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DIE WACHE
Chef...
Ich gehe essen.
Was?
Essen. Wollen Sie?
Ja, ich will, dass Sie essen.
Hauptkommissar Buron
Nein, Samstag geht nicht.
Ich besuche meine Eltern.
Sie sind doch taub.
Beide.
Stocktaub.
Mit einem Notizblock.
Ich schreibe auf, was ich sagen will.
Es ist die Hölle.
Also Samstag geht nicht.
Sonntag ist gut.
Mist, du …
Montag ist der große Tag... Ich weiß!
Dienstag ginge.
Wart mal kurz.
Ja?
Was gibt’s? Ich bin beschäftigt.
Nein, ich bin in einem Verhör.
Frag Champonin.
Tut mir leid, ich kann nicht. Du kriegst das hin.
Es geht nicht, tut mir leid.
Tut mir leid, Michel.
Meine Schuld.
Am Dienstag geh ich zum Zahnarzt.
Tut mir leid...
Den ganzen Tag.
Moment.
- Was? - Entschuldigung.
Ich habe Hunger. Mir ist schwindlig.
Wann sind wir fertig?
Kann ich danach zu Abend essen?
Und Mittwoch geht nicht?
Mittwoch.
Mist, kannst Du das absagen?
Donnerstag… lass mich gucken.
Donnerstag ist eng, aber ich guck nach.
Nein.
Also müssen wir... Ist nicht einfach.
Nicht gut?
Doch, aber …
Ich meinte was Herzhaftes, eine echte Mahlzeit oder so.
Was satt macht.
Donnerstag geht nicht. Wird zu eng.
Und nächste Woche ist alles voll. Nächste Woche wird schlimm.
Sonntag war optimal für mich.
Also vergiss es.
Sonntag konnte ich wirklich gut.
Das ist jetzt viel zu weit weg, also lassen wir es.
Schlagen Sie Freitag vor.
Sie haben Freitag vergessen.
Und Freitag?
Na also, perfekt!
Großartig, so machen wir es.
Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen!
Freitag um 15 Uhr, ok?
Mach’s gut. Grüß Nadine.
Sie haben zugehört.
Nein, aber ich bin ja hier. Ich konnte Sie hören.
Es geht mich ja nichts an.
Genau.
Also, wo waren wir stehengeblieben?
Kein Abendessen.
Genau. Es wird ein langer Abend.
Mich nervt das auch. Ich bin hier nicht zum Spaß.
Machen wir weiter.
Ich zitiere Sie...
"Ich sah die Leiche von Herrn Chevalier auf dem Asphalt liegen.
Ich habe in seinen Taschen nach seinem Ausweis gesucht,
die Polizei gerufen
und bin dann nach Hause gegangen."
So war es. Das ist alles.
Mich stört die Reihenfolge der Ereignisse.
Erst der Ausweis, dann die Polizei.
Das ist unlogisch und verwirrend. Erklären Sie das.
Unlogisch...
Ganz einfach.
Ich habe noch nie eine Leiche gesehen, also war ich planlos.
Ich hätte zuerst die Polizei rufen und
dann nach dem Ausweis suchen sollen...
Allerdings.
"Ich war...
wahrscheinlich...
geschockt, ...
eine...
Leiche...
zu sehen
Komma, daher handelte ich ...
planlos."
Gut so?
Genau.
Ihre erste Leiche... Woher wussten Sie, dass er tot war?
Ich habe viele lebende Menschen gesehen, und ich habe verglichen.
Bitte keine Witze. So sparen wir Zeit.
Woher wussten Sie, dass er tot war?
Er lag in einer Blutlache.
Wie im Krimi.
Daher hielt ich ihn nicht für schlafend.
Er sah aus wie eine Leiche.
Also haben Sie schon mal eine gesehen.
Nur in Romanen, nicht in echt.
"Der Körper...
lag...
in einer...
Blutlache.
Tatsächlich...
hatte ich...
noch nie...
eine echte Leiche...
gesehen...
außer...
in...
Romanen."
Das hört sich blöd an.
Finde ich nicht.
Also gut...
Jetzt die Aussage Ihrer Nachbarin.
Nochmal?
Das ist eine Ermittlung.
Mist...
Tut mir leid, ich habe etwas Wichtiges vergessen. Familiensache.
Philippe!
Können wir nicht für heute Schluss machen?
Chef?
Diese Kopfhörer isolieren Sie.
Kommen Sie mal.
Ich kann jetzt nicht.
Ich konzentriere mich gerade.
Kommen Sie trotzdem.
Ich muss diesen Brief fertig machen.
Ich sitze schon eine Stunde daran.
Solche Sachen liegen mir nicht.
Also muss ich mich sehr konzentrieren,
und das fällt mir schwer.
Das Gespräch mit Ihnen stört meine Konzentration.
Ich verstehe.
Kommen Sie trotzdem.
Eine Stunde Arbeit geht verloren, wenn ich aufstehe, Chef.
Außerdem ist es offenbar wichtig.
Es ist für Champonin. Ich würde das wirklich gern beenden.
Ansonsten wäre ich schon längst bei Ihnen.
Ich kann kommen, wenn ich fertig bin.
Was ist das denn für ein Brief, der so viel Konzentration erfordert?
Das ist sozusagen vertraulich.
Kann ich mal sehen?
Na gut.
Champonin hat mir gesagt, ich soll es niemandem erzählen.
Es ist sozusagen vertraulich, sozusagen.
Können Sie dieses “sozusagen” mal lassen?
Es nervt.
‘Tschuldigung.
Meine Frau sagt das immer.
Was ist mit Ihrem Auge passiert?
Ich wurde so geboren.
Tut das weh?
Blöde Frage.
Sie halten mich für blöd?
Es ist ein Bewerbungsbrief für die Polizei.
Sie sind nicht blöd.
Champonin hat mich damit beauftragt. Ich darf es niemandem sagen.
Ein Befehl sozusagen.
Ich stelle Befehle nicht in Frage.
Aber ich fand es auch komisch.
Ich bin ja sozusagen schon bei der Polizei, also warum sollte ich
so etwas schreiben?
Ich stelle Befehle nicht in Frage.
Befehle, natürlich.
Wenn ich Sie zum Kopfschuss auffordern würde,
würden Sie das auch tun, weil ich Ihr Chef bin?
Das hängt davon ab. Wenn ich zum Beispiel...
eine ansteckende, tödliche Krankheit hätte, würde ich...
Alles klar.
Ich hab’s kapiert.
Jetzt behalten Sie erstmal diesen
Herrn hier für 20 Minuten im Auge.
- Ich? - Geht das?
- 20 Minuten. - Wir vertagen nicht?
Wir sind nicht bei „Wünsch dir was”.
Wir machen es heute Abend.
Was genau soll ich tun?
Was meinen Sie mit “im Auge behalten”?
Ihn bewachen. Sicherstellen, dass sich dieser Herr nicht vom Fleck rührt.
Ihn bewachen?
Okay, das ist einfach.
Sieh mich an.
- Kann ich mich auf dich verlassen? - Absolut.
Ich bewache ihn.
Und konzentrier mich nur darauf.
Das ist ein vernünftiger Befehl, den du zu befolgen hast.
Nicht dieser blöde Brief.
Genau.
Ich sehe jetzt den Unterschied zu einem sinnlosen Befehl.
Verlassen Sie sich auf mich.
Ich gehe nirgendwohin.
Ich bin unschuldig.
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