The first 190 lines.
Wie geht es ihr?
Nicht so gut.
Fast 'ne Woche liegt sie im Bett.
Ist für sie die Zeit gekommen, wird sie sterben.
Der Herr holt, wen er will. - Das tut er.
Das trag ich nach oben. - Nein, ich mach das.
Ich sagte, ich trage es. - Sehr wohl, Sir.
Wie geht es deinem Kopf? - Er fühlt sich an...
wie ein Donnergrollen.
Ich hab Ruhe im ganzen Haus angeordnet.
Hier...
Bitte versuch zu essen.
Braves Kind.
Nun, Dr. Brewster kommt heute
am frühen Nachmittag. - Ich denke nicht, dass das nötig ist.
Du siehst aber ganz blass und krank aus.
Ich will kein Risiko eingehen.
Schlaf etwas.
Verdammt.
EINE KURZE, ABER BEDENKLICHE KRANKHEIT
Mrs. Boltwoods Cousin starb kürzlich am Gelbfieber.
Es geht gerade um. -Emily hat aber kein Gelbfieber, sie hat Kopfweh.
Steigere dich da nicht rein, bis der Arzt sie untersucht hat.
Oh, gut. Er ist da.
Wer ist da? Der Doktor kommt erst nachmittags.
Ist nicht der Doktor, sondern der Porträt-Maler Thomas Elliot Moody.
Ich sitze Modell.
Ein Maler? Du liebe Güte. Schicken Sie ihn weg.
Mutter, nein. Weißt du, wie lange ich auf die Sitzung warten musste?
Er hat die anderen Mädchen schon alle gemalt. Jane Humphrey wurde gerade fertig.
Er macht aus jedem Mädchen ein Kunstwerk. Ich muss für ihn sitzen.
Er kann an einem anderen Tag wiederkommen, wenn es Emily besser geht.
Es gibt keinen anderen Tag. Er reist nächste Woche nach Europa.
Deine selbstsüchtige Eitelkeit erstaunt mich, Lavinia.
Ähm...
Danke.
Deine Schwester ist krank.
Das bedeutet, es gibt hier noch mehr Arbeit und du musst sie pflegen.
Das ist nicht fair. Es geht immer nur um Emily.
Ich soll also sterben, ohne dass je ein schönes Porträt von mir gemalt wurde?
Das wäre so, als hätte ich nie existiert.
Soll ich ihn reinbitten?
Sein Klopfen ist recht heftig.
Diese Entscheidung kannst nur du allein treffen.
Okay. Gut.
Ich mach's.
So ein Mist!
Soll ich helfen?
Wer sind Sie? - Mein Name ist Ben.
Wo kommen Sie her? - Worcester.
Das war nicht Ihre Frage. Sorry, ich wollte Sie nicht erschrecken.
Ich bin Benjamin Newton, der neue Referendar Ihres Vaters.
Und ich helfe ihm bis zur Wahl aus. Und falls er gewinnt,
führe ich sein Büro hier weiter.
Sie müssen eine seiner Töchter sein. Lavinia?
Emily.
Ihr Vater sagte, Sie wären krank.
Oh... richtig.
Mhm.
Ich wollte nur ein Buch holen.
Von dort oben? - Ja.
Ist mein Regal.
Ich hätte gedacht, Ihr Regal wäre etwas weiter unten.
Oder in Ihrem Zimmer.
Mein Vater kauft mir Bücher, aber bereut es kurz darauf.
Er fürchtet, sie würden mich verwirren.
Etwas widersprüchlich.
Ich helfe Ihnen.
Es ist dieses da. Das Grüne.
Emerson.
Cool.
"Des langen, sonnigen Nachmittags
war die Ebene voller Geist.
Ich wanderte auf, ich wanderte ab... - ... von Heerscharen umkreist."
Klagelied. Ich liebe es. - Ist gruselig, nicht?
Die meisten mögen Liebesgedichte. - Ich mag Klagelieder.
Die andere Form von Liebesgedicht.
Ja.
Und? Lesen Sie viel Poesie?
So viel ich kann.
Aber vieles, was man Poesie nennt, ist nicht wirklich Poesie.
Wie meinen Sie das?
Sehen Sie...
Wenn ich ein Buch lese
und mein ganzer Körper wird dabei so kalt,
dass mich kein Feuer wärmen kann...
dann weiß ich, es ist Poesie. Wenn es so ist,
als würde mein Gehirn explodieren,
weiß ich, es ist Poesie. Nur so wird es mir klar.
Kann man es anders wissen?
Nun, ähm...
Hier, bitte.
Danke.
