The first 200 lines.
Ja?
Pierre, ich hab aus Frankreich 'n dringenden Anruf für Sie.
Nach dem Konzert.
Es geht um Ihre Mutter.
Ja?
Erkennst du mich nicht?
Fond-de-l'Étang.
"Mein Vater wird mich am Samstag abholen."
Pépinot!
Du lieber Himmel, natürlich.
Pépinot. Wie lange ist das her? - Oh!
Bloß so 50 Jahre, würd ich sagen.
Fond-de-l'Étang.
Das bist du. Hier, in der ersten Reihe. - Und das bist du.
Und der Pedell. Wie hieß er noch gleich? - Clément Mathieu.
Clément Mathieu.
Würd gern wissen, was aus dem geworden ist.
Guck mal rein.
Fond-de-l'Étang, im Jahre 1949.
Das ist das Tagebuch, das Mathieu damals in Fond-de-l'Étang geführt hat.
Er hat alles aufgeschrieben. Auch über uns.
Er wollte, dass du es bekommst.
Ich hätte es dir gern unter weniger traurigen Umständen gegeben. Na ja.
15. Januar 1949.
Nach mehreren Jahren des Scheiterns auf allen Gebieten,
war ich auf das Schlimmste gefasst.
Es war ein Erziehungsheim für Kinder aus problematischen Verhältnissen.
So hieß es zumindest in der Zeitungsanzeige. "Fond-de-l'Étang".
"Am Grunde des Teichs". Der Name schien für mich ausgesucht worden zu sein.
Guten Tag.
So ganz allein?
Was tust du hier? - Ich warte auf'n Samstag.
Warum?
Da kommt mein Papa mich abholen. - Gut, aber Samstag ist heute nicht.
Pépinot! Pépinot!
Mein Name ist Clément Mathieu! Der neue Aufseher!
Ist das Ihre erste Stelle als Pedell? - Na ja, ich unterrichtete schon...
an 'ner Privatschule. - In welchem Fach?
Musik. - Dann werden Sie Rachin mögen.
Den Direktor. Er spielte mal Trompete. Guten Tag, Pépinot.
Das sind übrigens seine Töchter. Er wohnt nämlich da.
Haben Sie M. Rachin noch nicht gesehen? - Nein. Die Stelle bekam ich...
von Mme. Boissemand.
Der gute alte Maxence. Wie er mir sogleich erklärte,
war er sowohl Hausmeister als auch Krankenpfleger, Vorratsverwalter
und Glaser.
Was macht der Junge hier? - Zwei Wochen Dienst fürs Gemeinwohl.
So straft M. Rachin die Kinder hier. Erspart die Putzfrau.
Was sind das überhaupt für Jungs? - Hat Ihnen das niemand gesagt?
Nein.
Meine Krankenstation hier. Und nachher zeig ich Ihnen meinen Gemüsegarten.
Ja, gern.
Was haben die da wieder angestellt? - Warten Sie, ich helfe Ihnen.
Clément Mathieu? - Das ist M. Rachin.
Rachin, Direktor dieser Einrichtung. - Ah, Herr Direktor, tut mir Leid,
man gab mir den falschen Bus-Fahrplan.
Pünktlichkeit ist hier ein Grundprinzip. - Ja, sehr wohl.
Herr Direktor. - Sehr wohl, Herr Direktor.
Gut. Folgen Sie mir. Zunächst mache ich Sie mit unserer Hausordnung bekannt.
Um 4 Uhr übernehmen Sie die Übungsstunde im Anschluss an meinen Unterricht.
Was haben Sie denn? Antworten Sie mir! - Nehmen Sie das. - Mein Auge!
Wieder ein Anschlag! Das entzückende Naturell unserer Bewohner!
Bringen Sie ihn da rein. - Ich seh nichts mehr.
Wird schon nicht so schlimm sein. Zeigen Sie mal. Ja, doch, immerhin.
Sie läuten die Glocke zum Appell. - Holen wir nicht lieber 'n Arzt?
Wissen Sie, was ich dafür zahlen muss? Also los, die Glocke zum Appell!
Aber... wo ist denn die Glocke? - Die erschlägt Sie! An der Pforte!
Ach, kommen Sie!
Alles zum Appell!
Alles zum Appell!
