The first 200 lines.
Ach! Endlich!
In meiner irrsinnigen Angst sah ich überall die Fratzen der Häscher.
Das Becken... die Säule...
»Zu Füßen der Madonna« schrieb mir meine Schwester.
Da ist der Schlüssel und da die Kapelle!
Und immer auswaschen!
Alle Pinsel sind beschmiert, schlimmer als der Kragen eines Bettelmönchs.
Meister! Nanu? Niemand da?
Ich hätte geschworen,
der Cavaliere Cavaradossi sei zurück.
Nein, ich irre mich. Der Korb ist unberührt.
- Was tust du? - Ich bete das Angelus.
- Bei allen Heiligen! Ihr Bild! - Wessen?
Jener Unbekannten, die in den letzten Tagen zum Beten hierher kam,
ganz versunken in frommer Andacht.
Das stimmt, und so sehr war sie in ihr Gebet vertieft,
dass ich unbemerkt ihr schönes Gesicht malen konnte.
Weiche, Satan, weiche!
Gib mir die Farben!
Sie gleichen sich auf unergründliche Weise, sind aber von unterschiedlicher Schönheit.
Braun ist Floria, meine feurige Geliebte.
Mit den Heiligen scherzt man nicht.
Und du, unbekannte Schöne, bist bekränzt von blonden Locken.
Blaue Augen hast du, Toscas Augen sind schwarz.
Mit den Heiligen scherzt man nicht.
Die Kunst verbindet mit ihrem Zauber so ungleiche Reize zu einem.
Doch wenn ich jene male, bist du, Tosca, mein einziger Gedanke.
Aber mit diesen Hunden von Voltairianern, den Feinden der allerheiligsten Regierung,
kann man nicht reden.
Mit den Heiligen scherzt man nicht. Ruchloses Pack.
Da bekreuzigt man sich am besten.
- Euer Gnaden, ich gehe. - Wie es dir beliebt.
Der Korb ist noch voll. Fastet Ihr?
- Ich habe keinen Hunger. - Oh! Das tut mir leid!
Denkt daran abzuschließen, wenn Ihr geht.
- Geh! - Ich gehe.
Da drinnen ist jemand!
Ihr, Cavaradossi! Euch schickt der Himmel.
Erkennt Ihr mich nicht?
Das Gefängnis hat mich also so sehr verändert?
Angelotti! Der Konsul der ehemaligen römischen Republik!
Ich bin eben aus der Engelsburg entkommen.
- Verfügt über mich. - Mario!
Versteckt Euch! Es ist eine eifersüchtige Frau.
Einen kurzen Augenblick, dann schicke ich sie fort.
- Mario! - Ich komme schon.
Ich bin am Ende meiner Kräfte, ich kann nicht mehr.
In diesem Korb findet Ihr Essen und Wein.
- Danke! - Schnell!
Mario!
Hier bin ich.
- Warum war abgeschlossen? - So will es der Mesner.
- Mit wem sprachst du? - Mit dir.
- Du hast noch etwas geflüstert. Wo ist sie? - Wer?
Sie! Diese Frau! Ich hörte rasche Schritte und ein Rascheln von Kleidern.
Du träumst!
Du leugnest?
Ich leugne, und ich liebe dich!
Oh! Im Angesicht der Madonna.
Nein, mein Mario, lass mich erst zu ihr beten, sie mit Blumen schmücken.
Nun hör mir zu: Heut Abend singe ich, aber es ist eine kurze Aufführung.
Warte auf mich am Bühnenausgang, dann gehen wir zur Villa, ganz allein.
Heute Abend?
Es ist Vollmond, und der nächtliche Blütenduft berauscht das Herz.
- Freust du dich nicht? - Sehr!
- Sag das noch einmal! - Sehr!
Das klingt so hässlich.
Sehnst du dich nicht nach unserem Häuschen, das versteckt im Grünen auf uns wartet?
Nach unserem Nest, uns heilig, der Welt verborgen, voll Liebe und Geheimnis?
An deiner Seite will ich lauschen, wie im schweigenden, sternenglänzenden Dunkel
die Stimmen der Natur aufsteigen.
Aus den Wäldern und den Büschen, aus verdorrten, verbrannten Kräutern,
aus der Tiefe verfallener Grabmäler, die nach Thymian duften,
dringen nachts Flüsterworte kleiner Liebesgötter
und listige Ratschläge, um die Herzen zu erweichen.
Erblüht, ihr weiten Felder; weht, ihr Meereslüfte, im Schein des Mondes!
Regnet Liebeslust, ihr gestirnten Gewölbe! Mein Blut glüht vor Liebe!
Du fängst mich in deinen Schlingen! Meine Sirene, ich komme!
- Nun lass mich arbeiten. - Du schickst mich fort?
- Die Arbeit drängt, du weißt es. - Ich gehe!
Wer ist die blonde Frau dort oben?
- Maria Magdalena. Gefällt sie dir? - Sie ist zu schön!
Ein seltenes Lob.
Du lachst? Ich kenne diese blauen Augen.
Davon gibt es viele auf der Welt.
Warte... warte...
Es ist die Attavanti!
Bravo!
Triffst du sie? Liebt sie dich? Liebst du sie?
Es war ein Zufall.
Diese Schritte und dieses Flüstern... Sie war noch eben hier!
- Lass gut sein! - Diese Kokotte!
Das mir!
Ich sah sie gestern, aber es war reiner Zufall, sie kam zum Beten her.
Ich habe sie heimlich gemalt.
- Schwöre! - Ich schwöre!
- Wie sie mich anstarrt! - Lass gut sein.
- Sie lacht mich aus. - Unsinn!
