Berlin Alexanderplatz

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Season 1

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Berlin Alexanderplatz
A Commentary by dzemann
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Published on: 2015-07-09
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The first 200 lines.

Biberkopf, Franz. Die Papiere zur Entlassung.

Danke.

Alles Gute, viel Spass!

He!

Ja? - Ist was?

Wieso? - Hast Angst!

Must keine Angst haben.

Den meisten geht's jetzt nicht gut.

Da fällt einer mehr oder weniger gar nicht auf.

Hast es besser jetzt wenn Du rauskommst wie andere früher.

Waren doch bloss vier Jahre, oder?

Was ist das schon, vier Jahre.

Vier Jahre ist garnichts!

Mein Gott, da haben andere Leute ganz andere Zeiten abgesessen!

Siehste, so einfach ist das. Man geht einfach über die Schwelle.

Ist doch ganz einfach, oder?

So, und jetzt probierste es mal selber

Das wichtigste ist, Du darfst Dich nicht umdrehen, wenn Du weggehst.

Ist nur ein Aberglaube und meistens nützt es auch nichts,

aber machen muss man's trotzdem so.

Aber wenn es doch nichts nützt?

Wer weiss schon, wann was nützt, und wem. Das weiss keiner.

Ist ein Gesetz. Wenn einer hier rausgeht, dreht er sich nicht um,

dass er nicht wiederkommen muss.

Dass die meisten dann doch wieder kommen, das muss ein Geheimnis sein.

Das versteht unsereins sowieso nicht.

Alle diese Menschen -

und dann die Stadt -

und die Welt und ich.

Jetzt mach keine Schwierigkeiten, Junge. Wirst Dich schon wieder zurechtfinden.

Na endlich!

Und vergiss nicht, Du darfst Dich nicht umdrehen!

Vollidiot!

Was ist Dir, ist Dir nicht gut?

Sie haben Gabeln.

Damit stecken sie sich Fleischstücke in den Mund.

Dann ziehen sie die Gabeln wieder raus -

bluten nicht!

So sagt doch. Ist Euch nicht gut?

Habt Ihr Schmerzen?

Kognac!

Ein Kognac. Ein Kognac.

Bei entsprechendem Glockenzeichen ist sofort mit der Arbeit zu beginnen.

Sie darf nur unterbrochen werden während der zum Essen,

Spaziergang und Unterricht bestimmten Zeit.

Beim Spaziergang haben die Gefangenen die Arme ausgestreckt zu halten

und vor- und rückwärts zu bewegen.

Bleibt doch stehen! Ist Euch nicht gut?

Was soll geschehen?

Wird doch nicht so schlimm sein!

Man wird schon nicht verkommen!

Berlin ist gross!

Wo Tausend leben,

wird noch einer leben.

"Es braust ein Ruf wie Donnerhall,

"wie Schwertgeklirr und Wogenprall

"zum Rhein, zum deutschen, deutschen Rhein

"wir alle wollen Hüter sein

"Lieb' Vaterland, magst ruhig sein "Lieb' Vaterland, magst ruhig sein!

"fest steht und treu die Wacht

"die Wacht am Rhein!

"Fest steht und treu die Wacht

"die Wacht am Rhein!

Die Gefangenen werden in Einzelhaft, Zellenhaft

und Gemeinschaftshaft untergebracht.

bei Einzelhaft wird der Gefangene Tag und Nacht unausgesetzt

von anderen Gefangenen gesondert gehalten

bei Zellenhaft wird der Gefangene in einer Zelle untergebracht

jedoch bei Bewegung im Freien, beim Unterricht Gottesdienst

mit anderen zusammengebracht

Kommt mit mir in die Wohnung,

ich will Euch eine Geschichte erzählen.

Was ist?

In den Boden rein,

in die Erde rein

wo es finster ist -

Um Gottes Willen, Ihr seid bei fremden Leut'!

Bin auch bloss Gast!

Steht auf!

Seid bloss still, um Gottes Willen!

Wenn der Alte hört -

Wir werden schon fertig werden miteinander.

Mich kriegt hier keiner weg!

Nee - mich kriegt hier keiner weg!

Ihr werdet nicht sprechen, was mit Euch ist.

Werd' ich Euch erzählen.

Warum er aber stöhnt und ächzt?

Es heisst, sich entschliessen.

Es muss ein Weg gegangen werden,

und Du weisst keinen, Franz.

Den alten möchtest Du nicht,

und in der Zelle hast Du auch nur gestöhnt und Dich versteckt,

und nicht gedacht. Nicht gedacht, Franz!

Man soll nicht soviel machen von sich, eh?

Man soll auf andere hören!

Wer sagt Euch, dass soviel ist, mit Euch.

Gott lässt schon keinen fallen von seiner Hand.

Nun,

werd ich Euch erzählen die Geschichte

von Zannowich.

Stefan Zannowich.

