The first 200 lines.
EIN NETFLIX ORIGINAL COMEDY-SPECIAL
Danke.
Danke, Leute.
Ist gut. Hört auf, Leute. Stopp!
Aufhören, Leute. Leute.
Es ist genug.
Das meine ich ernst.
Ich sage die Show ab.
Leute, das ist kein Scherz.
Ich sage die Show ab. Das war genug Applaus.
Wenn ihr Überschwang wollt... Das hier ist eine New-York-Show.
Überschwang ist Westküste, das meine ich.
Applaus ist Gift für diese Stadt. Versteht ihr?
An der Westküste: ausgelassene, begeisterte Menschen.
So gehört es sich auch, denn es ist das Paradies auf Erden.
Darum sind sie froh und enthusiastisch, immerzu entzückt von allem um sie herum.
“Die Berge, der Strand.”
Sie tun alles wie zum ersten Mal.
-“Gehen wir einkaufen?” -“Ja!”
Mittlerer Westen: bescheiden, arbeitsam.
Sie waren Bauern und haben die entsprechende Persönlichkeit.
Der Süden: sehr heiß, sehr höflich.
Überhöflich, denn es wird schon mal gewalttätig, wenn du nicht aufpasst.
Ich habe mir jedenfalls die Erlaubnis geholt, verdeckt Waffen tragen zu dürfen.
Neuengland: Sie sehen immer so aus, als würden sie Gischt abbekommen.
Und New York ist New York. Wir erfüllen die Klischees:
Unhöflich, starrsinnig, ungeduldig,
laut, schnell sprechend, sarkastisch, besserwisserisch.
Aber die meisten übersehen, dass das,
was im Rest des Landes als unhöflich gilt, bei uns nett gemeint ist, und umgekehrt.
Wenn ich in einen Pizzaladen gehe, sage ich: “Gib mir ein Stück.”
Das ist höflich, weil man die Leute in der Schlange nicht aufhalten will.
Man will die Schlange ja nicht aufhalten...
Wer im Pizzaladen anfängt: “Hi, wie geht’s? Dir ist bestimmt heiß”,
ist unhöflich.
Es gibt auch keine Hocker. Hier wird erwartet, dass du im Gehen isst.
Zusammenklappen und los.
Ich erinnere mich an einen Familienurlaub in Maine, als ich klein war.
Wir stehen in einem Tante-Emma-Laden, nach fünf Minuten war ich suizidgefährdet.
Wir kommen rein, und der Typ sagt: “Dich kenne ich gar nicht.”
“Na und, Alter? Gib mir...
Ist das wichtig? Schieb Limo rüber.”
“Zu Besuch?”
“Nein, ich bin sehr schüchtern. Ich traue mich heute zum ersten Mal raus.”
-“Bist du neu in der Stadt?” -“Nein, Bürgermeister. Frisch gewählt.”
In New York drängelt immer irgendeiner.
Da liegt Hektik in der Luft.
Aber es ist auch eine Fußgängerstadt.
Die Fußgänger haben das Sagen, nicht die Autos.
Darum verhalten sich die Autos auch wie Fußgänger
und die Fußgänger wie Autos.
Aber die Fußgänger haben das Kommando.
Sie laufen auf die Straße, und die Autos halten.
“Mich hätte fast ein Fußgänger erwischt. Das war knapp.”
Wir haben einen hektischen Lebensstil. Schon als Kind in der Kirche:
-“Vergib mir, Vater, ich habe gesündigt.” -“Ja, ich weiß. Beeil dich.”
Die New-York-Persönlichkeit, so sind wir.
Warum ist sie überhaupt entstanden?
Wie hat sich aus all den Kulturen das Wesen des New Yorkers geformt?
Zunächst sollte man daran erinnern, dass alle Menschen, die hierherkamen,
deshalb kamen, weil sie in ihrer Heimat unglücklich waren.
Die Stadt war also voll von unglücklichen Leuten.
Die ersten Bewohner von Manhattan waren Lenape-Indianer.
Behaupten sie. Und man muss es ihnen mal wieder glauben.
Sie sagen, sie seien die Ersten gewesen. Was sollen sie machen?
Sagen: “Wir haben die vor uns umgebracht”?
Natürlich reklamieren sie das Erstrecht.
