A Rainy Day in New York

A Rainy Day in New York

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Published on: 2020-05-20
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The first 200 lines.

Das ist Yardley.

Eine sehr gute humanistische Universität, heißt es.

Jedenfalls nobel genug für meine Mutter, mit dem schönen ländlichen Campus,

was totaler Quatsch ist,

weil man sich Zecken einfängt, wenn man über den Rasen läuft.

Yardley ist strukturierter als die erste Uni, auf der ich war.

Ich hab's nur kurz ausgehalten in der pseudointellektuellen Elite-Uni,

von der sich meine Mutter

eine "angemessene Ausbildung" für mich erhoffte.

Sie sagt, ich schöpfe mein geistiges Potential nicht aus.

Dabei hab ich letztes Wochenende 20 Riesen beim Poker gewonnen.

Doch dazu später mehr.

Ashleigh kenne ich von der Uni-Zeitung.

Ashleigh Enright ist meine Freundin.

Mein Dad kennt eine der Banken ihres Vaters in Arizona.

Bei der Herkunft will meine Mutter natürlich, dass wir heiraten.

Da bin ich ausnahmsweise ihrer Meinung.

Wir sind zwar erst ein paar Monate zusammen,

aber ich bin total verknallt in Ashleigh.

Ich darf Roland Pollard interviewen. -Oh Mann, das ist ja super!

Wie hast du das geschafft? -Er bringt im Herbst einen Film raus.

Priscilla McCain hat voll Mononukleose, deshalb darf ich das jetzt machen.

Die Krankheit ist echt Pflichtfach hier.

Das ist super. Wann findet es statt?

Am 28. dieses Monats, an einem Samstag. -Okay. Hier auf dem Campus?

In Manhattan. -In Manhattan? Ist das dein Ernst?

Fantastisch! Da wollten wir doch immer mal für ein Wochenende hin.

Okay. Ich buch uns ein Zimmer im Carlyle, davon hab ich dir erzählt,

da gibt's diesen Barpianisten, der singt alte Broadway-Songs.

Ich führ dich zum Lunch und Dinner aus. Wie klingt das? Ich zeig dir die Stadt?

Ja. -Ja?

Das kostet doch ein Vermögen. -Ich hab Kohle.

Ich hab letzten Sonntag 20 Riesen gewonnen.

Wieder beim Würfeln? -Nein, Stud Poker.

Ich sitze da mit drei Zehnen und ein Typ mit zwei Paar erhöht immer weiter.

Woher hast du das Geld dafür? -Mein Pferd hat am Wochenende gewonnen.

Ich sag's dir, ich muss nach Vegas. Ich bin der geborene Spieler.

Oh Mann. Ich wollte immer, dass du mir Manhattan zeigst.

Das wird total super.

Vielleicht kann uns Dads Kartenhändler Tickets für Hamilton besorgen.

Aber meine Eltern sollen nicht wissen, dass ich da bin.

Warum nicht?

Meine Mutter macht ihre Herbst-Gala, und sie tobt, weil ich nicht komme.

Ich hab 'ne Hausarbeit vorgeschoben. Ich will da nicht hin, es ist tödlich.

Man schlürft Drinks mit hundert Langweilern,

die noch nie beim Wohnungskauf abgelehnt wurden.

Ich glaub's nicht. Ein Interview mit dem Regisseur von Wintererinnerungen .

Haben wir den nicht bei unserem ersten Date gesehen?

Ich bin so aufgeregt.

Du musst mir helfen, ich muss mir tiefsinnige Fragen ausdenken.

Ich will nicht doof wirken. -Wirst du nicht.

Das Carlyle geht nicht. Das ist um die Ecke von meinen Eltern.

Aber du sollst den Park sehen... Wir gehen ins Pierre!

Das ist mit Parkaussicht und weit genug von ihnen weg.

Wir gehen einfach nach dem Dinner in die Bar im Carlyle.

Das ist das alte New York, das ich liebe.

Die Wandmalereien sind von Ludwig Bemelmans.

Ich war bisher nur zweimal in Manhattan, weißt du?