Gibt's öfter solche Überraschungen hier? - Sie sollen läuten, weiterläuten!
In zwei Reihen!
Alle in den Hof! Los, zum Appell!
Beeilt euch!
Na los! Schneller! Und Ruhe!
Eierkopf! Ruhe!
Granatenschädel! - Ruhe!
Ruhe! - Ich sag doch gar nichts.
Du sollst still sein!
Ich ließ euch antreten, weil unser guter alter Maxence grad das Opfer
eines gemeinen Anschlags geworden ist. In Anwendung unseres Prinzips:
"Aktion, Reaktion" wird der Täter streng bestraft. Also, sollte der Schuldige...
sich in 3 Sekunden nicht gemeldet haben, geht jeder von euch in den Karzer,
und zwar für 6 Stunden! Der Reihe nach.
Bis der Schuldige sich meldet oder gemeldet wird. verstanden?
1... 2... 3.
Keiner? Tja, so wie immer.
Kommen Sie zu mir. Ich meine Sie, Mathieu!
Mich? - Kommen Sie.
M. Chabert, das Namensverzeichnis. Danke.
M. Mathieu, euer neuer Aufseher, hat das Glück, euch noch nicht zu kennen...
Eierkopf! - Ruhe!
Und wird unvoreingenommen jemanden nennen, der mit dem Karzer beginnt.
Ruhe!
Nennen Sie einen Namen. - Einfach so?
Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf... - Nein, lassen Sie ihn! Einen Namen.
Boniface?
Bedauerlich. Nun, Chabert: Boniface.
Aber Monsieur, ich hab nichts gemacht! - Halt den Mund!
So 'ne Schweinerei, ich war's nicht! - Rede, wie es sich gehört! Na los!
Ich gehe nicht mit, ich gehe nicht mit! - Dann gibt's 'n Tritt! - Ruhe!
Bis wir den Schuldigen kennen, wird außerdem jeder Familienbesuch...
und jede freie Stunde gestrichen. Es lohnt sich, zu melden, wer's war!
Das fördert die Denunziation.
Sie haben als Anfänger noch Illusionen. Wir kommen in einer Woche drauf zurück.
M. Regent weist Sie in Ihren Dienst ein. Sie übernehmen seine Stelle.
Frische Bettwäsche. - Vielen Dank.
Weshalb gehen Sie eigentlich weg von hier?
Sehen Sie die Narbe hier? Stammt von 'ner Schere.
Nur weil ich Mouton die Zigaretten abgenommen hab. - Mouton?
Na ja, einer der Jungs, der heißt Mouton.
Ist er noch da, dieser Mouton?
Zu Ihrer Information: Le Querrec war das mit der Tür von Maxence.
Er hat's in der Halle grad erzählt. - Warum melden Sie's nicht?
Ich will den Bus nicht verpassen. Der alte Maxence bestrafte ihn,
weil er 'ne Fensterscheibe zerbrochen hatte. Und das war die Rache dafür.
Typisch Le Querrec. Den Namen müssen Sie sich merken: Le Querrec.
Und Morhange, oh ja, Morhange.
Macht kaum den Mund auf, aber Vorsicht! Hat 'n Engelsgesicht,
aber den Teufel im Leib. Aktion, Reaktion!
Das Einzige, was sie verstehen.
Jetzt überlasse ich sie Ihnen.
Dann viel Glück! - Danke.
Unsere Wohltäterinnen. Und hier der Stundenplan.
Der Direktor unterrichtete Französisch und Geschichte.
Und die restlichen Fächer unterrichtete ein gewisser M. Langlois.
M. Langlois! Das ist unser neuer Pedell. - Clément Mathieu.
In Ihrem Alter noch Aufseher? - Ja, aber ich hab schon unterrichtet.
Nun, das ist perfekt.
Das ist noch der Lustigste hier. Es wird Zeit, Sie müssen in die Klasse.
Ich glaub, da finden Sie selber hin.
Achtung, der Granatenkopf!
Passt auf! - Passt auf, er kommt!
Meine Herren...
Im Unterricht wird nicht geraucht.
Das gilt für jedermann, selbst für Sie, Monsieur.
Geben Sie her! Geben Sie her! Halt! Ruhe, sofort! Still!
Wo ist meine Tasche? Halt! Geben Sie her! Ruhe!