Aber mal angenommen, sie waren die Ersten.
Schon damals blickten sie ein wenig auf andere Stämme herab,
weil sie quasi das Meeresfrüchte-Monopol innehatten. All die Wasserstraßen.
Man bekam fünf Scheffel Muscheln für 40 Schachteln American Spirits.
Gebt ihnen ein paar Perlen, und sie sollen verschwinden.
Die Montauk erwiderten: “Hetz nicht so.”
Die Ramapough kamen am Wochenende aus Jersey zum Meeresfrüchte-Shopping.
Und...
...die Lenapes waren... Sie rauchten.
Damals gab es nur in Nordamerika Tabak.
Sie haben das Rauchen erfunden. Schon ganz New Yorker,
standen sie da mit Kippe im Mund.
Henry Hudson sah sie auf den Klippen stehen.
Nord-Manhattan. Sie musterten ihn.
Am Rauchen, mit nacktem Oberkörper. Ziemlich homoerotisch, Sie haben recht.
Nicht gerade ein freundlicher, erster...
Wenn man an Niederländer denkt, denkt man: Pot, Prostitution, Amsterdam.
Das waren nicht diese Niederländer.
Sondern die des 17. Jahrhunderts, die sich nahmen, was sie sahen.
Sie kamen mit ihrer Kriegsflotte an, das ist schon mal kein...
Mit der Kriegsflotte kommen setzt ein Statement.
Es gab nur vier Kriegsflotten auf der Welt.
Die Lenape-Indianer hatten keine.
Ihre bestand aus kräftigen Schwimmern und ein paar Kanus.
Als Holland sagte: “Was für ein schöner Ort.”
“Nicht schon wieder. Er ist unverkäuflich.”
“Danach habe ich nicht gefragt. Ich habe nur gesagt, dass er schön ist. $26?”
Sie entgegneten: “Nein.” -“$25.”
-“Der Typ versteht mich nicht... Nein.” -“Wie wär’s mit 24?”
Wir schlagen besser ein, sonst geht der Preis unter 24.
Die Niederländer haben es sich einfach genommen. Alle Namen sind niederländisch.
“Bronx” ist ein niederländisches Wort. “Harlem” auch.
“Bushwick”, niederländisch. “Brooklyn”, niederländisch.
“Stoop”, englisch für Aufgang, “Yankees”, niederländisch.
Das Wort “fuck” ist niederländisch, ich schwöre.
Wenn also jemand auf einem Aufgang in Brooklyn “Fucking Yankees” sagt,
dann spricht er Niederländisch.
Das ist wahr. So wahr es geht. Stimmt’s?
Das ist New York.
Also das Rauchen. Leute, die “fuck” sagen.
Das sind die Grundzüge der New-York-Persönlichkeit.
Die Oberfläche. Was noch fehlt, ist die Grundhaltung.
Alle New Yorker fühlen sich dem Rest der Welt überlegen.
Wir halten uns für schlauer.
Nicht nur die Reichen. Die Armen, die Mittelschicht...
Es ist die einzige Stadt, in der proletarische Snobs leben.
Setz einen Highschool-Abbrecher mit MIT-Professoren in einen Raum.
Nach einer Stunde: “Wie findest du sie?”
“Das sind keine New Yorker.
Sie sind gebildet. Das muss ich ihnen lassen.
Intellektuell, ja, aber völlig realitätsfern.
Kein gesunder Menschenverstand.”
Alle fahren in den Urlaub, um zu sagen: “Stell dir vor, wir würden hier leben!”
Wir dagegen erzählen den Leuten: “Stell dir vor, du könntest in New York leben!”
“Gib mir ein Stück Pizza. Das ist keine New Yorker Pizza.”
“Natürlich. Wir sind in Italien.”
“Ist mir scheißegal. Das ist keine New Yorker Pizza.”
“Gib mir den Bagel. Das ist kein New Yorker Bagel.
Ihr habt nicht das richtige Wasser.” So was sagen wir den Leuten.
Wir sind nicht in Minnesota mit all den schönen Seen.
Es ist unser Wasser. Wir sagen: “Da geht nichts drüber.”
Aber wir sind immer noch nicht bei der psychologischen... Grundhaltung.
Die Hochnäsigkeit. Die haben wir von den Briten.
Denn die Briten kreuzten hier auf.