Ist Ihre Frau auch in Amherst oder reisen Sie zu ihr nach Worcester?
Oh...
Ähm... Mal so, mal so.
Ich sollte wieder ins Bett.
Ich bin nicht krank.
Okay. - Ich täusche es vor.
Wieso müssen Sie es vortäuschen?
Damit ich schreiben kann.
Ich bin Schriftstellerin.
Genauer gesagt...
ich bin Poetin.
Hab's vermutet.
Vielleicht darf ich mal eins Ihrer Gedichte lesen.
Würden Sie das denn?
Nur wenn mein Gehirn explodiert.
Bitte sagen Sie meinem Dad nichts. Okay? Dass ich nicht krank bin.
Ehrenwort.
Shit, das ist der Doktor.
Können Sie raufgehen, ohne dass... - Ich bin unsichtbar.
Sehe ich hübsch aus? - Bitte!
Bewegen Sie sich nicht.
Sorgen Sie dafür, dass ich füllig wirke?
Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht.
Üppig wirkt. - Wie meinen Sie das?
Mollig.
Ich möchte mollig wirken. Ist in Mode. Niemand möchte dünn aussehen.
Ich male... die Wahrheit.
Die Wahrheit?
Und wie ist Ihr Stuhl?
Gut. Danke. Wie ist Ihrer?
Und die Sehkraft?
Sehen Sie Punkte? Haben Sie Halluzinationen?
Nicht mehr als gewöhnlich.
Halluzinieren Sie öfter?
Äh, nein. Nur manchmal sehe ich...
Sehen was?
...den Tod.
"Es war nicht der Tod, ich stand ja auf.
Nur die Toten liegen danieder."
Das ist gut. Das muss ich aufschreiben. - Nein, legen Sie sich hin, mein Kind.
Ruhen Sie sich aus.
Es ist immer sehr schwer, es mitzuteilen.
Ihre Tochter wird sterben.
Nein!
Gott, nein. - Ihre Symptome sind nicht eindeutig.
Aber bei mehr als 100 gemeldeten Fällen von Gelbfieber im Umkreis von Amherst,
ist meine Diagnose recht sicher.
Ich wusste es. Mrs. Boltwoods Cousin.
Sag' stets die Wahrheit ganz,
doch sag' sie schräg.
FALLS SIE NOCH EIN KLAGELIED BRAUCHEN, GEBEN SIE BESCHEID. BEN
Verdammt, können Sie ihr nichts geben? Eine Medizin, eine Salbe, irgendwas?
Was ist mit Blutegeln? Ich hörte, die halfen in vielen Fällen.
Nein, die halfen nicht.
Großer Gott...
Es tut mir furchtbar leid, Mr. Dickinson.
Meine Ergebnisse weisen darauf hin, dass auch ihr Gehirn bereits befallen ist.
Keiner von uns kann noch etwas tun.
Können wir's nicht versuchen?
Die Blutegel?
Oh...
Emily.
Tut das gut, mein Liebling?
Ja. Danke, Mutter.
Oh, mein armes Kind.
Das ist allein meine Schuld. - Nein.
Ist es nicht. -Doch. Das stammt von meiner Seite der Familie.
Ich fürchte, du kommst nach den Norcross.
Schwächlich, und ziemlich anfällig.
Ich werd wieder gesund.
Meine Tochter...
Ich muss dir etwas über ein ewig gehegtes Geheimnis gestehen.
Lieber... nicht. - Als Student in Yale erlebte ich...
eine berauschende Nacht. Eine Party mit jeder Menge Kirschrum.
Einer der ehrbarsten Professoren entblößte sich und rannte über das Grün.
Ich habe dich als Mutter enttäuscht, Emily.
Im Ernst. Quäl dich deswegen nicht.
Ehrlich gesagt, wollte ich niemals Kinder. - Mom.
Echt nicht? - Nein.
Ich gebe zu, ich hab mitgemacht.
Zusätzlich zu dem Rum...
gab es Austern.
Ich habe mich bis spät am Abend damit vollgestopft.
So viele Austern. Ich war betrunken,
und dann gewannen die bösen Muscheln die Kontrolle über mich.
Da war ein Mädchen. - Dad, ist schon okay.
Ihr Name war Lucinda.
Eine Magd.
Viel älter als ich.
Und obgleich ich deiner Mutter versprochen war, wurde ich schwach.
Aber dann wurde ich die Frau deines Vaters
und eines führte zum anderen.
Und dann wurdet ihr drei geboren.
Und jetzt...
liegst du hier in diesem furchtbaren Zustand, und...
Und... - Dir wird klar, das war es wert?
Nein. Mir wird klar, ich hatte recht.
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