Einmal mit zwei und einmal mit zwölf.

Ich erinnere mich nur an die Schnäppchen. Meine Eltern waren erstaunt,

dass man eine Birkin-Tasche und eine Rolex auf der Straße kriegt.

Für nur 200 Dollar!

Fallen dir noch mehr Fragen ein, die ich ihm stellen könnte?

Wer hat ihn beim Thema Liebe beeinflusst: Denis de Rougemont oder Ortega y Gasset?

Woher weißt du so was immer?

Ich lese, nur eben nicht das Zeug für die Uni.

Interessiert es mich wirklich, ob Beowulf oder Grendel gewinnt? Nein.

Vielleicht, wenn ich darauf gewettet hätte...

Ich weiß nicht, warum ich so nervös bin.

Kein Uni-Reporter hat je den Pulitzer-Preis gewonnen, oder?

Das wird toll. Setz dich nicht so unter Druck.

Ich will die Weegee-Fotos im MoMA sehen und hab im Daniel reserviert.

Das ist ein feiner Laden, da machen wir uns schick.

Und ich hab uns eine Suite gegönnt.

Pokergewinne sind ja kein richtiges Geld.

Oh, Gatsby, das ist wunderschön. -Es sollte ja was Besonderes sein.

Oh, und die Blumen.

Die sind nicht von mir. Keine Ahnung. -Champagner.

Und die Aussicht.

Hoch genug, damit du den Central Park sehen kannst.

Central Park...

Aufregend. -Danke, Sir. Sehr nett von Ihnen.

Danke. -Könnten wir 'ne Kutschfahrt machen?

Ja. -Wenn's nicht regnet.

Im Regen ist es schön düster, sehr romantisch.

Ich find's schöner.

Wie spät ist es? -Wir müssen los. Das Hotel ist downtown.

Ist das weit? -Es ist in Soho.

Soho wird dir gefallen. Das war mal das Künstlerviertel.

Dann wurde es teuer und alle sind nach Tribeca gezogen.

Als das teuer wurde, sind alle nach Brooklyn.

Als Nächstes ziehen sie wieder zu ihren Eltern.

Ich hab nur eine Stunde mit ihm. -Gut. Wir haben einen Tisch um 13:30 Uhr.

Was machst du so lange? -Keine Ahnung.

Durch Soho schlendern, meinen Bruder besuchen.

Es ist so schön, wieder hier zu sein.

Ich geh nur deinetwegen nach Yardley zurück.

Was würdest du denn hier machen? -Ganz gepflegt mein Leben ruinieren.

Guten Tag, ich habe einen Termin mit Mister Roland Pollard.

Das ist Ashleigh Enright von der Yardley. Ashleigh, das ist Roland.

Das Screening ist direkt im Anschluss. -Bitte.

Zuerst möchte ich Ihnen sagen, was für eine Ehre das für mich ist.

Sie sind mit Abstand der interessanteste amerikanische Regisseur.

Danke.

Für mich als Kulturredakteurin stehen Sie auf einer Stufe mit Renoir und De Sica.

Ich bin überrascht, dass jemand in Ihrem Alter Renoir und De Sica kennt.

Film ist voll mein Ding.

Ich kenne alle amerikanischen Klassiker, vor allem die europäischen.

Kurosawa mag ich am liebsten.

Der ist ja eigentlich kein Europäer. Strenggenommen ist er ja Japaner.

Aber Ihre Filme berühren meine Seele.

Von welcher Uni sind Sie? -Yardley. Eine kleine Uni.

Ich kenne die. Meine erste Frau war da.

Echt? -Ja.

Eine brillante Frau. Langes, blondes Haar und ein postmoderner Überbiss.

Sehr sexy, sie hat Philosophie studiert.

Ich hatte sie nicht verdient. Und wir haben uns ja auch getrennt.

Na ja...

Das ist...

... wahrlich weder hüben noch drüben, denke ich.

Vielleicht ist es auch eher...

... mehr drüben als hüben.

Sind Sie aus New York?

