The first 200 lines.
"Geben Sie an, welche Wertsachen Sie besitzen,
Sparguthaben in deutscher oder fremder Währung, Schmuck..."
"Aufgrund Ihrer baldigen Evakuierung in den Osten,
müssen Sie Ihr Vermögen vollständig auflisten.
Bei Verstößen gegen das Verfügungsverbot
drohen polizeiliche Maßnahmen."
Papa sagt, dass das alles seine Ordnung hat.
Was soll daran in Ordnung sein,
in den Osten evakuiert zu werden?
Um Gottes willen, Cioma, was machst du?
Du bist verrückt.
- Du bringst uns ins Gefängnis. - Ich bin noch nicht fertig.
Cioma.
Mama.
Ich will hierbleiben.
Ich will leben.
Da sitzen dann die Leute sehr friedlich.
Auch ich hatte in meiner Vorstellung das Bild
von sauberen
Tannenholzbaracken.
Da wohnen nun die jüdischen Arbeiter,
die gehen von da aus an irgendeine Arbeitsstelle,
wo sie arbeiten müssen.
Das war so das Bild.
Martin Israel Cohen!
Die Stille wurde nur unterbrochen
von einem Ausrufer.
Der brüllte.
"Martin Israel Cohen!"
Martin Israel Cohen!
Es ist so, wie der...
Hahn bei den...
Bremer Stadtmusikanten,
der brüllt, kräht so laut, weil er zeigen will,
dass er noch nicht reif für den Kochtopf ist.
Meldeamt!
Plötzlich hieß es...
Cioma Israel...
...Cioma Israel Schönhaus.
Na ja. Dann war ich dran.
Cioma Israel Schönhaus!
Arbeitsamt.
Sie deportieren keine Juden in Zwangsarbeit.
Papiere alle da?
Vielleicht ist das ein Ausweg?
Letzter Arbeitsplatz?
Gustav Genschow, Maschinengewehrfabrik.
Irgendwelche Lohnzahlungen offen?
Eigentlich hat die Firma mich reklamiert.
Steht da nicht, dass ich zurückgestellt bin?
Dass die mich brauchen?
Gustav Genschow Maschinengewehre.
Ich bin einer der Schnellsten. 180 Läufe die Stunde.
Komm jetzt.
Warum muss ich allein ins Lager?
Warum kann ich nicht bei meiner Tante bleiben?
Lasst mich hier!
Sie können gehen.
"Also, Sie können gehen."
Sag ich: "Wohin?"
In die Fabrik. Sie sind zurückgestellt.
Anna Sarah Hösch.
Können wir den Jungen allein lassen?
Natürlich bleibt er hier.
Vielleicht kann er uns retten.
- Komm jetzt. - Ich habe meinen Koffer dabei.
- Wir wollen uns verabschieden. - Bitte.
Cioma, kannst du die frankieren und einwerfen?
Für meine Arbeitskollegin.
Ich konnte mich nicht verabschieden.
Ich habe vergessen, sie einzuwerfen. Wie blöd!
Das reicht.
Vergiss es nicht. Versprich es mir!
Meine Eltern verschwinden.
Ich weiß nicht, wo man sie hinbringt.
Vielleicht sehe ich sie nie wieder.
Wollen wir?
Wir hatten alle Schallplatten, auch amerikanische.
Danach haben wir getanzt, auch wenn wir nie Tanzstunde hatten.
Teil unserer Jugend ist ja verschwunden.
Die haben wir gar nicht gehabt.
In die Tanzlokale dürfen wir nicht mehr.
So treffen wir uns bei Freunden, um zu tanzen.
Warum hat dein Bruder dich nicht früher mitgebracht?
Wir sind bei Bruno, dem Freund meines Bruders Jochen,
der mit seiner Freundin Ellen und mir hier ist.
Je schlimmer die Gesetze wurden gegen Juden,
desto mehr spielten wir mit der Idee,
unterzutauchen.
Besonders mein Bruder hatte gehört,
dass junge Leute die Sache gemacht haben.
Zwei meiner Kollegen bekamen ihre Listen.
Sie tauchen unter.
Wir nannten das "flitzen".
Er sprach mit meinen Eltern darüber, die das ablehnten.
Du weißt doch, wie Papa ist.
Und was ist, wenn jemand anderes mit ihm spricht?
Wer denn?
Was ist mit Frau Gehre?
Warum fragt man nicht zuerst die Gehres?
Na ja, also das
hat mein Vater dann eingesehen.
Ich habe Sie gebeten, mit uns zu sprechen, Frau Gehre,
weil meine Kinder das wollen und keine Ruhe gegeben haben.
