The first 200 lines.
Es war die Musik, die sie zusammenhielt,
anfangs.
Lieder von einer überlegenen "weißen Macht".
Und fast immer waren sie dabei:
Uwe Mundlos.
Beate Zschäpe.
Und ihre rechten Kameraden aus ganz Deutschland.
Eine verschworene Gemeinschaft, geeint in ihrer Gesinnung.
Neonazis, Ausländerfeinde,
hasserfüllte Rassisten.
"Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!"
Es brannte in Deutschland,
Anfang der Neunziger Jahre.
Flüchtlinge waren in Lagern
und Plattenbausiedlungen untergebracht worden.
Regelmäßig wurden sie angegriffen.
Manche gaben sich
mit niedergebrannten Häusern nicht zufrieden.
Wir werden euch erstmal demonstrieren,
wie wir anhand von irgendwelchen Hilfsmitteln,
irgendwelche Objekte,
die von irgendwelchen Linksextremen besetzt werden
oder von Asylanten, sprich Asylantenheime,
wie wir die stören tun.
Der Vermummte von damals ist heute
wegen eines Überfalls inhaftiert.
Einst hatte er die Thüringer Neonazi-Szene angeführt.
Man ist ja auch mit der Gewalt zu DDR-Zeiten aufgewachsen,
vormilitärische Ausbildung, Armee, Klassenkampf etc.
Die Faust hoch.
Man ist schon damit aufgewachsen.
Anarchie war da auf jeden Fall.
Komplette Anarchie.
Straßenschlachten.
Dann haben wir hier Polizisten angegriffen,
Straßensperren aufgebaut.
Häuser besetzt.
Es war die komplette Anarchie.
Freiheit.
Komplette Freiheit.
Das erste Mal war ich in Untersuchungshaft in Gera.
Das war '90 zu '91.
Dann war ich wieder in Untersuchungshaft,
das war '93 in Hohenleuben.
Da lernte ich auch
den Herrn Uwe Böhnhardt kennen.
Jener Böhnhardt war ins Gefängnis gekommen,
weil er ein Kind zusammengeschlagen hatte.
Die Zelle ging auf und er kam rein.
Damals war es noch erlaubt,
dass man die Stiefel tragen konnte
in der Haft.
Bomberjacke etc.
So hat man gleich erkannt,
dass man ein und derselben Meinung ist.
Ich hatte den Eindruck,
dass er eigentlich reif war.
Für das Alter.
Zwar vielleicht politisch noch nicht so gefestigt.
Er war z. B. nicht so bewandert
in der deutschen Geschichte.
Er war halt, noch nicht reif genug für das Thema.
Hatte noch bisschen Flausen im Kopf.
Die ganze Kleinkriminalität,
Autos klauen und so was.
Aber als Mensch an sich
war er spitze.
Uwe Böhnhardt kehrte
nach seinem Gefängnisaufenthalt
nach Jena-Lobeda zurück.
Hier wuchs er auf.
Bald lernte er aus einem anderen Stadtteil
Beate Zschäpe und Uwe Mundlos kennen.
Mundlos war schon zu DDR-Zeiten
als Neonazi aufgefallen.
Mit dem Zusammenbruch der alten Autorität
versuchten Neo-Nazis
die Kontrolle über Jena zu gewinnen.
Das war die Phase, in der ich das erste Mal
die rechte Szene in Jena
bewusst wahrgenommen habe, weil ich 1993 das erste Mal
so richtig zusammengeschlagen wurde.
Nach einem Fußballspiel
vom FC Carl Zeiss Jena.
Auf dem Heimweg von drei Nazis,
einer Frau - beste Freundin von Beate Zschäpe -
und zwei Männern.
Mit Festhalten, Tritt in die Magengrube,
Tritt mit Stiefeln mit Stahlkappen dran, ins Gesicht. Das war eine Kampfzeit in einem gewissen Sinne.
Es war Normalität in Jena,
dass wöchentlich Menschen überfallen wurden,
die man der alternativen Szene zurechnete.
Und jede Woche gab es die Berichte:
Wer wurde überfallen, wer wurde zusammengeschlagen,
wem ist was passiert, wer liegt im Krankenhaus?
Jede Woche!
Das Stadtzentrum, wo wir uns noch halbwegs
normal bewegen konnten, das wurde
dienstags ab 22:00 Uhr, 22.30 Uhr auch gefährlich,
weil Nazis in Autos mit Baseballschlägern
auf den Straßen warteten und geschaut haben:
Kommen da Leute aus der Jungen Gemeinde?