Wenn sie damals wo auftauchten, gehörte es ihnen. Keiner wehrte sich.
Es hieß: “Du weißt Bescheid. Wir sind das British Empire.”
Sie kamen mit der Royal Navy, der mächtigsten Kriegsmarine der Welt.
Peter Stuyvesant schaut eines Tages am Hafen vorbei,
mit seinem Holzbein.
Er sagt seinen niederländischen Freunden: “Wir sind am Arsch, versteht ihr mich?”
Die Briten sagten: “Ihr dürft eure drolligen Städtenamen beibehalten.
Aber eure Schuhe könnt ihr vergessen.” Sie waren das British Empire.
“Bitte keine Windmühlen.”
-“Wie nennt ihr es eigentlich?” -“New Amsterdam.”
Sie wollten es nach ihrer wertvollsten Habe benennen.
Amsterdam ist wunderschön.
Die Briten dagegen benennen es nach der sechstbeschissensten Stadt Nordenglands.
York war immer ein Dreckloch.
Wir hätten New London heißen müssen.
Aber es gab schon ein New London in Connecticut.
Aber wer in New London gewesen ist, stellt fest, dass sie New York
wir New London heißen müssten.
Die Briten übernahmen das Ruder.
All die protestantischen Kirchen in Lower Manhattan waren britisch.
Sie herrschten in britischer Manier.
Bis zum Unabhängigkeitskrieg waren wir das britische Hauptquartier.
Manhattan war das britische Hauptquartier im Unabhängigkeitskrieg.
Nathan Hale wurde an der 66th Street Ecke Third Avenue gehängt,
wo jetzt natürlich ein Starbucks ist.
Das passt ganz und gar nicht...
Es ruiniert den Glamour seines Märtyrertodes.
“Ich bedaure, dass ich nur ein Leben habe, das ich euch für fettarme Himbeer-Scones
und Caramel Macchiato schenken kann.”
Plötzlich waren die Briten weg.
Dann wurde es ein Umschlagplatz.
Alles Mögliche, aber eher kleinere Gruppen.
Es gab keine signifikante Gruppe, bis die Deutschen kamen.
Und zwar zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Sie brachten die deutsche Wesensart mit, die immer noch in uns steckt.
Zunächst einmal führten sie die Delikatessen ein, ein deutsches Wort.
Und ihre Wesensart schlägt bis heute in uns durch,
der Kunde hat nicht immer recht.
Sie schreien einen an, sie drängeln. Sie schikanieren einen.
Effizienz vor Menschlichkeit.
“Was willst du? Solange wir noch jung sind. Na los.
Was? Du weißt nicht, was du willst? Geh da rüber.”
Wir sind die einzige Stadt mit zwei Schlangen.
Für die, die wissen, was sie wollen, und für die Ahnungslosen.
Und wenn du erst einmal...
Wer in der Schlange der Ahnungslosen steht, kommt nie in die andere zurück.
Unmöglich.
Die deutsche Wesensart schlägt noch durch. Das Abrupte, die schroffe Höflichkeit.
Leute von außerhalb fragen nach dem Weg.
Sie lächeln. Man gibt ihnen die Infos.
"Sorry, wo ist das Museum?” “Sorry, wo ist die U-Bahn?”
Die New Yorker fordern die Info, als wärst du ihnen das schuldig.
Nicht “Entschuldigung”, sie fragen frontal:
“Wo gibt es das Eis?”
Du denkst: “Alter Schwede.”
Und dann wollen sie eine Bewertung. -“Da vorne.” -“Ist es gut?”
Dann musst du verschwinden, sie könnten zurückkommen.
“Wo ist der, der behauptet, das Eis sei gut?”
Dieses abrupte, anklagende, germanische...
Aber die meisten sind gegangen.
Es gibt noch ein paar Deutsche in Ridgewood,
die gerade zwanghaft ihre Aufgänge putzen.
Aber die meisten leben heute im Westen von Pennsylvania, in Ohio,
weil sie Ordnung und Symmetrie suchten.
Der Stadt fehlte Symmetrie. Die Straßen lagen übereinander,
Elendsviertel über...
Das Wasser war so verschmutzt, die Leute mussten Grog trinken.
Sie mussten Bier statt Wasser trinken.
Wen lockte das an? Die Iren.
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