Ich habe gesagt, es sei aussichtslos.
Wir sind zu viert.
Jochen hat eine Freundin, Ellen.
Und Ellens Mutter ist auch dabei.
Völlig unmöglich, so viele zu verstecken.
Mich als Arzt kennen in Kreuzberg so viele,
dass ich nicht rausgehen könnte.
Völlig unmöglich.
Und niemand kann sagen, wie lange das dauert.
Und selbst wenn...
Wir werden die ganze Zeit auf andere angewiesen sein.
Für alles. Wie soll das gehen?
Mein Mann und ich vergessen Ihnen nie,
dass Sie unsere Tochter geheilt haben, als sie krank war.
Wir tun alles, um Ihnen und Ihrer Familie zu helfen.
Wir haben eine Kammer hinter der Küche, für ein Bett.
Da können Sie bleiben.
Für Ruth, Jochen und Ihre Frau finden wir auch was.
Aber ein zweifelhaftes Gefühl,
denn man wusste nicht, was geschieht,
wenn man flitzt.
Habt ihr alles?
Wir überlegten nicht,
wie lange es dauern wird.
Hätte man nachgedacht, hätte man es nicht gemacht.
Für uns war es halb so schlimm
wie für meine Eltern.
Denn bis wir untergetaucht sind,
haben wir zusammengewohnt.
- Vaters Leselampe. - Hier drin.
- Und die andere Tasche? - Wir haben alles.
Jetzt wussten sie nicht, wo wir untergebracht waren.
Sie wussten nicht, was wir am Tag machen. Wo...
Sind wir draußen irgendwo? Es muss eine...
schwere Situation für meine Eltern gewesen sein.
Mutter, komm.
Jemand zugestiegen?
Als die Schulen geschlossen wurden,
wurde ich "dienstverpflichtet", so nannte man das damals,
auf dem jüdischen Friedhof.
So sehe ich Helga nur am Wochenende.
Wenn ich frei habe von der Zwangsarbeit.
Was wagst du dich, mit dem Bus zu fahren?
- Ich habe eine Genehmigung. - Zeig mal her! Aber plötzlich!
"Darf als Jude die Linie Kreuzberg benutzen,
da sein Arbeitsweg über 7 km beträgt."
Ab sieben Kilometer bekam man das. Darunter ging man zu Fuß.
Aber "Sitzen" stand da nicht, oder habe ich mich verlesen?
Auch da ist es mir passiert, dass mir Leute
ein Päckchen Zigaretten zugesteckt haben,
obwohl ich nicht geraucht habe.
Das war auch nicht der Sinn der Sache.
Sie wollten zeigen, dass sie nicht einverstanden waren.
Dabei wissen die meisten nicht mal,
was uns alles verboten worden ist.
Wir dürfen keine Radios oder Fahrräder mehr besitzen,
sogar Haustiere müssen Juden bei den Behörden abgeben.
Man kannte die Typen
in Hut und Ledermantel.
Ich wusste, das waren Gestapobeamte.
Dein Stern ist nicht vorschriftsgemäß angenäht.
- Name? - Eugen Friede.
Eugen Israel Friede!
Eugen Israel Friede.
Straße?
Belle-Alliance-Straße 28, Kreuzberg.
Pass bloß auf!
Und näh deinen Stern wieder an.
Verdammter Judenbengel.
Meine Mutter nähte unter Tränen
den Stern wieder an.
Mein Vater sagte:
Er kann nicht hierbleiben. Es ist zu gefährlich hier.
In ein paar Tagen werden sie ihn holen.
Vielleicht schon morgen.
Aber wir können ihn doch nicht allein...
Er ist doch erst 16!
Ich bin der Einzige in der Familie,
der den Stern tragen muss.
Glaubst du, mir fällt das leicht?
Julius ist mein Stiefvater und kein Jude.
Daher muss meine Mutter den Stern auch nicht tragen.
Hier.
Ich habe ihn angenäht.
Komm, probier ihn mal an.
Ich finde jemanden, der dich aufnimmt.
Das war eigentlich der Tag meiner...
An dem Tag begann meine Illegalität.
Vielleicht ist es nur für ein paar Tage.
Ich war bei einer befreundeten Familie.
Die haben mich aufgenommen nach dem Tod meiner Mutter,
damit ich nicht ins Waisenhaus kam.
Diese Familie wurde vor mir deportiert.
Ich war nicht auf der Liste,
sodass ich weiterhin in der Wohnung bleiben konnte.
Ich müsste im Betrieb Fallschirme nähen.
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