The first 200 lines.
Bundesrepublik
Jugoslawien, 1999.
Der Konflikt
zwischen den serbischen
Regierungstruppen und
albanischen Separatisten im Kosovo
hält schon über ein Jahr an.
Seit mehreren Wochen
bombardiert die NATO
das ganze Land.
Misa Stankovic? – Das bin ich.
Bist du neu?
Ja, das ist mein erstes Mal.
Nimm das. – Was ist das?
Falls du es mal brauchst.
Du musst ein paar Regeln befolgen:
Bist du mal unterwegs zum Ziel,
gibt's kein Anhalten mehr.
Meide Verkehr und verhalte dich
unauffällig.
Und das Geld?
Nach getaner Arbeit.
Sie haben gesagt,
dass wir diesmal mehr kriegen.
Stefanovic, du fährst zum zweiten Mal,
nicht? – Zum dritten.
Frag, wenn du dort ankommst, du weisst,
dass ich diese Information nicht habe.
Und noch etwas,
Punkt 21 Uhr müsst ihr am Ziel ankommen.
Ist das klar?
Hallo, ich bin’s. Wie geht es dir?
Was haben sie bombardiert?
Also alles unter Kontrolle?
Wann hast du die Untersuchung?
Um 16 Uhr ist es vorbei?
Ok.
Ja, es geht gut,
ich bin hier unten und fahre bald los.
Nein.
Ich habe nicht gefragt.
Ich darf nicht, ich hab’s dir doch gesagt.
Ich rufe dich später an.
Tschüss, tschüss.
DIE LAST
Kennt jemand den Weg nach Belgrad?
Belgrad? – Ja.
Dem Ufer entlang, dann rechts
und dann alles geradeaus.
Hier lang und dann rechts?
Dort ist die Strasse gesperrt.
Man muss zuerst nach links...
dann übers Gebirge.
Danke.
Rauchst du? – Was?
Rauchst du?
Ich habe keine mehr. – Ich schon.
Deswegen frag ich.
Gib mir zehn.
Gehen auch zwölf? – Nein, zehn.
Wie viel macht das? – 10 Dinar.
Danke.
Ich kenne den Weg nach Belgrad.
Wenn du mich mitnimmst, zeig ich ihn dir.
Ein andermal.
Was ist?
Wo ist er?
Es tut mir leid.
Ich hab’s vermasselt.
Darf ich mich ein wenig aufwärmen?
Komm, steig ein.
Leg deinen Sack dorthin. – Ist schon ok.
Es bringt nichts.
Die NATO stört den Funk
mit ihren Satelliten.
Viele Leute haben angefangen zu rauchen.
Solange das Wasser
der Sutjeska fliesst...
1943 – 1958
Fester, es ist ziemlich alt.
Fester.
Woher ist es?
Von meinem Vater.
Möchtest du hören? – Was ist das?
Meine Band.
Ihr seid gut. – Danke.
Wie heisst deine Band?
Wir haben keinen Namen mehr...
Wir haben uns getrennt.
Der Gitarrist ist nach
Novi Sad gezogen.
So läuft das eben.
Und jetzt?
Links oder rechts?
Ich bin mir nicht ganz sicher...
Steig aus.
Wohin soll ich? – Raus!
Du bist nicht von hier?
Ich bin aus Pancevo.
Und du?
Ich komme von hier.
Eigentlich nicht wirklich von hier,
ich bin in Belgrad geboren.
Aber wir sind hierher gezogen,
als ich mit der Primarschule fertig war.
Mein Vater wurde versetzt.
Wo arbeitet dein Vater?
Jetzt nirgends mehr, er ist in Rente.
Er war in
der Jugoslawischen Volksarmee
wir zogen häufig um.
Alte Schule also?
Ja, sehr alte Schule sogar...
Auch meiner war so.
Es war halt eine andere Zeit.
Warte hier auf mich, bin gleich zurück.
Gut.
Sag.
Kennt jemand den Weg nach Belgrad?
Hast du dich etwa verirrt?
Nein, aber die Brücke ist gesperrt.
Seit wann?
Keine Ahnung, es brannte was.
Dann musst du über den alten Weg
nach Belgrad.
Ich zeige ihn dir...
Wir sind hier, und da ist der alte Weg.
Du gehst immer geradeaus, geradeaus...
...bis zu einem grossen Baum.
Dort gehst du links, geradeaus,
und nach ein paar Kilometern
kommst du auf die alte Strasse.
Also rechts, dann geradeaus
bis zu einem Baum, dann links
und nach ein paar Kilometern bin ich dort?
So ist es. Frag sonst die Leute,
sie zeigen es dir.
Hast du ein Telefon hier?
Nein, mein Freund, sie haben das Telefon
letzte Woche ausgeschaltet.
Willst du etwas trinken? – Ein andermal.
Auf dem Weg befindet sich ein Motel.
Deren Telefon sollte funktionieren.
Danke. – Auf Wiedersehen.
Falls nötig, tue es erneut.
Popina – 1941
Gib.
Was steht da?
Solange das Wasser der Sutjeska fliesst...
1943 – 1958
Was bedeutet das?
Keine Ahnung.
Entschuldige.
Ich musste mal.
Was hast du vor
in Belgrad?
Eigentlich gehe ich
nach Deutschland, München.
Wie alt bist du?
Ich werde 19 im Dezember.
19 Jahre, ja?
In deinem Alter war ich schon verheiratet.
Das war eine andere Zeit.
Und du? – Was ich?
Freundin? Familie?
Habe ich nicht.
Nur meinen Vater.
Und meine Mutter,
aber sie lebt nicht mit uns.
Was sagt dein Vater zu deiner Reise?
Er ist bestimmt besorgt. Ich wäre es.
Mein Sohn ist 16 Jahre alt...
aber einen Kopf grösser als du und ich.
Pause.
Bestell mir einen Kaffee und Wasser,
und nimm, was du magst. – Ok.
Hallo.
Bist du gegangen?
Was sagen sie?
Sehr gut. Super.
Also alles in Ordnung?
Auf halbem Weg.
Und jetzt, was machst du?
Ich auch. Mit einem Kollegen.
Gut, ich komme gegen zehn.
Zehn Uhr abends, klar,
mach dir keine Sorgen.
Ich hör dich nicht, sprich lauter.
Ich werde bis zehn da sein, tschüss!
Wie ein verwundeter Vogel
Wie eine Morgendämmerung ohne Sonne
Wie ein verwundeter Vogel
Warum bist du nicht hier,
mein Liebster
Meine Träume sind alle traurig,
wo bist du, meine Liebe?
Ich bleibe zurück wie eine geknickte Rose
Wie eine Morgendämmerung ohne Sonne
Wie ein verwundeter Vogel
Wie eine Morgendämmerung ohne Sonne
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