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Das Jahr
Givre, Ostfrankreich
Schloss Vague de Folie
Raoul!
Die Jagd ist vorbei. Wir gehen nach Hause.
Was hast du dir da angeschaut?
Pilze, Vater.
Nicht mit dem Gewehr erwischt?
Damit treffe ich sowieso nicht. Mir blieb keine andere Wahl.
Warum hast du es dann überhaupt mitgenommen?
Es ist ein großzügiges Geschenk des Bürgermeisters.
Da sollte ich es doch wenigstens einmal ausprobieren.
Außerdem macht es sich gut, wenn wir solche Werkzeuge einsetzen.
Zur Annäherung an die Menschheit.
Ich hab nicht den Eindruck, dass die das auch so sehen.
Neulich hat uns doch ein Jäger angegriffen.
Seit Graf Dracula erwischt wurde, ist man nicht gut auf uns zu sprechen.
Umso wichtiger ist ein gutes Image.
Wir müssen uns nun alle gut mit der Menschheit vertragen.
Ob wir es wollen oder nicht.
Ich schließe das Gewehr weg.
Würdest du bitte kein Silber mehr im Speicher einlagern?
Silber?
Die Waffe, die du dem Jäger abgenommen hast.
Wieso behältst du sie zu Hause, obwohl sie so gefährlich ist?
Dient das auch nur deinem Image?
Nein.
In unserem Besitz ist sie weniger gefährlich als in den Händen eines anderen Jägers.
Ich hab sie doch auch weggeschlossen, damit Charlotte nicht auf dumme …
Was?
Was ist los?
Unser Blut!
Raoul, bleib hinter mir. Geh nicht weg!
Wieso?!
Mach, was ich dir sage! Weich nicht von meiner Seite!
Claude!
Claude! Hannah!
Was ist los, Vater?
Claude, bist du unversehrt?
Ist etwas passiert?
Monsieur!
Was ist passiert?
Alfred, jemand scheint in das Schloss eingedrungen zu sein.
Ist dir etwas aufgefallen?
Nein, ich habe nichts mitbekommen.
Ich war die ganze Zeit im Büro.
Wo ist Charlotte?
Sie ist mit Giselle in der Waschküche.
Man hört sie schon die ganze Zeit.
Vater?
Vater!
Bleibt hier.
Hannah?
Vampir
Folge 2
Ist der Mörder von M. Godards Ehefrau ein Vampirjäger?
Erster Mordfall, in den Menschenfreunde verwickelt sind
Ich sag’s euch doch. Das ist eine Warnung.
Nach dem Motto: „Zieht euch zurück, oder ihr seid die Nächsten.“
Damit sind wohl die Menschenfreunde gemeint.
Ja. Es gibt wohl auch radikale Jäger, die es für ungeheuerlich halten,
Bestien Menschenrechte zu geben.
Gerüchten zufolge war’s ein Agent von Royce.
Na, wer auch immer das war – ich will mit der Sache nichts am Hut haben.
Verzeihung!
Sire Godard hat seine Menschenrechte,
weil er eidesstattlich versichert hat, kein Menschenblut zu trinken!
Wie könnten wir jemals Vampiren trauen?!
Da ist er!
Sire Godard! Ich bin von der Est-Zeitung.
Eine Stellungnahme zu diesem Vorfall?
Sire Godard! Bitte drehen Sie sich um!
Lassen Sie mich durch.
Ich habe einen Termin mit dem Richter. Lassen Sie mich durch!
Bitte …
Weg!
Sire Godard!
Wie alt bist du denn?
Korrespondentin der Epoc-Zeitung, Annie Kerber. 14 Jahre alt.
Der Polizeibekanntmachung zufolge steht die Untersuchung noch aus.
Sie steht noch aus?
Was für ein Unfug. Die ist so gut wie eingestellt!
Wir haben seit über zehn Jahren kein Menschenblut mehr getrunken.
Und sonntagnachts geht die Familie zur Kirche!
Ist das etwa ein angemessenes Verhalten uns gegenüber?
Sehen Sie es als Diskriminierung von mythischen Geschöpfen wie Vampiren?
Genau das ist es.
Schreib im Artikel, dass M. Godard empört über die Haltung der Polizei ist.
Äußerst empört!
Und wie soll nun die Wahrheit aufgedeckt werden?
Wir beauftragen Detektive.
Ein Zweigespann aus Japan, das wohl auf Bestien spezialisiert ist.
Auf Bestien spezialisiert?