Dann fährt man denen halt langsam hinterher
bis zu einer dunkleren Straße
und dann schnappt man sie.
Wir kannten die Autokennzeichen auswendig.
Zum Teil wie so ein Herbeten.
Hast Du mitbekommen,
dass Wohlleben ein neues Auto hat?
Und letztens mit dem Auto von
Mundlos unterwegs war?
Weißt Du, was er für ein Auto fährt?
Wir wollten halt die Linken
handlungsunfähig machen.
Komplett zurückdrängen, zerschlagen, auflösen.
Mit roher Gewalt.
Straßenschlachten, Saalschlachten.
Ausspähen der Gegner,
Abfangen, Stürmen von irgendwelchen Konzerten.
Das komplette Programm.
Bis aufs Blut.
Dass es da keine Toten groß gegeben hat,
das tut mich eh noch wundern.
Es sind doch Leute zu Tode gekommen.
Es sind doch
Menschen ermordet worden von Nazis.
In Magdeburg, in Zerbst.
Bei den ganzen Übergriffen
auf die Asylunterkünfte damals.
Wir reden doch nicht von einer Fiktion, sondern von Realität.
[Menge ruft: "Asylanten - Asylanten!"]
Die brauchten wir nicht suchen,
die waren ja eigentlich überall zu finden.
Die hat's irgendwo erwischt
auf der Straße oder so.
Die Flüchtlinge, die Ausländer, die Immigranten.
Da brauchte man nicht extra zum Heim.
Ende 1992 zündeten junge Neonazis in Mölln
zwei Wohnhäuser an.
Drei Menschen, darunter zwei Mädchen
verbrannten bei dem Anschlag.
Wenige Monate später, im Mai 1993,
starben fünf Menschen,
als Nazis ein Wohnhaus in Solingen ansteckten.
Wieder waren Kinder unter den Opfern.
Im Bundesamt für Verfassungsschutz,
das rechten Terror abwehren soll,
war man alarmiert.
Die Lage schien außer Kontrolle zu geraten.
Man sah das große Problem,
wir haben zu wenig an Informationen
aus dem gewaltbereiten Rechtsextremismus.
Und um an diese Informationen zu kommen,
brauchte man Menschen,
die diese Informationen zur Verfügung stellen.
Rechter Terror war nichts Neues in Deutschland.
1980 explodierte eine Bombe
auf dem Oktoberfest.
13 Menschen starben.
Trainiert hatte der Attentäter
bei der Wehrsportgruppe Hoffmann.
Die war unterwandert von diversen Informanten.
In den 1970er Jahren hatte sogar
ein V-Mann bei rechten Bombenanschlägen
auf US-Ziele in Deutschland geholfen.
Trotzdem setzte man beim Verfassungsschutz
weiter auf V-Leute.
V-Personen, Vertrauenspersonen sind für uns
ausgesprochen wichtig.
Denn wie will man ansonsten an den harten Kern
einer extremistischen oder gar terroristischen
Gruppierung kommen,
wenn man nicht Menschen in der Nähe hat,
die einem Informationen zuliefern
über Tatverabredungen, über Personen, die sich treffen.
Und so beschloss man,
die Szene erneut zu unterwandern.
Seinerzeit ist man konzertiert vorgegangen.
Und in der Tat ist es gelungen,
eine Reihe von Personen anzusprechen, auch anzuwerben.
Doch Spitzel, V-Leute in der radikalen Szene
sind brandgefährlich.
Sie gehören dazu, machen mit.
Und verraten gleichzeitig ihre Kameraden.
Und niemand weiß, wem sie wirklich dienen.
Manche V-Männer des Bundesamtes,
wie Ralf Marschner aus Zwickau,
waren an Angriffen auf Flüchtlingsheime beteiligt.
Marschner hatte eine Gruppe Skinheads angeführt,
die das Heim angesteckt hatten.
Trotzdem wurde er bezahler Informant des Verfassungsschutzes.
Die menschliche Quelle ist in vielfacher Hinsicht
eine riskante Informationsquelle.
Deswegen ist ein gutes Risikomanagement notwendig.
Man muss sehen, wir wollen
terroristische Strukturen aufklären.
Und um die Informationen
zu bekommen, ist es manchmal auch notwendig,
dass man bestimmte Risiken bei der Quellenführung eingeht.
Was aber wichtig ist, ist dass man Personen heranführt.
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