerischen Landtag eintrat,

kämpft Hildegard Hamm-Brücher für eine bessere Schulpolitik.

Mut zur Unabhängigkeit, Zivilcourage und Sachkenntnis

machten sie zu einer der bekanntesten Kulturpolitikerinnen Deutschlands.

Und was ist ihr zurzeit dringendstes politisches Ziel?

Die äußeren wie inneren Schulverhältnisse für unsere Kinder so zu verbessern,

wie es dringend notwendig ist

und wie es in der Vergangenheit leider immer wieder viel zu wenig geschah.

Meine Mutter hat mich schon auch getrieben zu lernen,

weil sie hatte eben kein Abitur gehabt

und hat gesagt: "Mädel, lern was!

Das, was du gelernt hast, kann dir niemand mehr nehmen."

Mein Vater war in der Hinsicht etwas sehr konservativ, der hat gesagt:

"Mädel, lern nicht so viel, du kriegst keinen Mann."

Eine Frau hat zwei Lebensfragen:

Was soll ich anziehen? Und was soll ich kochen?

Ja, das war das Frauenbild.

Der Mann ist Ernährer, die Frau ist Hausfrau/Mutter,

und macht es ihm möglich, wenn er eine entsprechende Position hat,

auch eben Gäste einzuladen, ein gesellschaftliches Leben zu führen.

Und mit ihrer eigenen Bildung fördert sie auch die Kinder.

Ich weiß noch, eine Klassenkameradin… das war im Gymnasium,

die sagte plötzlich, sie will Mathematik studieren.

Und selbst wir fielen alle vom Stuhl,

weil wir uns gar nicht vorstellen konnten, dass ein Mädchen Mathematik studiert.

Wenn eine Frau, ein junges Mädchen aus der Reihe tanzte,

dann wurde ihr klargemacht, dass sie das Rollenbild verletzt hat.

Der Satz: "Die heiratet ja doch", hat mich die ganze Zeit begleitet,

bis einschließlich zum Beginn meines Studiums.

Und als ich dann in Berlin anfing zu studieren, Jura,

da waren wir weniger als 10% Frauen.

Oder eben in Vorlesungen, wenn dann der berühmte Professor Raape in Hamburg

dies Auditorium mit "meine Herren" angeredet hat.

Obwohl wir uns extra alle, die wenigen Mädchen, die in der Vorlesung waren,

sich in die erste Reihe gesetzt haben. Er blieb bei "meine Herren".

Noch habe ich das Recht, hier zu reden!

Aus Ihrem Vertrauen

bin ich an die erste Stelle im deutschen Reich gestellt worden.

Die Wiedervereinigung des freien Vaterlandes,

darin mündet der Wunsch.

Wir wollen mehr Demokratie wagen.

Wir wollen auf außenpolitischem Gebiet

keine Experimente machen.

…keine Experimente,

weil sie das deutsche Volk von Neuem in den Abgrund stürzen würden.

Ich war gestern in der Adenauer Stiftung,

da hingen die Bilder aus. Nur Schwarzröcke.

Also die damaligen leitenden Kommissionen, Minister,

alles Schwarzröcke, nicht eine einzige Frau drunter.

Ich hab irgendwann mal gesagt:

Eine Demokratie kann nicht nur halb sein.

Zur Ganzheit eines Volkes gehören Frauen und Männer.

Ich bin der Auffassung, dass die Frau auf allen Gebieten ihren eigenen Anteil gibt,

und darum auch in der Politik.

Auch als Bundesminister bestünden Möglichkeiten für eine Frau.

Das würde sicher die Kabinettssitzungen beleben, Herr Minister.

Bitte nicht nur als Dekorationspunkt.

Ich möchte glauben, dass es manche tüchtige Frau in unserem Lande gibt,

die fachlich und sachlich zu dem schweren Gespräch der Männer

um die Ordnung, um die Zukunft ihr Teil hinzugeben könnte.

Ich meinte das auch sehr ernst.

Ich glaube, Frauen können etwas zu Kabinettssitzungen beisteuern,

worauf die Männer nicht sofort kommen. Nicht, Herr Minister?

Ich denke durchaus, dass die Frauen uns helfen könnten, auch im Kabinett.

Das war mein erstes Erlebnis, wirklich Erlebnis, im Bundestag,

wurde unsere Frauengruppe von Frau Brauksiepe gerufen,

und dann in jeden Ausschuss muss eine Frau,

und in die Bundesregierung, da hat er keine geholt, der Adenauer.

Und dann sind vier zum Adenauer gegangen,

Frau Brauksiepe mit einem schicken Hütchen…

Dann kamen die zurück und sagten:

"Also wir haben es geschafft."

Und dann haben wir uns begeistert für Frau Dr. Schwarzhaupt.

Die war fantastisch.

Die war also wirklich nicht nur nachher Gesundheitsministerin,

sondern als ganz junge Frau war sie in der Stresemann-Partei,

in der Deutschen Volkspartei, in der Verwaltung führend.