Geben Sie sie her!
Das fängt ja gut an. Mein Kompliment, Mathieu. Setzen!
Sie schon wieder. Natürlich. Natürlich. Wer sonst?
Was hat er gemacht?
Er hat nichts gemacht, Herr Direktor. - Was heißt "nichts"? Sie wollten ihn
doch gerade reglementieren. - Nein, ich wollte ihm nur vorne...
an der Tafel ein paar Fragen stellen. Ich bat nur um Ruhe, als Sie kamen.
Was offensichtlich bitter nötig war. Ich will nicht noch mal kommen müssen.
Stell dich in die Ecke.
Meine Herren, etwas besser kennen wir uns nun,
und damit komme ich gleich zum ersten Punkt:
In diesem Moment sitzt einer von euch im Karzer unten. Unschuldig.
Man sieht's mir vielleicht nicht an, aber ich lasse mir nichts vormachen.
Der Schuldige ist mir bekannt. Ich geb ihm 15 Sekunden, um sich zu melden.
Ich warte.
Euch bleiben noch 5 kleine Sekunden.
Das war's, Messieurs.
Le Querrec! Wer ist das, Le Querrec?
Ich, Monsieur.
Sieh mal an. Sie haben M. Maxence also verletzt.
Nein, Monsieur, ich war's nicht. - Ich frage nicht, ich stelle fest.
Aber ich hab gar nichts getan. - Ihr Wort gegen meins.
Wir lassen den Direktor entscheiden. Während meiner Abwesenheit wird hier
einer aufpassen, dem ich vertrauen kann. Meine unfehlbare innere Stimme sagt mir,
da kommt nur einer infrage: M. Morhange.
Hallo, hallo, hallo! Wer ist M. Morhange?
Ich, Monsieur.
Dann werden Sie das Engelsgesicht sein. Gehen Sie vor zur Tafel.
Sie übernehmen die Aufsicht, solange ich weg bin. Nun gehen Sie.
Kompliment, sehr elegant! Aber das Hemd noch weiter raus. Absolut korrekt.
Querköpfe sollen großen Einfluss haben auf ihre Kameraden. Beweisen Sie's.
Und Sie, ab zum Direktor!
Haben Sie Mitleid, Monsieur! - Hatten Sie Mitleid mit dem Jungen,
der im Karzer sitzt? Und mit Maxence? - Ich wollte ihn nur etwas ärgern.
Ich werde Sie lehren, sich zu beschweren! Ab in den Karzer!
Sie reißen hier nicht mehr aus! Ich werd Ihnen eine Lehre erteilen im Büro,
die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen! - Nein! Bitte nicht, Monsieur!
Wer ist das? - Leclerc. Er versuchte, abzuhauen.
Das 3. Mal schon. Er muss in den Karzer. - Dann hast du 'n Freund dabei.
Nein! Auf die Knie!
Na gut.
Wir können das vielleicht anders lösen. Maxence wurde ganz böse verletzt!
Ich bring dich nicht zum Herrn Direktor, aber 'ne Strafe kriegst du von mir.
Du machst in den Pausen nicht mehr den Clown,
sondern gehst in die Krankenstation und bist der Pfleger von Père Maxence.
Du sorgst für ihn solange, bis er wieder gesund ist. Einverstanden?
Gar nicht mal schlecht. Hm?
Ich glaub, ich kann's noch besser, geben Sie her. Zeigen Sie Ihr Profil.
Profil.
So. Vielleicht noch ein kleines Lächeln zur Abwechslung.
So, Sie können sich umdrehen. Ah, nein, was vergessen!
Noch ein bisschen Farbe rein.
Besser so, hm? Gehen Sie auf Ihren Platz.
Um Sie alle besser kennen zu lernen, schreiben Sie mir bitte einiges auf,
und zwar Ihren Namen, Ihr Alter und was Sie gerne für einen Beruf haben wollen.
Zu meiner großen Überraschung kamen alle Schüler dieser Bitte nach.
Alle, außer einem.
Du schreibst ja gar nicht.
Seit wann bist du schon hier?
Schon ziemlich lange? - Habe ich vergessen.
Na, Kleiner, dir wird schon was einfallen.
Der erste Tag und ich bin vollkommen erschöpft. Ich weiß nicht mehr,
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