Mein Vater selig hat uns viel erzählt

Wir waren sieben hungrige Mäuler,

und wenn es nichts zu essen gab, hat er uns Geschichten erzählt.

Man wird nicht satt davon, aber, man vergisst.

Winseln ist kostenlos.

Winseln kann eine kranke Maus auch.

Nun, wir wissen, dass auf der Welt nicht bloss Gold, Schönheit und Freuden gibt.

Wer also war Zannowich?

Hm? Wer war sein Vater, wer waren seine Eltern?

Bettler.

Wie die meisten von uns.

Krämer, Händler, Geschäftemacher.

Wär' beinah verhungert dabei.

Nun, hat er Karten genommen,

und gespielt mit den Leuten.

Es hat sie schweres Geld gekostet.

Ein Betrüger, ein Falschspieler

der alte Zannowich.

Aber, einen Kopf hat er gehabt.

Hat sich ein Gut gekauft, am Ende.

Ein ganzes Dorf!

Und seine Kinder hat er auf die Hohe Schule geschickt.

Und wie er alt war,

ist er ruhig und geachtet gestorben.

Das war das Leben von dem alten Zannowich.

Stöhnen kann ein krankes Kamel auch?

Wenn der Vater ein Pflänzchen ist, möcht' er der Sohn soll ein Baum sein

Wenn der Vater ein Stein ist, soll der Sohn ein Berg sein.

Der junge Zannowich, Stefan,

war ein grosser Redner,

schon als ein junger Mensch von zwanzig Jahren.

Er konnte sich drehen,

sich beliebt machen.

Konnte zärteln mit den Frauen,

vornehm tun mit den Männern.

Und da ist es dem jungen Zannowich gegangen wie ein Wunder

es sind überall die Menschen zugeflogen.

Er hat zu allen Herzen den Schlüssel gehabt.

Affe!

Bereuen sollst Du,

erkennen, was geschehen ist.

Erkennen, was not tut.

Nun, ich will Euch fragen,

wodurch ist der Zannowich weitergekommen?

Der junge wie der alte.

Ihr meint's, sie haben ein Gehirn gehabt, sind klug gewesen. Ha!

Sind noch andere klug gewesen,

und waren mit 80 Jahren nicht soweit wie Stefan mit 20!

Aber die Hauptsache am Menschen sind seine Augen,

... und seine Füsse.

Man muss die Welt sehen können,

und muss zu ihr hingehen.

So hört, was der Stefan Zannowich getan hat,

der die Menschen gesehen hat,

und der wusste,

wie wenig man sich vor Menschen fürchten muss.

Seht einmal, wie sie einem die Wege ebnen

wie sie dem Blinden fast den Weg zeigen.

Sie haben von ihm gewollt, "Du bist der Baron Warta"

"Schön", hat er gesagt, "bin ich der Baron Warta"

Später hat ihm das nicht genügt, oder ihnen nicht.

"Wenn schon Baron, warum nicht mehr?"

Sagen sie mal, Sie Männeken,

Sie sind wohl überfahren worden?

Sie sind wohl ein bissel

überkandidelt, eh?

Übergefahren - vielleicht?

Das eine mal bin ich ein Affe, das andere mal meschugge.

Na sagen Sie mal, was sitzen Sie denn hier eigentlich, und quatschen mir dauernd was vor?

Wer sitzt hier auf der Erde und will nicht aufstehen, ich?

Wo ein Sofa hinter mir steht!

Wenn's Euch stört,

hör' ich auf zu sprechen.

So sitzt er schon bequem.

Nun hör'n Sie mal sachte auf mit dem Quatsch!

Wie Ihr wollt.

Ich hab' die Geschichte schon oft erzählt

Mir liegt nichts dran, wenn Euch nichts dran liegt...

Nee, nee, nee, nee. Jetzt erzählen Sie mal die Geschichte weiter!

Ich wollt Euch doch bloss die Augen aufmachen.

Der Stefan Zannowich, von dem Ihr gehört habt, hat also Geld bekommen.

Soviel, dass er damit nach Deutschland reisen konnte,

und frei war.

Zu lernen ist von Zannowich Stefan,

dass er wusste von sich und den Menschen.

Da war er unschuldig wie ein zwitscherndes Vögelein

Seht,

er hat so wenig Angst vor der Welt gehabt.

So 'ne Kruke wie Sie ist mir lange nicht vorgekommen.

Vielleicht habt Ihr nicht hingesehen...

es gibt noch!

Womit handeln Sie denn eigentlich?

Sie leben wohl auf dem Mond, eh?

He he, das ist gut!

Jetzt werden wir sprechen vom Mond.

Wer ist Jener? Was tust Du mit Jenem, eh?

Was tust Du hier, Eliser?

Ich kenn' ihn nicht, er nennt seinen Namen nicht.

Hast wieder Geschichten erzählt!

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