Dann sehr aktiv in der bekennenden Kirche,

und dann nach dem Krieg eben auch sofort im Aufbau.

Dr. Schwarzhaupt hat es wirklich gut gemacht

und viele neue Sachen eingebracht.

Zum Beispiel Beschriftung von Lebensmitteln und so was,

was es vorher noch nicht gab.

Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.

Ihre Berufung, Frau Dr. Schwarzhaupt,

zum ersten weiblichen Minister der Bundesrepublik

bereitet uns eine kleine Verlegenheit, was die Anrede angeht:

Frau Minister oder Frau Ministerin?

Ich meine Frau Ministerin, da ich eine Frau bin

und da die deutsche Sprache zwei Formen, eine weibliche und eine männliche,

für derartige Worte hat.

Es mag ein wenig ungalant sein, aber ist es nicht überlegenswert, sich zu fragen,

ob eine Frau in der Politik eine ganz bestimmte Position einnehmen will,

soll oder muss nur deshalb, weil sie eine Frau ist?

So ungalant kommt mir Ihre Frage gar nicht vor.

Es ist eine Frage, die 20 Jahre hier auftaucht, wo immer man mitarbeitet.

Aber ich persönlich habe doch die ermutigende Erfahrung gemacht,

dass man Frauen auch etwas zutrauen kann,

denn man mutet uns ja oft sehr viel zu.

Und was man einzubringen hat, ist eben etwas anderes, als der Mann bringt.

Wenn ich arbeite wie ein Mann, spreche wie ein Mann,

könnte man meinen eigenen Mann ja hier 20 Jahre hin entsendet haben,

und das ist eben nicht der Fall.

Vive la différence, wenn sie so wollen.

Jeder bringt den Pars, den er hat, um das Ganze richtig zu machen.

Es ist ja niemand da zum Entscheiden.

Meine Herren, in der Stunde der Not

müssen entschlossener Entschlüsse entschlossen werden.

Und immer gab es in der Geschichte der Menschheit beherzte Frauen,

die rettend eingegriffen haben.

Ich bin das dienstälteste Mitglied der Firma, alles hört auf mein Kommando.

Ach du lieber Gott.

Zunächst waren die Frauen Einzelkämpferinnen, alle für sich.

Und dann, in den 70er Jahren, entdeckte man die anderen Frauen,

die in der gleichen Situation waren.

Und man hat nicht mehr gegeneinander um den einzigen Frauenplatz konkurriert,

sondern man hat sich zusammengetan, um mehr Frauenplätze,

in Anführungsstrichen, zu bekommen.

Ich begann, mich politisch zu interessieren.

Ich nahm an politischen Veranstaltungen teil.

Ich hatte mir bis dahin überhaupt nichts zugetraut,

habe auch in einer Ehe gelebt, die mir nicht viel zugetraut hat.

Und ich fing an, in politische Veranstaltungen zu gehen, und merkte:

"Die Leute hören dir ja zu, wenn du ein Argument vorbringst."

Ich fühlte mich plötzlich zwei Meter größer, sehr bestätigt,

und bekam plötzlich Mut zum eigenen selbst jetzt Loslegen.

Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen?

Das ist eine Frage, die im Allgemeinen leider nur Politikerinnen gestellt wird.

Ich hab… Man muss natürlich Kompromisse machen.

Man muss sein Leben anders organisieren.

Aber es ist so zu schaffen, wie es Geschäftsfrauen schaffen,

wie es auch Frauen von Landwirten schaffen.

Der Vater meiner Kinder kam ganz schlecht mit diesem neuen Rollenbild zurecht.

Plötzlich war ich nicht mehr diejenige, die den Göttergatten nur angehimmelt

und sonst die Klappe gehalten hat. Ich hatte meine eigene Meinung.

Er wurde ganz schlecht damit fertig und wir haben uns getrennt.

'68 habe ich in Berlin Examen gemacht, bin dann nach Tübingen zurück,

war dann erst mal eine Weile Kreisvorsitzende dort

und habe dann, ab 1970,

die sozialdemokratischen Frauen in Baden-Württemberg angeführt,

bisschen zum Schrecken unserer damaligen Landesoberen,

weil die unseren fröhlichen Terrorismus, gell, eigentlich nicht so gerne hatten.

Weil wir natürlich gesagt haben: "So, in den nächsten Kommunalwahlen,

wollen wir den Anteil der Frauen an den Kommunalparlamenten

mindestens verdoppeln, wenn nicht noch mehr."

Wir haben uns angeguckt,

welche Regularien parteiintern muss man kennen,

wie wird ein Haushaltsplan aufgestellt, wie präsentiere ich mich,

was sind die typischen Eigenheiten, wie Männer sich in Gremien verhalten,

wie negieren sie Frauen, was tut man dagegen und solche Sachen.

Und das hat uns großen Spaß gemacht, und Erfolg hat's auch gebracht.

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