The first 200 lines.
Dad?
Ja?
Bist du hier oben?
Mm-hm.
16. JUNI 1993
Dadda, kannst du mir helfen, Mami auf diesem Papier zu zeichnen?
Alex, sieh mich an.
Als du den bösen Mann sahst, war er vor dir so wie ich?
Oder war er auf der Seite oder auf der anderen?
- Er stand vor mir. - Er war direkt vor dir?
- Mm-hm. - Hat Mami ihn gesehen?
Ich glaube nicht.
Nein? Hast du ihn zuerst gesehen?
Ja, ich hab ihn zuerst gesehen.
Hatte er eine Tasche?
Ja.
Machte er sie auf oder war sie schon offen?
- Er machte sie auf. - Was hat er rausgeholt?
- Ein Messer. - Was hat er mit dir gemacht?
- Mich umgestoßen! - Dich umgestoßen?
Ja.
Der böse Mann hat seine Dinger in sie gesteckt.
Was hat er in sie gesteckt?
Ein Messer. Da ist sein Messer.
Hast du's gesehen?
- Ja, ich hab's gesehen. - Hast du's die ganze Zeit gesehen?
Ja, ich hab alles gesehen.
Mein Sohn sah den Mord an seiner Mutter.
Aber niemand konnte wissen, wie lange es dauern würde,
den Täter zu finden.
EIN JAHR ZUVOR
SÜDLONDON
Was hast du da?
- Ich habe eine Kamera. - Wofür?
Ich mache Fotos von dir.
Knuddeln.
Die mögen wir nicht, oder, Alex?
Rachel und Alex waren, wissen Sie, eine Einheit.
Er war tagtäglich der Mittelpunkt von Rachels Aufmerksamkeit.
Sie fühlte sich nicht von Glitzer angezogen.
Sie genoss die einfachen Dinge des Lebens.
Das Zusammensein mit ihren Lieben.
Sie war jemand, die an den einfachsten Dingen etwas Lustiges fand.
Ich bin gespannt.
Schlaf.
Streichle mal Molly. Leg dich hin und streichle sie.
Damals arbeitete ich fünf Tage in der Woche als Kurier
und reiste durchs ganze Land.
Ich holte unten mein Rad raus, bereit für den Tag.
Obwohl wir uns bereits verabschiedet hatten, kamen beide.
Kamen die Treppe runter und winkten mir zum Abschied.
Diese Erinnerung bleibt mir. Ja, wie sie lächeln.
Hand in Hand auf den Stufen.
Alex war total entspannt und Rachel sah toll aus.
Sie gingen routinemäßig zum Wimbledon Common.
Er hatte schon immer den Ruf, sicher zu sein.
Und Alex brauchte so viel Auslauf wie der Hund.
Sonst würden beide vor Energie platzen.
An jenem Tag war ich zufällig in London
und wurde zum Stadtrand geschickt.
Damals gab's noch keine Handys.
Ich rief mehrmals am Tag an, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.
Später am Morgen hielt ich an, fand eine funktionierende Telefonzelle,
und rief sie an.
Eine Männerstimme ging ran.
Mir gefror das Blut.
Ich wusste es sofort, dass da was nicht stimmte.
Er sagte: "Ich bin Polizist."
Ich sagte: "Wo ist Rachel?"
Er sagte: "Es gab ein Unglück."
Ich sagte: "Ist sie tot?" Er: "Darf ich nicht sagen."
Ich: "Das haben Sie eben."
Ich fragte: "Wo ist Alex?"
Er sagte: "In Sicherheit. Er ist im Krankenhaus."
Er sagte: "Bleiben Sie, wo Sie sind. Wir holen Sie ab."
Sobald ich aufgelegt hatte, brach ich zusammen.
André, ich bin direkt auf deinem Bauch.
Drück auf Pause.
Hey, ich…
Ich weiß nicht, was du sagst.
Den Teil mögen wir.
- Magst du das? - Ja.
Mein Glauben an das Unveränderliche der Realität hatte, verschwand.
Mein Zustand
ließ sich nur beschreiben als an der Grenze zum Wahnsinn.
11:20 UHR
Am 15. Juli 1992
wurde mir gesagt, dass Hundesitter im Common eine Leiche gefunden hatte.
Es ist unsere Aufgabe, professionell mit solchen Situationen umzugehen.
Mit Distanz von dem, was man als Mitmensch sieht.
Ich ging durchs Gras,
und bog dann rechts ab auf eine kleine Lichtung.
Es war der schlimmste Tatort.
Es sah nach einem rasenden Angriff aus.
Das Opfer wurde angegriffen, weggeschleift,
und hatte 49 Messerstiche im Hals- und Brustbereich.
Und sie lag da, mit den Händen direkt vorm Gesicht,
als wollte sie sich immer noch schützen.
Es war monströs.
Die Ermittler sagten mir, dass Rachel von hinten angegriffen wurde.
Sie war mehrmals niedergestochen und dann sexuell missbraucht worden.
Dass man Alex an die Leiche seiner Mutter geklammert fand.
Und dass sie ihn im Grunde wegreißen mussten,
bevor man ihn versorgen konnte.
Alex wurde in dieses Krankenhaus gebracht.
Als ich dort ankam,
hieß es, ich solle mit einem Psychologen reden,
bevor ich zu Alex konnte.
