The first 200 lines.
AM 13. JANUAR 2012 LIEF DIE COSTA CONCORDIA AUF EINEN FELSEN
UND ERLITT MIT 4000 PASSAGIEREN SCHIFFBRUCH.
DER FILM BEINHALTET ARCHIVAUFNAHMEN
SOWIE GESPROCHENE ÜBERSETZUNGEN VON DURCHSAGEN.
Tritt Wasser ein?
Jede Menge. Ich bin gerade auf dem Weg nach unten.
Wir hatten seit der Geburt keinen Urlaub gehabt.
Ich sagte zu John, der Zeitpunkt wäre perfekt,
endlich die Reise zu machen, von der wir immer gesprochen hatten.
Das war eine große Sache für uns.
Am Freitag, dem 13. Januar,
war ich bereits vier Monate als Tänzerin an Bord.
Mit so etwas hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
Eben feiert man noch mit der Familie und lässt es sich gut gehen.
Und im nächsten Moment
fühlt man sich einfach
machtlos.
Es fühlte sich an, als würde der Boden unter uns aufbrechen.
Die Leute hielten sich an den Wänden und aneinander fest.
Das sieht aus wie in "Titanic".
Aber so was von.
Berichte über Angst und Panik auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia.
Der Gedanke ist Ihnen nicht neu. Sie betreten ein Flugzeug oder Schiff:
"Was, wenn etwas schiefgeht?"
Nun, etwas ging schief.
Sobald man die Augen schließt, kehren Erinnerungen zurück.
Man durchlebt sofort wieder
das Schlimmste, was man als Familie je erlebt hat.
Mein Gott, was habe ich getan?
ALBTRAUM AUF SEE
Wir waren noch nie zusammen in Europa gewesen.
JANUAR 2012
Wir waren noch nie für so lange und so weit weg verreist.
Unsere Tochter Lila war 14 Monate alt.
Für uns war das die Chance, eine große Reise zu unternehmen.
Wir hatten einen Koffer nur mit Spielzeug, Windeln, Feuchttüchern.
Wir hatten so viel dabei.
Geplant waren Paris, die Schweiz, Venedig, Barcelona.
Der Abschluss war eine Kreuzfahrt.
Das war mit der Hauptgrund für diese Reise.
Wir haben zig Fotos und Videos gemacht,
so viele Erinnerungen gesammelt.
Italien war immer mein Traum.
Es stand ganz oben auf meiner Wunschliste.
Aber ich wusste nicht, dass es eine Kreuzfahrt werden würde.
Das hatte ich verschwiegen. Ich hatte nur "Italien" gesagt.
Die Kreuzfahrt sollte eine Überraschung sein.
Wir waren damals seit etwa drei Jahren zusammen.
Ich hatte geplant, ihr einen Heiratsantrag zu machen.
Dafür wünscht man sich natürlich
einen möglichst romantischen Ort.
Davon gab es auf dieser Reise reichlich zur Auswahl.
Es war die perfekte Gelegenheit.
Am perfekten Ort konnte sie nicht Nein sagen, oder?
Das denken doch sicher alle.
Als ich ankam,
staunte ich, wie groß, wie riesig das Schiff war.
Ich war damals 17.
Meine Mutter wollte ihren 50. Geburtstag feiern.
PASSAGIERIN
Sie buchte für mich, meinen damaligen Freund
und ihre beste Freundin aus Kindertagen, Luisa.
Wir haben schon immer alles zusammen gemacht.
Ich war etwa sieben, als sie ihre Krebsdiagnose bekam.
Doch seit einigen Monaten vor unserer Abreise
war ihr Krebs in Remission.
Das war umso mehr ein Grund, ihren Geburtstag zu feiern.
Das Erste, was wir getan haben, war, das Schiff zu erkunden.
Ich wusste, ich hätte noch nie ein so großes Schiff gesehen.
Ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal an Bord ging
und staunte, wie extravagant alles war.
Opulentes Interieur. Überall Kronleuchter.
Alles schien aus Gold, Glas oder Marmor zu sein.
Sehr italienisch.
Alles glänzte und sah perfekt aus.
Ich war unsicher, wie das Zimmer aussehen würde.
Die Reise war ziemlich teuer für mich, und ich war Student.
Aber er buchte das beste Zimmer, das wir uns leisten konnten.
Ich war überglücklich über den Balkon und den tollen Ausblick.
Wir gingen auf den Balkon
und Nick sagte:
"Hey, sieh mal.
Ein, zwei Stockwerke unter uns
sind die Rettungsboote."
Stimmt.
Ich dachte: "Davon mache ich ein Foto."
Es war meine erste Kreuzfahrt.
Und ich dachte: "Was, wenn es endet wie mit der Titanic?"
Ich sagte: "So was passiert nicht.
Ich hab so was schon öfter gemacht. Du wirst es mögen."
FREITAG, 13. JANUAR
Kinder, lauft bloß nicht weg!
Passagiere an Bord: 3208.
Crew: 1023.
Als wir an Bord kamen, waren wir ziemlich beeindruckt.
Jemand fragte, was wir während der Woche tun wollten.
Wir planten einen Wellnesstag. Es war aufregend.
Alles ging so schnell.
Einchecken, das Schiff erkunden.
Ich habe alles fotografiert.
