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Klettern gegen die Zeit ist etwas Gnadenloses.
Aber ich will ja zeigen, dass ich etwas kann.
Ich will ja zeigen, dass ich etwas besser kann als der andere.
Er klettert schneller als andere, und das meistens ungesichert und alleine.
Ohne Seile, ohne Sicherung.
Und seine Lebensversicherung?
Fingerspitzen und Zehenspitzen.
Herzlich willkommen, Ueli Steck!
Verstehen sie mich nicht falsch, aber sind Sie wahnsinnig?
Pscht.
Ueli Steck,
für einen der schnellsten Bergsteiger der Welt...
- Nun ist einer wieder schneller? - Genau.
- Herzlich willkommen, Dani Arnold. -
Ueli Steck, er war der Star, er war auch mein Vorbild.
Aber ich habe niemals gedacht, dass er ein Rivale von mir wird.
Was ist Ihr nächstes Ziel? Einfach nur, noch schneller zu sein?
Dani Arnold, warum das Ganze?
Ueli Steck, ist das nicht Russisch Roulette?
Wenn man dieses Spiel beginnt,
dieses Duell Arnold-Steck...
Irgendwann mal ist der Druck dann so groß.
Wenn du einen Fehler machst...
...dann ist es vorbei.
Es gibt viele, die's nicht glauben oder nicht nachvollziehen können,
aber ich bin ein extremer Angsthase.
Wenn du irgendwo einen Fehler machst,
müssen wir nicht diskutieren, was für eine Versicherung du hast.
Und mit diesem Druck musst du umgehen können.
In dem Moment musst du sagen: "Ich bin der Beste."
Du musst das auch glauben.
Ok, los geht's.
- Wir klettern und gucken. - So machen wir's.
Was steht auf dem Shirt? Sind das... Was bedeutet Richner?
- Die machen Staubsauger? - Bäder.
- Bäder? - Ja.
- Dich sponsern Bäder? - Ja.
Im Ernst?
Als ich Ueli das erste Mal traf, war sein Englisch nicht gut.
Ich bin sicher, er hatte Humor. Und ich bin sicher, er hatte auch Spaß.
Aber ich habe es selbst nie gesehen, glaube ich.
Er ist immer sehr ernst und konzentriert, sehr schweizerisch.
Das Seil ist gleich zu Ende.
Ueli und ich wollten den Speed-Rekord auf The Nose am El Capitan brechen.
Das ist eine 900 m lange Wand im Yosemite-Tal.
Das Interessante am Speedklettern ist, dass man es messen kann.
Man kann sich sehr leicht mit anderen Kletterern messen.
Normalerweise ist Speedklettern nicht schnell.
Speedklettern bedeutet eigentlich, effizient zu klettern.
Als wir das erste Mal kletterten,
merkte ich, dass er wirklich schnell kletterte.
Er bewegt sich sehr schnell fort.
Tagelang in einer Wand zu hängen...
Da hab ich keine Lust.
Für mich ist Bergsteigen...
Ich sehe halt darin nicht unbedingt einfach das Abenteuer dahinter.
Ich suche immer diesen sportlichen Aspekt.
Aufregend. Wir sind schon an vier Gruppen vorbei.
Oh, Mist.
Er fühlte sich wesentlich wohler, am Limit zu sein,
als jeder, den ich kannte.
Ich bin oben, Ueli!
Oh! Mist!
Er fiel etwa 25 m, würde ich sagen. Vielleicht etwas mehr.
Er hatte schlimme Kratzer, blutete und hatte sich übel verletzt.
Ich meinte, wir sollten morgen weitermachen.
Lass uns runterklettern, Eis essen, am Fluss entspannen.
Uns ausruhen, den Tag genießen.
- Wir klettern weiter! - Ok.
Kletter weiter.
- Gut gemacht. - Ich bin wütend auf mich.
Ich bin gestürzt. Das ist ein Fehler.
Er war wütend auf sich selbst und sagte: "Weiter, kein Problem."
Ich dachte, der Typ ist irre.
Rückblickend würde ich sagen,
das lag an seiner Erfahrung als Bergsteiger.
Er fühlte sich also viel wohler in gefährlichen Situationen.
Es gibt Sachen beim Bergsteigen,
das muss man einfach mal gemacht haben.
Eine Route am El Capitan frei klettern,
oder auf dem Everest muss man mal gestanden haben.
Und so gehören auch die drei Nordwände dazu.