Tucson, Arizona.

Was macht Ihre Familie? -Die Frage hab ich befürchtet.

Mein Vater besitzt Banken. -Ist das schlimm?

Na ja. Ich weiß, was Sie denken.

Sie wissen schon, Republikaner. Das eine Prozent.

Aber das sind wir nicht.

Wir sind nur...

... total normale episkopale Christen, die zufällig reich sind.

So war meine Ashley auch. -Wer ist Ihre Ashleigh?

Meine erste Frau.

Die mit dem langen, blonden Haar und dem postmodernen Überbiss.

Sie hieß Ashleigh?

"A-s-h-l-e-y".

Also, ich schreibe mich "A-s-h-l-e-i-g-h".

Sie nutzen die Forbes-500-Schreibung.

Möchten Sie sich gleich für Ihre erste große Story einen dicken Fisch angeln?

Aal?

Eine Insider-Information. Einen Knüller.

Ach, einen Knüller!

Ich erzähle das lieber Ihnen als einem aalglatten Klatschreporter.

Oh mein Gott.

Wenn Sie so weitermachen, krieg ich noch meinen berühmten Schluckauf.

Wenn ich nervös bin, stottere ich. -Ist das der Knüller?

Nein, das nicht.

Am schlimmsten ist es, wenn ich sexuell konfus bin.

Dann hört der Schluckauf gar nicht mehr auf.

Der Knüller ist...

Ich bin nicht glücklich mit dem Film.

Nein?

Ich denke daran aufzuhören.

Das ist der Knüller.

Also...

Wenn ich ganz offen sein darf, Mister Pollard...

Sie sprechen nicht die Massen an.

Sie sind zu originell.

Sie haben noch nie einen einzigen kommerziellen Kompromiss gemacht.

Sie sind ein kreativer Freigeist.

Wie...

... van Gogh oder Rothko oder Virginia Woolf.

Die haben natürlich alle Selbstmord begangen.

Lieb gesagt, Ashleigh.

Lesen Sie mal, was ich über Sie geschrieben habe:

"Ihr Meisterwerk kommt noch."

Das stand zwar nur in der Yardley Argus , aber wir haben eine ganz gute Reichweite.

Sie denken, mein Meisterwerk kommt noch? -Ja.

Und das, ohne Ihren Film gesehen zu haben.

Würden Sie ihn gern sehen?

Liebend gern.

Aber ich weiß, Sie sind eher verschlossen, was ich total respektiere.

Was haben Sie jetzt vor? -Jetzt?

Ich zeig Ted Davidoff den Film, er hat das Drehbuch geschrieben.

Ich weiß, wer er ist.

Er schreibt alle Ihre Filme, ein Genie.

Es geht um ein paar Last-Minute-Änderungen.

Um mein Gesicht zu wahren.

Wie lange geht der Film?

Ich kann meine Lunch-Pläne sicher verschieben.

Es gibt nur New York City. Sonst gar nichts.

Dieses Level an Angst, Feindseligkeit und Paranoia findet man nirgendwo sonst.

Es ist wirklich berauschend.

Jedenfalls hab ich mir eine Zigarettenspitze gegönnt.

Damit seh ich adrett aus, und es verzögert

den sicheren Ausbruch von Krebs oder einem Lungenemphysem.

Ich rauche zu viel.

Und dann treff ich zufällig einen der fiesesten Typen aus der Highschool.

Welles?

Hey! -Troller.

Du hast das erste Semester nicht gepackt?

Nein, ich hab auf die Yardley gewechselt,

weil mir die erste Uni zu unstrukturiert war.

Es heißt, du hast's nicht gepackt. -Nein.

Wo ist denn Yardley? In Afghanistan? -Upstate.

Übrigens, Finletter ist wegen ungedeckter Schecks in Princeton rausgeflogen.

Echt? -Ja, aber ist kein Ding.

Sein Vater wird den Goldjungen wie immer raushauen.

Auch als Massenmörder wär ihm ein Job sicher.

Komischer Vergleich. -Und Millstein heiratet Carol Durand.

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