Das Tolle an Kreuzfahrten ist,
dass für wirklich alles gesorgt ist.
Für mich als frischgebackene Mutter war das ungemein praktisch.
Es gab unzählige Restaurants jeglicher Art,
Theater, Shows,
ein Casino.
Die einzige Herausforderung ist es, sich für eine Sache zu entscheiden.
Es gab eine Eisdiele, an der man sich selbst bedienen konnte.
Man hätte zu jeder Zeit einen Eisbecher essen können.
"The Walking Dead" war damals ein Ding.
Wir spielten ein Spiel: "Wohin gehst du bei einem Zombie-Angriff?
Welche Waffe wählst du, um zu kämpfen oder zu entkommen?
Wo würdest du hin? Hier lang oder da lang?
Und wo wäre eine Waffe, um langsame Zombies zu stoppen?"
Das erste Mal, als er damit anfing,
sagte ich: "Keine Ahnung."
Ich hörte nicht wirklich zu.
Und er sagte: "Falsch!"
Genau. "Da hast du es vermasselt." Genau da.
Mit der Zeit fing ich an, mehr auf meine Umgebung zu achten.
Es war ein schöner Abend.
Klare Sicht. Etwas kalt, da es Januar war.
HOTELDIREKTOR
Aber ein ruhiger, normaler Abend.
Ich habe etwa 43 Jahre für Costa gearbeitet.
Man ist immer auf dem Schiff.
Weihnachten, Silvester, Ostern, samstags, sonntags.
Ich war an Bord mehr zu Hause als zu Hause.
Für mich arbeiteten auf der Costa Concordia etwa 800 Leute.
Am Freitag, dem 13. Januar,
war ich bereits vier Monate als Tänzerin an Bord.
Damals war das mein absoluter Traumjob.
Es war buchstäblich der Himmel auf Erden.
Ich durfte die Welt erkunden. Ich war in absoluter Topform.
Ich hatte tolle Freunde.
Es war magisch.
Im Namen der Geschäftsführung und der Crew…
KAPITÄN
…heiße ich Sie an Bord willkommen.
Ich hatte Schettino ein paarmal getroffen.
Das erste Mal im Aufzug der Crew.
Über ihn wusste ich nur,
dass er als Kapitän neu auf dem Schiff war.
Gute Reise.
Einmal besuchte mich meine Mutter an Bord.
Im Gespräch mit ihr sagte er,
er wolle auf der Insel mit einem Freund angeln gehen.
Sie solle es keinem sagen, weil er das eigentlich nicht dürfe.
Er schien also auch ein kleines Schlitzohr zu sein.
Gegen 21 Uhr an jenem Abend rief mich der Kapitän an.
Ein paar Tage zuvor hatte der Oberkellner den Kapitän gefragt,
ob eine Vorbeifahrt vor der Insel Giglio möglich wäre,
da dort sowohl seine Schwester als auch Mutter lebten.
DIE BRÜCKE
Er fragte, ob ich für die Vorbeifahrt zu ihm auf die Brücke kommen wolle.
Ich fand das etwas ungewöhnlich.
Es war Abend und dunkel. Es gab nicht viel zu sehen.
Aber da der Kapitän es so wollte,
kamen wir seinem Wunsch nach.
KAPITÄN: Hallo?
BRÜCKE: Hier ist Ciro, 6 Seemeilen.
KAPITÄN: 6 Seemeilen. Ok, in Ordnung.
BRÜCKE: Wir sind kurz vor Giglio. Wir werden um 21:44 Uhr dort sein.
An jenem Abend beschlossen mein Freund Andrea und ich,
aufs Pooldeck zu gehen.
Als ich die Tür öffnete,
spürte ich eine frische Brise wehen.
Es war dunkel,
aber man sah ein paar Lichter.
Sie spiegelten sich im Wasser.
Ich beugte mich vor. Ich sah aufs Meer.
Und Andrea, der hinter mir stand, legte seine Arme um mich.
Er sagte: "Das ist wie bei 'Titanic'."
In dem Moment…
…war mir…
…etwas komisch zumute.
Aber das wäre zu verrückt, oder? Also…
Man verwirft solche Gedanken schnell wieder.
Und dann rief mich meine Mutter an.
Sie sagte: "Wir sind hier im Restaurant.
Sie servieren das Abendessen. Kommt doch bitte dazu."
Es war ein wichtiges Essen,
denn um Mitternacht
würde sie Geburtstag haben.
Wir hatten ein tolles Abendessen.
Sagst du Hallo zu Daddy?
Aber da Lila erst ein Jahr alt war, war es danach Zeit fürs Bett.
Also gingen wir in die Kabine.
Wir hatten eine Abendroutine.
Ich zog meinen Schlafanzug an.
Ich war duschen und stieg nur in Boxershorts ins Bett.
Ich legte mich hin
und sagte: "Ich bin erschöpft."
Es war ein langer Tag.
KAPITÄN: Ich übernehme das Steuer. Was ist unsere Geschwindigkeit?
BRÜCKE: 15,3.
KAPITÄN: Erhöhen auf 16 Knoten.
Als wir uns der Insel näherten, merkte ich, dass wir ihr zu nahe kamen.
Das erwähnte ich auch gegenüber dem Oberkellner neben mir.
"Ich glaube, wir fahren zu nah ran."
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