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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2020
* Amerikanische Polizeisirene *
Es ist kein Geheimnis, dass Wim Wenders
zu den ganz wichtigen Regisseuren unserer Zeit gehört.
Er hat über lange Zeit hinweg gearbeitet.
Das ist ja nicht so,
dass er einen oder zwei Bestseller-Filme gemacht hat.
Er hat ein halbes Jahrhundert lang Filme gemacht.
Und es ist kein wirklich schlechter dabei.
Es heißt, er verkörpert unsere Zeit
und unsere jüngste Vergangenheit in einer ganz eindringlichen Weise.
Er ist eine Stimme, die kann man nicht wegdenken.
Ich würde einem 18-jährigen Filmstudenten sagen:
"Wenn du Filme machen willst: Schau dir Wims Filme an, du Depp!"
* Adlerschreie *
* Seufzen *
Das ist eine der abgelegensten Gegenden in ganz Amerika.
Das ist im Big Band National Park.
Das ist eine große Wüste.
Grenzgegend zu Mexiko, aber in der trockensten Wüste.
Da hat "Paris, Texas" angefangen.
Auf dem Weg dahin, wo ich anfangen wollte zu drehen,
hat da niemand mehr gewohnt.
Aber trotzdem gab es eine einsame,
völlig einsame Farm, wo die beiden gewohnt haben.
Sie ist eine Indianerin, Macey hieß sie.
Seinen Namen habe ich vergessen.
Sie lebten da schon seit 20, 30 Jahren, völlige Outcasts.
Ganz einfach.
Nur ein Brunnen, keine Elektrizität, kein fließendes Wasser.
Die waren aber glücklich in der Wildnis.
Der nächste Ort hieß Terlingua, da brauchte man zwei Stunden.
Für mich ist Erzählen ein Wagnis.
Insofern, als man erzählen nur ernsthaft darf,
wenn man nicht weiß, wie es ausgeht.
Wenn man vorher weiß, wie das ausgeht, ist es geschummelt.
Wenn man will, dass es aufgeht und das von Anfang an plant
und auch ein Drehbuch schreibt, wo alles fertiggeschrieben ist:
Warum will ich dann erzählen,
wenn ich nichts erfahren will in dem Erzählen?
Wenn ich nicht wissen will: Wohin führt diese Anfangssituation?
In all meinen Spielfilmen habe ich es versucht,
weil ich das Erzählen als Abenteuer ernstnehme.
Und weil ich das auch traumhaft finde,
dass man ein Erzählen anfängt, einen Film macht und was riskiert.
Dass ich nicht weiß, wohin das führt.
Und wenn das so ist, wenn man einen guten Anfang hat
und sich auf den Weg macht, on the road:
Dann gibt es für mich nichts Schöneres als die Haltung,
die ich dahinter entdecke.
But I'm out on the road again
I'm on the road again
Well, I'm so tired of crying
But I'm out on the road again
I'm on the road again
I ain't got no woman
Just to call my special friend
You know the first time I traveled
Out in the rain and snow
In the rain and snow
You know the first time I traveled
Out in the rain and snow
In the rain and snow
I didn't have no payroll
Diesen Sog zu erleben und mit seinem Filmteam
und den Schauspielern und der Geschichte ...
Auf diesen Kahn zu kommen,
der nicht in einem Brackwasser eines Flusses zum Stehen kommt,
sondern auf den Fluss draufkommt und getrieben wird und mitzieht.
Dass man diesen Strom spürt, der einen zieht.
Das ist eine Wahnsinnserfahrung.
Das hab ich zum ersten Mal in "Paris, Texas" gespürt,
dass Geschichte ein Strom ist, der alle mitzieht.
Das ist ein tolles Gefühl.
* Donnern und Regenprasseln *
Schon beim Drehen wusste ich,
das war das Beste, was ich tun konnte.
Und es waren auch alle Umstände gut.
Ich hatte die richtigen Leute und war immer am richtigen Ort.
Wo alles so einfach ...
... und gut zusammengepasst hat.
Und Nastassja war auch genau die richtige Besetzung.
Der kleine Junge, den wir gefunden haben,
Hunter, war wirklich der Junge, den ich mir ausgedacht hatte.
Der Harry Dean war wirklich dieser Travis.
Dieser Mann, der nicht mal mehr sprechen konnte.
Der so katatonisch war und nur noch einen Wunsch hatte:
Seine Familie zusammenzufinden.
Right next to the liar's house
My number was self-righteousness
And a very little guide of mouth
So I moved, I moved
And I'm living on straight street now
I moved, I had moved
I'm living on straight street now
Before I moved over
Let me tell you how it was with me
Old Satan had me bound in chains
And I had no liberty
One day my heart got troubled
Selbstbedienung.
