The first 200 lines.
Zuerst die Konturen.
Die Silhouette.
Nehmen Sie sich Zeit.
Betrachten Sie mich genau.
Achten Sie darauf, wie ich meine Arme halte.
Meine Hände.
Wer hat das Bild dahin gestellt?
Es war im Lager. Durfte ich das nicht?
Nein.
Haben Sie das gemalt?
Ja.
Vor langer Zeit.
Wie ist sein Titel?
Porträt einer jungen Frau in Flammen.
Wo muss ich hin?
Nach oben, dann in Richtung der Bäume.
Ich bin Marianne.
Das war ein Empfangssalon. Ich habe ihn bisher nur leer gekannt.
- Sind Sie schon lange hier? - Drei Jahre.
Gefällt es Ihnen hier?
Ja.
Werden Sie erst mal wieder trocken.
Entschuldigung, ich habe mich selbst bedient. Ich hatte Hunger.
- Hätten Sie ein Glas Wein für mich? - Ja.
Darf ich Sie etwas fragen?
Wie ist die junge Herrin so?
Ich kenne sie kaum.
Aber Sie sind seit drei Jahren hier.
Sie ist erst seit ein paar Wochen hier.
Wo war sie vorher?
Bei den Benediktinerinnen.
Hat sie den Orden verlassen?
Man hat sie aus dem Kloster geholt.
Ihre Schwester ist gestorben.
War sie es, die hätte heiraten sollen?
Eine Krankheit?
Nein.
Sie glauben, Sie schaffen das?
Schaffen? Was?
Sie zu malen.
Warum fragen Sie?
Es war schon jemand vor Ihnen hier.
Er hat es nicht geschafft.
Was ist passiert?
Ich weiß es nicht.
Um ehrlich zu sein, es ist das einzige Kleid.
Ihre Kleider sind noch nicht hier, sie trägt immer noch ihre Ordenstracht.
- Sie ist blond, oder? - Ja.
Das passt sehr gut.
Erkennen Sie es wieder?
Mein Vater hat es gemalt.
Eines seiner ersten Bilder.
Es war in Mailand, vor meiner Hochzeit.
Der Zukünftige meiner Tochter ist von dort. Wir gehen dorthin, wenn ihm das Bild gefällt.
Sie werden dorthin gehen.
Etwas sollten Sie wissen...
Sie hat schon einen Maler vergrault.
Ganz einfach: Sie hat sich geweigert, Modell zu sitzen.
- Er hat nie ihr Gesicht gesehen. - Warum will sie nicht gemalt werden?
Sie lehnt diese Heirat ab.
Sie müssen sie malen, ohne dass sie es merkt.
Sie denkt, Sie sind hier, um mit ihr spazieren zu gehen.
Sie freut sich.
Seit sie hier ist, durfte sie das Haus nicht verlassen.
Warum nicht?
Weil ich bei ihrer Schwester zu nachgiebig war.
Sie glaubt, ich bin hier, um auf sie aufzupassen?
Und Sie beobachten sie.
Können Sie sich vorstellen, sie so zu malen?
Besser als ihre Gesellschafterin zu sein.
Das Porträt ist vor mir hier angekommen.
Als ich diesen Raum das erste Mal betrat,
fand ich mich vor meinem eigenen Porträt wieder.
Es wartete auf mich.
- Sie möchte mit Ihnen spazieren gehen. - Kommen Sie rein.
Was ist mit Ihrer jungen Herrin passiert?
Wie ist sie gestorben?
Wir gingen an den Klippen spazieren. Sie ging hinter mir, plötzlich war sie weg.
Ich habe ihren zerschellten Körper unten liegen sehen.
- Haben Sie gesehen, wie sie gestürzt ist? - Nein. Ich glaube, sie ist gesprungen.
Warum glauben Sie das?
Weil sie nicht geschrien hat.
Davon habe ich jahrelang geträumt.
Zu sterben?
Zu laufen.
Das Ohr muss dargestellt, die Ohrmuschel exakt wiedergegeben werden,
selbst wenn später Haare darüberliegen.
Die Konturen müssen einen warmen, transparenten Ton haben,
das Loch in der Mitte hat immer einen kräftigeren Ton.
Die Haut muss selbst im Licht weniger leuchten als die der Wange.
Diese sticht mehr heraus.
Haben Sie ein Buch dabei?
Ja.
Würden Sie es mir leihen?
Ich hole es.
Danke.
Es ist seltsam, dass Sie hier schlafen.
Fräulein...
Fräulein!
Sie wartet.
- Ist sie unten? - Ja.
Ich muss Ihnen den umbinden. Es ist windig.
Ich würde gern baden.