Der Psychologe sagte: Kinder sind widerstandsfähig.
Sie überstehen das Schlimmste.
Er sagte: Sie müssen wissen,
dass es endgültig ist, dass die Person nicht zurückkommt.
Alex kam in den Armen einer Schwester raus und wirkte unglaublich verhalten.
Er hatte Schnitte unter den Augen und Prellungen an den Wangen.
Und seine Augen hatten einen intensiven Blick, wissen Sie,
wie ein sehr alter Mensch in einem sehr jungen Körper.
Ich hob ihn hoch und wiederholte, was der Psychologe gesagt hatte.
Es gab einen Unfall,
dass Mami tot ist, dass sie nicht zurückkommt.
Er starrte einfach vor sich hin. Er stellte keine Fragen.
Aber es war klar, dass er mir sagte: "Das weiß ich schon."
Wissen Sie? "Das musst du mir nicht erklären."
Alex, dreh dich um und winke mir zu.
Winke.
Er hat nie wieder gefragt, wo seine Mutter war. Nicht einmal.
Die Polizei riegelte den Common ab,
kurz nachdem ein Passant eine halbnackte Frauenleiche gefunden hatte.
Laut Ermittlern wurde sie in einem rasenden Angriff ermordet,
was ihr zweijähriger Sohn mitangesehen hatte.
Der Nachrichtenredakteur rief mich an:
"Wir haben gerade erfahren,
dass es im Wimbledon Common eine tödliche Messerattacke gab."
"Sie müssen sofort mit einer Crew los."
Wimbledon als Ort
ist sehr wohlhabend, mit wunderschönen Häusern.
Wimbledon Common sind ungefähr 400 Hektar Parkland,
direkt an der Grenze zum Zentrum von London.
Der Mord geschah am helllichten Tag,
und die Polizei meint, dass der Mörder blutüberströmt gewesen sein muss.
Eve Richings, Sky News.
Es war spürbar, wie erschüttert die Polizeibeamten vor Ort waren.
Ein Passant fand sie halbnackt,
und ein kleiner Junge klammerte sich an die Leiche.
Hauptkommissar Bassett,
der Beamte, der die Ermittlungen leitete,
war derjenige, der das erste Briefing machte.
Der kleine Junge war voller Schlamm und Blut.
Das Blut stammte wohl von der Mutter.
Ich war Kriminalmeister und zum Zeitpunkt der Untersuchung
die rechte Hand von John Bassett.
Als wir am Tatort ankamen,
konnte ich sehen, dass sie bei diesem Angriff entsetzlich gelitten hatte.
Als wir uns die Leiche näher ansahen, lag der Körper sehr unnatürlich.
Man hatte ihr die Kleidung abgerissen.
In und um die Leiche war Feuchtigkeit.
Das deutete darauf hin, dass der Angriff eventuell sexuell war.
Es war beängstigend, dass jemand, der ein solches Verbrechen beging,
frei herumlief.
Und jemand, der so etwas tut,
dann wird es wahrscheinlich wieder tun,
und man ist unter Druck, den Mann zu erwischen, bevor er es wieder tut.
Polizeiteams durchkämmten auch am zweiten Tag die 400 Hektar von Wimbledon Common
nach Hinweisen auf den brutalen Mord.
Die Größe von Wimbledon Common,
da war mir sofort klar, dass wir eine schwere Aufgabe hatten.
Wenn ein Mord geschieht,
setzt man 10, 15 Beamte darauf an.
Ich glaube, wir hatten etwa 40.
Es war von Anfang an offensichtlich, dass das ein großer Fall ist.
Die ermordete Mutter wurde offiziell als Rachel Nickell identifiziert.
Ihre Leiche wurde heute vom Vater ihres kleinen Sohnes identifiziert.
Wenn man Bilder von Rachel Nickell sieht,
wenn man sieht, wie sie aussah,
sie funkelte sozusagen vor Vitalität.
Die Leute konnten sich… in dieses Leben hineinversetzen.
Sie erinnerten sich, wie sie mit 23 waren
oder an sich als frischgebackene Eltern.
Die veröffentlichten Fotos waren eine Liebesgeschichte.
Es war sofort eine Verbindung da.
Es war… Das hatte ich noch nie erlebt,
und seitdem auch nicht mehr.
Wir waren unzertrennlich. Wir fühlten, dass wir total verbunden waren.
Das ist die Erfahrung, von denen viele nur träumen.
Sich Hals über Kopf zu verlieben und sich mit jemandem so vollkommen zu fühlen.
Wir fühlten uns beide gesegnet.
Als Rachel schwanger wurde, war das ein Schock.
Ich war 25 und Rachel war 19.
Sie war darauf fokussiert, ihr Studium zu beenden,
auf eine Karriere, einen guten Job.
Aber als Rachel sah, dass ich voll dabei war,
wusste sie, dass wir es schaffen können.
Also haben wir es angepackt.
Wenn man das erste Mal ein Kind hochhebt
und es atmen sieht,
ist das übernatürlich.
Es ist absolut übernatürlich.
Man muss an Magie glauben, wenn man die Geburt eines Kindes erlebt hat.
Rachel war die geborene Mutter.
Sie war atemberaubend.
Die beiden verband eine tiefe, innige Zuneigung.
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