Sind es etwa Aya Rindō und Tsugaru Shin’uchi?
Ja, so heißen sie wohl.
Er kommt. Der mit dem Vogelkäfig!
Fuhrmann, Fuhrmann!
Was ist denn, Monsieur?
Holpert’s nicht ein bisschen zu sehr?
Wir sind hier auch auf dem Lande.
Aber bei dem Geholper tut mir der Hintern weh und der Oberkörper auch.
Und mein Meister ist kurz davor, sich zu übergeben!
Es reicht schon, dass aus ihrem Mund sonst nur Klagen und Tadel kommen!
Wir sind gleich da!
Außerdem haben Sie doch verlangt, dass wir schneller fahren!
Dann fahr möglichst sanft schnell.
Wie soll denn das gehen?!
Es reicht, Tsugaru.
Oh, Meister? Schon erholt?
Nicht erholt, aber wenn wir gleich da sind, reiße ich mich zusammen.
Und wenn man mal darüber nachdenkt,
könnte ich mich nicht übergeben, selbst wenn ich wollte.
Tja, Touché …
In Norwegen haben sie eine Nixe vom Mordverdacht befreit.
In Belgien haben sie den Golem-Vorfall geklärt.
Sie scheinen zumindest sehr fähige Detektive zu sein.
Und wie fähig?
Weiß ich nicht. Der Richter hat auch aufgegeben.
Können wir denen trauen?
Wenigstens mehr als der Polizei.
Hat jedenfalls Stil.
Monsieur!
Würden Sie die Gebühr zahlen?
Gebühr? Wofür?
Na für die Fahrt mit der Kutsche.
Einfache Fahrt, drei Franc.
Ganz schön teuer.
War ja auch eine lange Fahrt.
Nach der Schaukeltour kommt’s mir doch etwas überteuert vor.
Monsieur, sagen Sie …
Wir laufen dir schon nicht weg.
Ich hatte nur im Sinn, die Kutsche selbst zurückzubringen.
Eine Mietkutsche selbst zurückgeben? D-Das geht doch nicht!
Oh? Und warum nicht?
Na!
Weil ich Sie damit schon hergebracht habe!
Verstehe.
Dann beförderst du uns eben wieder zum Ausgangsort zurück.
Damit wäre das dann erledigt.
Hä? A-Aber …
Na los, komm!
Es reicht langsam, Tsugaru.
Herr Fuhrmann, denken Sie mal ganz ruhig nach.
Dann würden Sie ja auch die Gebühr für die Rückfahrt verlieren.
Hä? Monsieur?
Lass es, Tsugaru. Belästige den Fuhrmann nicht noch mehr.
Er scheint kein leichtes Los in dieser Welt zu haben.
Seine Frau hat ihm seit etwa einer Woche Kneipenbesuche untersagt.
W-Woher wissen Sie von Natalie?!
Das ist nichts Ungewöhnliches. Ihre Kleidung verrät es mir sofort.
Herr Fuhrmann,
fordern Sie schnell Ihr Geld ein, bevor er wieder den Mund aufmacht.
A-Ah, jawohl!
Also, Monsieur, drei Franc …
Geht’s auch einen Franc günstiger?
Monsieur …
Na meinetwegen, Monsieur. Ich nehme zwei Franc.
Aber bitte schnell.
Dummerweise habe ich gerade nichts zur Hand.
Lassen Sie sich doch von Sire Godard bezahlen.
S-Sire Godard!
G-Geben Sie mir bitte zwei Franc!
W-Wer sind denn Sie?
Unser Fuhrmann, Monsieur Durand.
Ich heiße Marc!
Marc heißt er offenbar.
Der fährt uns auch zurück. Darf er sich hier ausruhen?
Er ist wohl mit den Nerven am Ende.
Alfred, führ ihn ins Gästezimmer und bezahl die Fahrt.
Wie Sie wünschen.
Danke!
Danke sehr!
Danke!
Und Sie sind …?
Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.
Ich bin den weiten Weg aus Japan gekommen. Shin’uchi Tsugaru, der mit dem Vogelkäfig.
Der Name bedeutet „Hauptdarsteller“, aber ich bin eher die Eröffnungsnummer.
Ein verschlagener Kerl.
Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.
Jean Duchet Godard.
Das sind mein erster Sohn Claude und mein zweiter Sohn Raoul.
Wie ich hörte, kennen Sie sich mit Bestien aus.
Ja, aber ich bin eher nur der Lehrling.
Die eigentliche Detektivarbeit erledigt mein Meister.
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