Grandes Jorasses, Matterhorn und Eiger Nordwand,
das sind die drei großen Herausforderungen der Alpen.
Die Nordwände sind steiler als meistens die Südwände.
Es hat keine Sonne, es ist kalt.
Es sind einfach die schwierigsten Routen.
Das kreiert eigentlich den ganzen Mythos.
Aber für mich, Eiger Nordwand, das war immer ein zentraler Punkt.
Das gehört zur Geschichte vom Bergsteigen.
Eiger Nordwand:
Der Name jagt auch jedem Nicht-Alpinisten
einen abenteuerlichen Schauer über den Rücken.
1938 brauchten die Deutschen Heckmair und Vörg drei Tage,
um die 1.650 m Felswand hochzuklettern.
38 Stunden waren die Gebrüder Schlunegger unterwegs.
Wie lange muss man mit einer Besteigung rechnen?
Ich glaube, heutzutage, wenn ein Bergsteiger,
ein junger Kletterer,
gut vorbereitet ist mit der modernen Ausrüstung,
den Kenntnissen um die Wand,
sollte es möglich sein, die Wand in einem Tag zu durchsteigen.
Ich denke, das ist unter drei Stunden möglich.
Für mich kam die Idee: "Ja, ich möchte alle drei großen Nordwände
in Rekordzeit klettern."
Ueli interessiert sich jetzt für die Nordwände
und interessiert sich eigentlich für den Sologang.
Der hat die Illusion, also die...
- Genau. - Es ist einer, der hat die Vision...
Ja, du... Die Vision haben...
Dass man auf diese Idee kommt,
das finde ich das Faszinierendste.
Als ich Ueli kennengelernt habe,
da war er wirklich so jung, Hardcore Rock 'n' Roll, also...
Voll motiviert.
Ueli hatte diesen Swiss Machine Approach.
Er hatte einfach eine brutale, sportliche Einstellung
und hat hart trainiert.
Obwohl alle gesagt haben:
"Ihr klettert einen Tag, und dann macht ihr einen Tag Pause,
dann klettert ihr wieder einen Tag."
Der ist dann einfach fünf Tage durchgeklettert.
Also ich denke nicht, dass ich irgendein Supertalent bin.
Eher im Gegenteil.
Ich bin sehr schweizerisch,
dass man sich sehr, sehr akribisch auf etwas vorbereitet.
Und wenn ich ein Ziel habe,
dann verfolge ich dieses Ziel.
Da war dann irgendwo der Punkt, wo ich mir überlegt habe,
dass man die Routen vielleicht frei klettert.
Dass man sich nicht an Haken hochzieht und irgendwelche Fixseile hochhampelt.
Dass ich das so schnell wie möglich klettere
und hoffentlich einen neuen Rekord mache.
Wir haben ihn aufm Bildschirm.
Du kannst über ihn rüberfliegen.
Ok. Super.
Wenn man sich einen typischen Schweizer Bergsteiger vorstellt,
denkt man an einen, der Kniestrümpfe trägt und jodelt.
Und dann hat man den Kontrast zu Ueli als Bergsteiger,
der wortwörtlich die Wand so schnell wie niemand zuvor hochrennt.
Er hat das Bergsteigen auf jeden Fall modernisiert.
Die schwierigste Passage ist ganz klar der Hinterstoisser Quergang.
Weil das ist einfach eine glatte Platte. Also es hat fast keine Strukturen.
Jetzt hat es da ein Fixseil drin, wo man sich einfach rüberhangelt.
Für mich war das Ziel, das Ganze seilfrei zu klettern.
Dann schaust du runter und siehst, es geht 1.000 m runter.
Dir wird bewusst, wenn ich runterfalle, bin ich tot.
Super, so ist gut. Bleib so drauf.
- - Bleib so drauf.
Dann mal stopp
und dann mal bisschen wieder zu Sauerstoff kommen.
Und dann brauchst du einen Moment, bis du dann wirklich realisierst,
jetzt bist du oben.
Und du schaust dann auch auf die Uhr und merkst,
dass du sehr schnell gewesen bist.
- -
Dass die berüchtigte Todeswand
einmal in Rekordzeit im Alleingang begangen würde,
das hätte sich in den 30er-Jahren niemand träumen lassen.
Steck durchsteigt die Eiger Nordwand in Rekordzeit:
2 Stunden und 47 Minuten.
Die Kamera führte der bekannte Fotograf und Alpinist Röbi Bösch.
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