And He told me to leave that place
So I moved, I moved
And I'm living on straight street now
Yes, I moved, I moved
Ich sehe in Wim nicht nur den Regisseur,
sondern auch den verspielten Abenteurer.
Das Kind, das zu Musik in einer Pfütze rumspringt.
Seine Filme versprühen eine kraftvolle Leichtigkeit.
Es gibt nichts Vergleichbares.
Wim erlangte mit "Paris, Texas" oder "Der Himmel über Berlin“
international eine unglaubliche Popularität.
Auch in Deutschland ging die Bewunderung über alle Grenzen.
Vielen galt er als "unser Mann in der Welt".
Der hervorragende Filme macht:
Aufrichtig, sensibel, ungewöhnlich, fesselnd und bewegend.
Aber vor allem wahrhaftige Filmkunst.
Come on inside
Takin' that ride to nowhere
We'll take that ride
I'm feelin' okay this mornin' and
And you know
We're on the road to paradise
Here we go, here we go
We're on a road to nowhere
We're on a road to nowhere
We're on a road to nowhere
There's a city in my mind
Come along and take that ride and it's all right
Baby, it's all right
And it's very far away
But it's growing day by day and it's all right
Baby, it's all right
They can tell you what to do
But they'll make a fool of you and it's all right
Baby, it's all right
Seine Filme sind wie Gemälde. Wahre Kunstwerke.
Schaut man sich "Paris, Texas" an,
die Wüste, die Art, wie er sie sieht und wie er uns die Landschaft zeigt:
Es ist eine Einladung in eine unbekannte Welt,
die er uns wunderschön, wie ein Maler, auf Leinwand bannt.
Als "Paris, Texas" erschien,
waren alle verrückt nach dem Film und dem Soundtrack.
Nach dieser einzigartigen Musik.
Ich bin Sängerin und schreibe auch Songs,
komponieren kann ich aber nicht und spiele kein Instrument.
Wenn ich das könnte, würde ich es so machen wie Ry Cooder.
Ich saß zusammen mit meiner Frau und dem Keyboarder Jim Dickinson.
Zufälligerweise sprachen wir über Wim.
Ich sagte: "Sicher heckt er was Neues aus".
20 Minuten später klingelte das Telefon.
Ich hörte erst nur "schhhhhhh!".
Und dann: "Hallo, hier ist Wim."
Das war Satz Nummer eins.
"Hey Wim, was machst du so?" - "Na ja, ich dreh einen Film."
Das war Satz Nummer zwei.
Aha, aha.
Und schließlich:
"Ich möchte, dass du die Musik machst."
Das war's.
Wim hatte die größte Sammlung von Rockmusik, die ich je gesehen habe.
Schon Jahre vor "Paris, Texas"
war er durch den Südwesten Amerikas gefahren.
Er hörte auf diesen Reisen haufenweise Kassetten:
Cooles Zeug - Rock 'n' Roll, Rockabilly oder moderne Musik.
Allmählich fügte sich das in seinem Kopf zusammen,
wie 'n Puzzle.
Du hast das richtige Auto, hörst die richtige Musik,
fährst die richtige Straße entlang.
Du verstehst langsam, was es mit einem Ort auf sich hat.
Wir haben gewusst, dass wir "Paris, Texas"
im amerikanischen Westen ansiedeln wollten.
Da bin ich monatelang rumgezogen und habe jeden Highway,
jede Landstraße und jede Staubstraße abgefahren.
Ich habe viel fotografiert, aber das war keine Motivsuche.
Nichts, was ich fotografiert habe, ist im Film übriggeblieben.
Ich habe fotografiert,
damit ich die Landschaft und das Licht kannte.
Damit ich die Angst vor dieser Farbigkeit
und diesem Kodachrome, was einen da anlacht, verliere.
Dafür habe ich lange fotografiert,
bis ich das selbstverständlich konnte.
Bis ich diese Landschaft intus hatte.
Er muss in seinem Leben Millionen von Fotos gemacht haben.
Eine grüne Tür hier, ein roter Streifen dort,
eine Wolke da drüben.
Für ihn sind das alles Werkzeuge,
Variablen einer Komposition von Elementen.
Auf den ersten Blick
scheint an einem Himmel nichts Besonderes zu sein.
Wim versteht es aber,
das Auge des Zuschauers zu fokussieren.
Wie über diesem armen Mann auf den Gleisen.
Dann bekommt "Himmel" wirklich eine Bedeutung.
She is addicted to thee
She is the root connection
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