Diese Augen!
Welche Augen auf der Welt
gleichen deinen glühend schwarzen Augen?
In ihnen ruht mein ganzes Wesen.
Augen, in der Liebe sanft, im Zorn wild.
Welche anderen Augen auf der Welt gleichen deinen schwarzen Augen?
Oh, wie gut verstehst du die Kunst, Liebe zu enNecken!
Aber... mal ihr schwarze Augen!
So eifersüchtig!
Ja, ich weiß, ich quäle dich unablässig.
So eifersüchtig!
Ich bin sicher, du verzeihst, wenn du meinen Schmerz siehst!
Tosca‚ Liebste, alles an dir gefällt mir.
Der wilde Zorn und die Qualen der Liebe!
Sag das noch einmal, es tröstet mich.
Sag das noch einmal!
Mein Alles, meine unruhige Geliebte, immer werde ich sagen: »Floria‚ ich liebe dich!«
Ach, beruhige dich, immer werde ich dir sagen: »Ich liebe dich!«
Gott! Welch eine Sünde! Du hast mich ganz zerzaust.
Nun geh, lass mich!
Du bleibst bis zum Abend brav bei deiner Arbeit und versprichst mir,
ob durch Zufall oder Schicksal, ob blond oder braun gelockt,
dass keine Frau mehr zum Gebet erscheint?
Ich schwöre es, Geliebte! Geh!
- Wie du mich drängst! - Schon wieder?
Nein, verzeih!
Vor der Madonna?
Sie ist so gütig!
Aber mal ihr schwarze Augen!
Meine Tosca ist lieb,
aber sie sagt dem Beichtvater alles, deshalb habe ich geschwiegen.
Es ist besser so.
- Sind wir allein? - Ja. Was habt Ihr vor?
Je nach Lage der Dinge aus dem Staat fliehen
oder mich in Rom verborgen halten. Meine Schwester...
Die Attavanti?
Ja. Sie hat Frauenkleider dort unter dem Altar versteckt:
Kleid, Schleier, Fächer.
Sobald es dunkel wird, ziehe ich die Sachen an.
Nun verstehe ich.
Das vorsichtige Gebaren und das inbrünstige Beten dieser schönen jungen Frau
hatten mich eine geheime Liebschaft vermuten lassen.
Nun verstehe ich! Es war die Liebe einer Schwester!
Alles hat sie gewagt, mich dem verdammten Scarpia zu entreißen!
Scarpia?
Ein Wüstling, der hinter frömmelndem Gebaren seine Lüsternheit verbirgt
und seine Geilheit mit Hilfe des Beichtvaters und des Henkers stillt.
Koste es auch mein Leben, ich rette Euch!
Aber bis zur Nacht zu zögern, ist unvorsichtig.
Ich fürchte das Tageslicht!
Die Kapelle stößt an einen offenen Garten.
Dahinter beginnt ein Weg, der durchs Schilf und über die Felder zu meiner Villa führt.
- Ich kenne sie. - Hier, der Schlüssel.
Noch vor dem Abend bin ich bei Euch, nehmt die Frauenkleider mit.
Soll ich sie anziehen?
Das ist jetzt nicht nötig, der Pfad ist einsam.
Lebt wohl!
Wenn Gefahr droht, lauft zum Brunnen im Garten.
Auf dem Grund ist Wasser, aber auf halber Höhe
führt eine kleine Öffnung in eine dunkle Höhle,
ein unauffindbares und sicheres Versteck.
Die Kanone der Engelsburg!
Meine Flucht wurde entdeckt! Nun lässt Scarpia seine Geheimpolizei los!
- Lebt wohl! - Ich komme mit Euch. Wir müssen aufpassen!
Wenn sie uns angreifen, kämpfen wir!
Größter Jubel, Euer Gnaden!
Nicht mehr da! Jammerschade!
Wer einen Ketzer peinigt, sich von einer Sünde reinigt.
Hierher die ganze Kantorei! Schnell!
- Wohin? - In die Sakristei.
- Aber was ist passiert? - Wisst ihr nicht?
Bonaparte, der Schurke Bonaparte...
Nun? Was ist mit ihm?
Aufgerieben, geschlagen und zum Teufel gejagt!
- Wer sagt das? - Ein Traum! Ein Märchen!
Es ist die reine Wahrheit! Eben traf die Nachricht ein.
Feiern wir den Sieg!
Heute Abend gibt es einen Fackelzug, eine Festgesellschaft im Palazzo Farnese
und eine eigens neu komponierte Kantate mit Floria Tosca!
Und in den Kirchen Lobpreisungen des Herrn!
Nun geht euch anziehen, kein Geschrei mehr.
In die Sakristei mit euch!
Doppelter Lohn! Te Deum... Gloria! Lang lebe der König!
Feiern wir den Sieg!
Solch ein Aufruhr in der Kirche!
Schöner Respekt!
Euer Gnaden, der große Jubel...
Macht euch bereit für das Te Deum.
- Du bleibst hier! - Ich mache keinen Schritt!
Und du, geh, durchsuche jeden Winkel.
- Verfolge jede Spur. - Jawohl.
Beobachtet die Türen, aber ohne Aufsehen.
Nun zu dir.
Wäge deine Worte.
Ein Staatsgefangener entfloh soeben aus der Engelsburg.
- Er ist hierher geflüchtet. - Barmherziger Himmel!
Vielleicht ist er noch hier. Wo ist die Kapelle der Attavanti?
Dort!
Sie steht offen! Bei allen Heiligen!
Und ein zweiter Schlüssel!
Ein gutes Zeichen.
Gehen wir hinein.
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