- Vielleicht bei ruhigerer See. - Ja.
- Wie lange bleiben Sie? - Noch sechs Tage.
Wissen Sie, wie man schwimmt?
Ich weiß es nicht.
Es ist zu gefährlich, wenn Sie nicht schwimmen können.
Ich meinte: Ich weiß nicht, ob ich schwimmen kann.
Wie war Ihr Tag?
Schwierig.
Sie geht immer vor mir her
und am Strand spaziert sie allein umher.
Haben Sie schon angefangen, sie zu malen?
Noch nicht.
Ich habe sie noch nicht mal lächeln sehen.
Haben Sie versucht, witzig zu sein?
Ist sie noch nicht fertig?
Meine Schwester hat sie bestickt.
Glauben Sie, sie wollte sterben?
Sie sind die Erste, die sich traut, diese Frage zu stellen.
Abgesehen von Ihnen?
Nicht laut. Aberja.
In ihrem letzten Brief entschuldigt sie sich. Einfach so.
Wofür könnte sie sich entschuldigen?
Dass ich nun ihr Schicksal tragen muss.
Sie klingen, als wäre es ein schreckliches Schicksal.
Was wissen Sie von meiner zukünftigen Heirat?
Ich weiß, dass Sie einen Mailänder heiraten, mehr nicht.
Mehr weiß ich auch nicht.
Sie verstehen also, warum es mir Angst macht.
Wenn Sie es so sagen, ja.
Ich sage, wie es ist.
Wären Sie lieber im Kloster geblieben?
Das Leben dort hat seine Vorteile. Es gibt eine Bibliothek.
Sie können singen oder Musik hören.
Und allen gleich zu sein ist ein schönes Gefühl.
Ich fand das Kloster äußerst ungerecht. Nach der Erstkommunion habe ich es verlassen.
Ich wurde dauernd bestraft, weil ich in meine Hefte zeichnete.
Sie zeichnen?
Ja. Ein wenig.
Und Sie? Wann heiraten Sie?
Ich weiß nicht, ob ich heirate.
- Müssen Sie nicht? - Nein.
Ich werde das Geschäft meines Vaters übernehmen.
Sie haben die Wahl, deshalb verstehen Sie mich nicht.
Ich verstehe Sie.
Wie verlaufen Ihre Tage?
Wir kommen spät zurück und mir bleibt kaum Licht zum Arbeiten.
Morgen Nachmittag bleibt sie hier. Dann kommen Sie etwas voran.
Vielleicht könnten Sie ihr erlauben, allein rauszugehen.
Keine Angst. Sie ist nicht traurig, sie ist wütend.
Meinen Sie, ich spüre ihre Wut nicht?
- Ich spüre sie sehr wohl. - Ja, ich auch.
- Wo haben Sie Italienisch gelernt? - In Mailand.
Sie kennen Mailand!
Ich kann es kaum erwarten, zurückzukehren. Ich war seit 20 Jahren nicht dort.
Sagen Sie ihr, wie schön Mailand ist. Und dass das Leben dort heiterer wird.
Sie redet nicht viel mit mir.
Sie soll niemanden von hier heiraten.
Ich versuche,
sie woanders hinzubringen.
Wo sie sich weniger langweilt.
Und Sie auch.
Sicher. Warum nicht?
Ich reise zur selben Zeit wie Sie ab.
Wenn Sie nicht direkt nach Paris müssen...
Eine Freundin von mir würde sich gern porträtieren lassen.
Danke.
Es wird nicht leicht.
Meine Freundin ist ziemlich hässlich.
Wirklich hässlich.
Sie haben mich zum Lachen gebracht.
Ich habe ewig nicht gelacht.
Ich habe nichts gemacht.
Sie sind da.
Es braucht immer zwei, um zu lachen.
Marianne?
Haben Sie Tabak?
Ja.
Ihre Mutter hat erlaubt, dass Sie morgen allein rausgehen.
Sie werden frei sein.
Bedeutet frei sein allein sein?
Glauben Sie nicht?
Ich werde es Ihnen morgen sagen.
Ich werde in die Messe gehen.
Um die Kommunion zu empfangen?
Ich möchte Musik hören.
- Orgelmusik ist schön, aber trostlos. - Ich kenne nichts anderes.
Sie haben noch nie ein Orchester spielen hören?
Nein.
Und Sie?
Beschreiben Sie es mir.
Es ist nicht leicht, Musik zu beschreiben.
Was ist das?
Ein Stück, das ich liebe.
Ist es fröhlich?
Nicht fröhlich, aber lebendig.
Ein Gewitter, das aufzieht.
Die Insekten spüren es.
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